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Basel spielt bei der Niederlage in Krasnodar in einem beeindruckenden Stadion nur eine Nebenrolle

Noah Okafor blickt beim Einlaufen staunend auf die LED-Leinwand im Oberrang.

Noah Okafor blickt beim Einlaufen staunend auf die LED-Leinwand im Oberrang.

Der FC Basel verliert am fünften Spieltag in der Europa League in Russland beim FK Krasnodar mit 0:1. Dabei stiehlt das Stadion den Fussballern die Show.

Ein Konstrukt wie der 2008 gegründete FK Krasnodar mag Gift für die Seele eines jeden Fussballromantikers sein. Doch der Fussball-Tempel, den Milliardär und Präsident Sergei Galitzki für rund 300 Millionen Franken erbauen liess, bringt jeden Fussballfan ins Staunen. Auch die Stars des FC Basel haben noch nie in einer so modernen Arena gespielt. Von aussen erinnert das Krasnodar-Stadium an das Kolosseum in Rom. Innen sorgt eine wellenförmige LED-Wand im gesamten Oberrang dafür, dass die Zuschauer und auch die Spieler das Gefühl bekommen, mitten in einem Kinofilm zu stehen.

Krasnodar vor dem Match

Der Countdown vor dem Match in Krasnodar im Video.

Die Russen wissen, wie man eine Show abzieht. Auf der ovalen Megaleinwand unter dem Stadiondach werden vor dem Spiel stimmungsvoll die Aufstellungen in Szene gesetzt. Ein martialischer zweiminütiger Countdown macht die 22'826 Zuschauer vor dem Anpfiff dann noch mal so richtig heiss. Doch die Akteure auf dem Rasen lassen sich davon nicht beeindrucken. Beide Teams meiden in der ersten halben Stunde das Risiko. Basel muss und Krasnodar traut sich noch nicht. Obwohl die Krasnodar-Fankurve nur aus knapp 100 Russen und einer Trommel besteht, wird es aufgrund der guten Stadionakustik und der russischen Mitsingkultur immer wieder ohrenbetäubend laut. Sobald sich Krasnodar dem FCB-Tor gefährlich nähert, macht das gesamte Stadion Lärm und übertönt die rund 100 mitgereisten FCB-Fans.

In der 31. Minute bleibt den Krasnodar-Fans der Torschrei im Hals stecken, denn Silvan Widmer kann den Lupfer von Wanderson gerade noch auf der Linie klären. Es sollte die einzige Torchance in einem ersten Durchgang bleiben, in dem sich der FCB voll und ganz aufs Verteidigen konzentriert und insgesamt nur zu einem einzigen ungefährlichen Kopfball aufs Tor kommt. Im zweiten Durchgang filmt die am Stadiondach befestigte Spider-Cam – ja, auch das gibt es hier beim FK Krasnodar – einen etwas offensiveren und aggressiveren FCB. Mehrfach spielt sich Rotblau in die Nähe des russischen Tors. Doch Fabian Frei und Valentin Stocker verpassen es in dieser Phase, eine gute Abschlussposition in etwas Zählbares zu verwandeln.

Der FC Basel kann den Kitsch leider auch nicht unterbinden

Auf der Gegenseite macht Ari das in der 72. Minute besser. Der in Russland eingebürgerte Brasilianer nutzt eine übermotivierte Grätsche von Omar Alderete, um einen Penalty zu bekommen und verlädt Jonas Omlin gleich selber. Sein Führungstreffer bringt das Stadion zum Kochen. Auf der LED-Wand knallt Feuerwerk, während Ari und seine Kollegen an der Eckfahne feiern und die Zuschauer mit ihren Schals wedeln.

Obwohl Basel in der Schlussphase noch einmal auf den Ausgleich drängt, bleibt es am Ende bei diesem Resultat. In der 85. Minute erscheint dann ein Sternenhimmel auf der Leinwand. Das Publikum verschmilzt dank der Taschenlampen ihrer Smartphones mit der LED-Wand. Jetzt wird es definitiv kitschig. Doch der FCB verpasst es, durch einen Ausgleich diese oligarchische Form der Fussballromantik zu unterbinden.

Ein Tor für Krasnodar

So sieht ein Torjubel in Krasnodar aus.

Der eingewechselte Afimico Pululu kommt einem Treffer in der Nachspielzeit mit einem knappen Kopfball neben das Tor bedrohlich nah. Doch am Ende bleibt dem FCB in der Krasnodar-Stadion-Show nur eine Nebenrolle. «Es ist eines der schönsten Stadien, das ich je erlebt habe», sagt auch FCB-Trainer Marcel Koller und fügt an: «Wenn man führt und auf diese Kurve spielt, ist die Stimmung dementsprechend gut.» Damit die Stimmung auch beim FCB wieder gut wird, muss am Sonntag ein Sieg gegen YB her. Platz 1 in der Europa-League-Gruppe kann sich Basel auch noch mit einem Sieg im letzten Heimspiel gegen Trabzonspor aus eigener Kraft holen.

Die Noten zum Spiel:

Die Bilder zum Spiel: 

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