Laufsport

100 Kilometer zu Fuss: Auch 83 Jahre halten Hans Behounek nicht auf

Fast zu warm: Der 83-jährige Hans Behounek aus Pratteln am Samstagnachmittag unterwegs in der prallen Sonne. Foto: Hans Ulrich Mülchi

Fast zu warm: Der 83-jährige Hans Behounek aus Pratteln am Samstagnachmittag unterwegs in der prallen Sonne. Foto: Hans Ulrich Mülchi

Hans Behounek aus Pratteln nahm als ältester Läufer am Bieler 100-Kilometer-Lauf teil. Nach über 18 Stunden erreichte der 83-Jährige das Ziel. Daraufhin sagte er: «Ich denke, das war mein letzter Bieler.» Es war seine 25. Teilnahme.

Einmal im Leben einen Marathon laufen, ein Traum für viele Sportler. Die 42-Kilometer-Distanz gilt als Synonym für Ausdauer. Nicht für Hans Behounek aus Pratteln. Der gebürtige Österreicher hat am vergangenen Samstag seinen 25. Bieler 100-Kilometer-Lauf beendet. Im Alter von 83 Jahren. Mit zwei Tagen Abstand sagt er: «Ich denke, das war mein letzter Bieler. Ich spüre langsam, dass ich jedes Jahr ein Jahr älter werde. Vielleicht starte ich beim Solothurner Marathon. Das sollte noch gehen.»

Von einem Kollegen animiert

Erst im Alter von 53 Jahren hat Behounek ein erstes Mal teilgenommen. Ein Arbeitskollege hätte ihn dazu animiert. «Danach sagte ich mir: nie wieder!» Die anderen Starter seien ihm um die Ohren gelaufen. «Ich war zu schlecht vorbereitet. Ich hätte mehr trainieren müssen.» Dafür hatte der Stahlbauingenieur aber zu wenig Zeit. Vorerst. Nach der Pensionierung wurde es besser. «Meine Bestzeit bin ich im Alter von 69 Jahren gelaufen. 11 Stunden und 51 Minuten.» Bei seiner 25. Teilnahme benötigte er über 18 Stunden. Was Behounek nachdenklich macht, ist, dass er über eine Stunde langsamer war als noch vor einem Jahr. Deswegen der nachträgliche Entscheid zur Derniere.

Krise bei Kilometer 88

Bei Kilometer 88 hatte er eine Krise, kam fast nicht mehr vom Fleck, die Beine wollten nicht mehr. Aber das war nicht matchentscheidend, denn: «Einen solchen Lauf schafft man mit dem Grind, nicht mit den Beinen», sagt Behounek. Und je länger man brauche, desto schwieriger werde es. Fünf Kilometer vor dem Ziel fängt er sich, findet wieder seinen Rhythmus.

Als Aussenstehender kann man sich die Strapazen nur schlecht vorstellen. Der Start erfolgt jeweils freitags um 22 Uhr. Die Nacht sei gut durchzustehen, sagt Hans Behounek. Die Art wie der 83-Jährige den Sonnenaufgang beschreibt, lässt aber bereits erahnen, wie sich die Läufer das Tageslicht herbeisehnen. «Gegen halb sechs Uhr, ich war bei Jegenstorf, stieg sie auf. Blutrot wie ein Feuerball. Das gibt einem Kraft.»

Auch der Sohn war dabei

Ab acht Uhr begleitet ihn sein Sohn Michael, dessen erstmalige Teilnahme in Biel 2009 ist übrigens der Grund, wieso Vater Behounek nach 20 Teilnahmen und einem Unterbruch von sieben Jahren ebenfalls wieder antrat. Mit der familiären Unterstützung und «dem vorzüglichen Service am Streckenrand» walkt der älteste Teilnehmer durch den Tag. Durchrennen könne er die Strecke nicht mehr. Die schnellsten Teilnehmer erreichen Biel nach der Runde quer durch den Kanton Solothurn bereits kurz nach Sonnenaufgang. Hans Behounek schreitet kurz vor 17 Uhr über die Ziellinie.

Ein fast zu warmer Tag

Die Bedingungen seien sehr gut gewesen. Den Tag durch fast zu warm. Das war nicht immer so. Vor zwei Jahren hätte es durchgehend geregnet. Deswegen auch Behouneks Trainingsweisheit: «Trainiere nur bei schönem Wetter. Es reicht, wenn Du beim Rennen nass wirst.» Ansonsten ist Laufen für ihn vor allem ein Weg zu Gesundheit. «Ich bilde mir ein, dass Bewegung Gesundheit schafft. Je länger ich fit bin, desto länger bin ich gesund.»

Nun also der Rücktritt vom Bieler. Ein Rücktritt aus Vernunft. Für einen Marathon reichen seine Beine aber noch – und vor allem der Grind.

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