Was geben wohl die Buben in den Büchern «Meine Klassenkameraden» am häufigsten als Berufswunsch an? Wahrscheinlich Astronaut, Popstar, Fussballer und Rennfahrer. Während die meisten eine bürgerliche Berufslaufbahn einschlagen, gibt es einige, die ihren Traum verwirklichen. Jeffrey Schmidt ist auf dem besten Weg, eine grosse Karriere zu machen. Der 17-jährige Liestaler macht in seiner ersten Saison in der ADAC Formel Masters eine gute Figur – ohne Führerschein. Ob er allerdings mit seiner Leidenschaft wirklich je einmal wird Geld verdienen können, ist nicht so sicher, wie man das meinen könnte. Denn momentan zahlt Schmidt für seinen Sport – und das nicht zu knapp.

Eine Saison in der Formel Masters kostet ein kleines Vermögen – eine Summe, welche die Familie Schmidt nicht allein aufbringen kann, weshalb Jeffrey Jahr für Jahr in seinen besten Anzug steigt und bei Firmen für Sponsoring vorspricht. Das generiert einen zusätzlichen Druck, denn bringt Schmidt das Geld für die nächste Saison nicht zusammen, muss er aussetzen – was wiederum den Abschied aus der Sportklasse des Gymnasiums Liestal bedeuten würde. «Es ist sehr schwierig, in der Schweiz Sponsoren zu finden. Aber Jeffrey ist sehr hartnäckig», sagt Bea Schmidt.

Schulabschluss als Bedingung

Von seinen Eltern wird Jeffrey Schmidt unterstützt, wo es nur geht. Die einzige Bedingung, die dem ambitionierten Nachwuchsfahrer gestellt wurde, war, dass die Schule nicht unter seinem Sport leiden dürfe. Trotz 20 bis 30 Freitagen pro Semester gelingt das dem 17-Jährigen, der in seinem dritten Jahr in der Sportklasse des Gymnasiums Liestal steht. Doch dies hat seinen Preis. «Für mich gibt es nur die Schule und das Training. Motorsport ist mein Leben, dafür verzichte ich gern auf Partys», sagt Jeffrey. Und seine Mutter Bea fügt an: «Man sieht Jeffrey nur entweder mit einem Buch oder dem Lenkrad in den Händen.»

Die Faszination für den Rennsport wurde Jeffrey quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Roland fuhr früher Motocross und setzte seinen vierjährigen Sohn mehr aus Spass in einen Kartwagen. «Als wir ihn wieder aus dem Kart heben wollten, hat er sich ans Lenkrad geklammert und geweint, weil er nicht mehr aussteigen wollte», erzählt Bea Schmidt lachend. In den folgenden Jahren sorgte Jeffrey in der Kart-Szene für Aufsehen, weil er als Sieger regelmässig der Kleinste auf dem Podest war. Kontinuierlich steigerte er sich, gekrönt vom Einstieg in den Formel-Rennsport vor einem Jahr.

Gleich in seinem ersten Jahr in der ADAC Formel Masters hat sich Schmidt in den Top Ten etabliert. Vor dem letzten Rennwochenende auf dem Red Bull Ring in Österreich belegte der «Rookie» in der Gesamtwertung gar Rang fünf, nun ist er auf den neunten Zwischenrang abgerutscht. «Das ist nicht optimal gelaufen», sagt Schmidt über die zwei Ausfälle in drei Rennen. Dennoch ist er als Neuling die klare Nummer eins in seinem Rennstall «Haitech Racing». Trotz steiler Karriere und Sebastian Vettel als Vorbild bleibt der Liestaler aber realistisch: «Klar ist die Formel 1 ein Traum. Aber dafür braucht es mehr als nur Talent.»