Motorsport

18-jähriger Teenager donnert mit 400 km/h über die Piste

Der 18-Jährige Noah Stutz aus dem Baselbieter Hersberg hat Ende Juni die Lizenz zum Top-Fuel-Dragsterpiloten bestanden. Damit ist er weltweit der jüngste Fahrer in der Königsklasse.

Noah Stutz war gerade einmal acht Jahre alt, als ihn sein Vater mit nach Hockenheim zu einem Dragster-Rennen nahm. Noah war schnell Feuer und Flamme für die Raketen auf vier Rädern, der Arlesheimer Pilot Urs Erbacher fortan sein Idol. Zehn Jahre später ist Noah Stutz der weltweit jüngste Pilot in der Top-Fuel-Kategorie, fährt im Team seines 52-jährigen Idols und startet erstmals in Hockenheim. Sollten die Zwei im Finale aufeinandertreffen, «gibt es eine Stallorder», sagt der sechsfache Europameister Urs Erbacher im Scherz.

Leidenschaft, Hartnäckigkeit und Glück

Um es als Schweizer im Motorsport und im Dragster-Racing so weit zu bringen, braucht es Leidenschaft, Hartnäckigkeit und auch etwas Glück. Bereits in Hockenheim wusste Stutz, dass er selbst einmal in einem solchen Cockpit sitzen will. Ein Junior-Dragster, der dort zum Verkauf stand, hätte er am liebsten gleich mit nach Hause genommen. Sein Vater sagte ihm, wenn er selbst eintausend Franken dazu beitrage, könne man weitersehen.

Alles Ersparte zuzsammengekratzt

Vier Jahre später leerte der kleine Noah sein Sparschwein vor den Augen des Vaters aus. Eintausend mühsam zusammengesparte Franken kamen zum Vorschein und der erste Dragster mit einem besseren Rasenmähermotor wurde für 3000 Franken gekauft.

Noah Stutz erklärt seinen Dragster

Noah Stutz erklärt seinen Dragster

Aufnahme in Erbachers Team

Urs Erbacher war begeistert von dem jungen ehrgeizigen Hersberger und nahm ihn in sein Team auf. Gleich bei den ersten Rennen in England zeigte sich, dass Stutz für den Sport geboren ist: reaktionsschnell, mutig, bleifüssig.

Schnelle Reaktion als Stärke

In den unteren Kategorien geht es vor allem um die Reaktionszeit. Eine der Stärken des 18-Jährigen, der früher auch als Torhüter beim FC Liestal starke Reflexe zeigte. Ziel bei dem sogenannten Index-Racing ist es, eine vorher festgesetzte Zeit möglichst genau zu treffen und auf keinen Fall zu unterbieten. Gemessen wird bis in den Zehntausendstel-Bereich.

Erbacher als idealer Mentor

In der Super-Comp-Kategorie erreichte Noah Stutz dank hoher Konstanz, obwohl er nur bei drei von fünf Rennen startete, seinen ersten Podestplatz. «Mit Urs hatte ich den besten Mentor. Ich habe extrem von seinen Erfahrungen profitiert», sagt Stutz.

Bereit für die Königsklasse

Vergangenen Dezember war der 18-Jährige mit seinem Team, zu dem neben seinem Vater sieben weitere ehrenamtliche Helfer gehören, bereits daran, einen Wagen für die nächsthöhere Kategorie aufzubauen. Erste Sponsoren waren an Bord, das Chassis stand, als Urs Erbacher sagte: «Warum nicht direkt in die Top-Fuel-Kategorie? Ich habe noch ein zweites Fahrzeug und ich denke, du bist bereit.»

Mehrstufige Prüfung für die Lizenz

Dass der KV-Lehrling bereit ist, hat er im Juni bewiesen. Im englischen Santapod hat er die Prüfung zum Top-Fuel-Dragster-Piloten bestanden. Nachdem ihm im ersten Lauf der Zahnriemen riss, erreichte er im zweiten Lauf mit dem 8000-PS-Geschoss eine Geschwindigkeit von 403 km/h. Damit ist der Hersberger, der zwei Wochen davor in Liestal seine «normale» Fahrprüfung bestand, nun der jüngste Pilot der Königsklasse des Dragstersports.

Start in Hockenheim vor 70000 Fans

Heute reist der 18-Jährige nach Hockenheim, um am Freitag zur Qualifikation zum Nitrolymp’X, dem grössten Dragsterrennen Europas zu starten. Nach zehn Jahren schliesst sich also der Kreis.

Karriere in den USA?

Hockenheim soll aber nur der vorläufige Höhepunkt sein. Im September geht Stutz zusammen mit Erbacher in die USA. Dort will der junge Fahrer auf sich aufmerksam machen. «Mein Traum ist es, in den USA als Profi bei der Meisterschaft zu starten», sagt er. In den USA begeistert Dragster-Racing ein Millionenpublikum. Hinter der NASCAR-Serie ist es der beliebteste Motorsport. Bevor es so weit ist, will Stutz nun aber vorerst die Qualifikation in Hockenheim schaffen – und im Idealfall entscheidet die Stallorder am Sonntag über den Sieg.

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