Super League

Basel lässt Lugano keine Chance

Drei Punkte waren einkalkuliert, drei Punkte haben sie: Der FC Basel gewinnt das Nachholspiel der 23. Runde beim FC Lugano mit 4:1. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten die Luganesi keine Chance. Itten trifft ein erstes Mal in der Super League.

Da sind keine Pfiffe. Kein Händeverwerfen und keine Flüche nach falschen Schiedsrichterentscheiden. Keine Zuschauer, die das Stadion frühzeitig verlassen. Nichts. Auf den steilen Rängen im altehrwürdigen «Cornaredo» herrscht einfach nur Gleichgültigkeit über das, was da auf dem Rasen passiert. Die Demütigung für die Spieler von Lugano und ihren Trainer Zdenek Zeman könnte nicht grösser sein.

0:4 steht es nach der ersten Halbzeit. 1:4 am Ende. Immerhin. Und trotzdem: Nach dem 0:6 gegen Sion und dem 0:7 gegen YB ist es die dritte Kanterniederlage in Folge für Lugano. Wer nun erwidert, nicht gegen YB und Basel müssten die Tessiner punkten, sondern gegen Vaduz und St. Gallen, der hat damit zwar recht. Vergisst aber, dass nicht nur die Höhe der Niederlage eine Rolle spielt, sondern ebenso die Art und Weise. Und die ist bei Lugano erschreckend: Da ist keine Mannschaft. Lugano ist ein Haufen von Individualisten, von denen jeder ein bisschen sein Ding abzieht.

600 Meter neben der «Resega», wo 24 Stunden zuvor die Eishockeyaner von Lugano gegen Bern zwar ebenfalls verloren haben, sich aber immerhin mit vereinten Kräften wehrten gegen die Niederlage, ergeben sich die Fussballer ihrem Schicksal. Die Frage stellt sich: Protestieren die Spieler so gegen Trainer Zeman? Ist ihr Glaube an den eigenwilligen, aber kaum mehr zeitgemässen Trainer-Methusalem aus Tschechien weg? Fragen, die sich wohl auch Lugano-Präsident Angelo Renzetti stellt. Er hat vor der Partie angekündigt, bei einer weiteren hohen Niederlage über Konsequenzen nachzudenken. Fest steht: In der aktuellen Verfassung wird Lugano ein Jahr nach dem Aufstieg wieder zurückgehen in die Challenge League. Und im Cupfinal gegen dem FC Zürich kein ebenbürtiger Gegner sein. Daran ändert auch die kleine Leistungssteigerung nach der Pause nichts. Denn diese war verbunden mit dem gleichzeitigen Nachlassen des FC Basel, der verständlicherweise nicht mehr mit der letzten Entschlossenheit ans Werk ging. Die Basler konnten bereits nach 22 Minuten und dem 3:0 durch Delgado in den Schongang schalten; der Argentinier verwandelte einen Penalty, nachdem Veseli einen Kopfball von Bjarnason mit der Hand abgewehrt hatte. Rot hätte es für den Lugano-Verteidiger geben müssen – aber das war bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Partie egal, weshalb die Basler auf Proteste verzichteten.

Ohne neun gesperrte und verletzte Spieler reiste Rot-Blau ins Tessin. Die Personalprobleme in der Abwehr löste Urs Fischer, indem er Taulant Xhaka vom zentralen Mittelfeld in die Innenverteidigung zurückzog und auf rechts erstmals seit vergangenem September Naser Aliji wieder einen Super-League-Einsatz in der Startformation ermöglichte. Der albanische Nationalspieler machte seine Sache gut und sammelte ein paar Argumente für eine Weiterbeschäftigung im Sommer. Schliesslich wird dann durch den Abgang von Safari (nach Schweden) in der Abwehr ein Platz frei, auf den Aliji schielt.

 Die zweite positive Geschichte an diesem Abend schrieb Cedric Itten – wie Aliji ein Eigengewächs. Der junge Stürmer nützte die Chance, die sich ihm dank der Absenzen von Embolo und Janko bot, und erzielte mit seinem ersten Profitreffer das 4:0. Das erste Tor zum 21. Sieg im 27. Ligaspiel erzielte Birkir Bjarnason, der an der Strafraumgrenze ungestört abziehen durfte und wunderschön ins Lattenkreuz traf. Das 2:0 besorgte der 38-jährige Walter Samuel, der nach einem Zuffi-Freistoss einköpfelte.

Hätte Basel nach dem Seitenwechsel die Pace hochgehalten, die Sache hätte noch deutlicher geendet. «Aber dass die Jungs einen Gang runtergeschaltet haben, ist menschlich und okay», so Urs Fischer. Übrigens: In einer Woche treffen Basel und Lugano erneut aufeinander. Schöne Aussichten für den FCB, schlechte hingegen für die Tessiner.

Lugano - Basel 1:4 (0:4)

3085 Zuschauer. – SR Fähndrich. – Tore: 10. Bjarnason (Samuel) 0:1. 13. Samuel (Freistoss Zuffi) 0:2. 22. Delgado (Handspenalty/Bjarnason) 0:3. 44. Itten (Traoré) 0:4. 47. Culina (Anastasios Donis) 1:4.

Lugano: Salvi; Veseli, Urbano, Datkovic, Jozinovic; Rey (46. Alioski), Piccinocchi, Crnigoj; Culina, Anastasios Donis (68. Rossi), Bottani (46. Sabbatini).

Basel: Vaclik; Aliji, Xhaka, Samuel, Traoré; Fransson, Zuffi; Steffen (46. Boëtius), Delgado (66. Callà), Bjarnason (81. Hunziker); Itten.

Bemerkungen: Lugano ohne Tosetti, Padalino (beide verletzt), Christos Donis, Djuric (nicht im Aufgebot), Basel ohne Embolo, Safari, Suchy (alle gesperrt), Akanji, Degen, Hoegh, Janko, Lang, Sporar (alle verletzt). Super-League-Debüt von Hunziker. Verwarnungen: 21. Veseli (Hands), 41. Rey, 54. Urbano (beide Foul).

Rangliste: 1. Basel 27/66 (69:27). 2. Young Boys 27/48 (53:33). 3. Grasshoppers 27/42 (57:46). 4. Sion 27/38 (38:35). 5. Luzern 27/34 (37:42). 6. Thun 27/33 (34:40). 7. St. Gallen 27/31 (31:41). 8. Zürich 27/29 (40:49). 9. Vaduz 27/24 (29:46). 10. Lugano 27/24 (34:63).

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