Basel an der Fecht-WM
21 Medaillen reichen nicht: Max Heinzer und Benjamin Steffen an der Fecht-WM

Max Heinzer und Benjamin Steffen von der Fechtgesellschaft Basel wollen an der WM für Furore sorgen. Steffen wurde an den Olympsichen Spielen Vierter, doch dieser Exploit geriet ihm ausgerechnet zum Fluch für das folgende Jahr.

Leo Eiholzer
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An den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und auch jetzt zusammen: Max Heinzer (links) und Benjamin Steffen fechten an der WM in Leipzig.

An den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und auch jetzt zusammen: Max Heinzer (links) und Benjamin Steffen fechten an der WM in Leipzig.

Keystone

Die Degenfechter Max Heinzer und Benjamin Steffen, die für die Fechtgesellschaft Basel antreten, haben ihren Sport in der Schweiz in den letzten Jahren geprägt. Der Trophäenschrank ist prall gefüllt: Heinzer hat neun Einzel-Weltcupsiege und vier Einzel-EM-Medaillen auf dem Konto, Steffen stiess letzten Sommer an den Olympischen Spielen in Rio bis auf den vierten Platz vor. Auch im Team mit der Nationalmannschaft sind die beiden erfolgreich: Sechs WM- und elf EM-Medaillen in dieser Kategorie sprechen für sich. Das Einzige was den beiden im Palmarès fehlt: eine WM-Medaille als Einzelsportler.

Diese können sie sich ab heute an der Fecht-WM in Leipzig holen. «An einem guten Tag ist alles möglich», sagt Heinzer. «Es wäre vermessen mich als Topfavoriten zu bezeichnen, schliesslich bin ich nur die Weltnummer 9.» Dennoch rechnet sich der 29-Jährige Chancen aus, weil das internationale Feld dieses Jahr sehr ausgeglichen ist: Die acht Weltcup-Turniere sahen in diesem Jahr acht verschiedene Sieger.

Max Heinzer will die Einzelmedaille. Es wäre seine erste an der WM.

Max Heinzer will die Einzelmedaille. Es wäre seine erste an der WM.

KEYSTONE/EPA/ZURAB KURTSIKIDZE

Exploit als Fluch

Sein Klubkollege Benjamin Steffen hat dagegen ein «schwieriges Jahr» hinter sich, wie er selbst sagt. Sein Vorstoss auf den vierten Platz an den Olympischen Spielen 2016 war dabei mehr Fluch als Segen. Zunächst erinnerten die Spiele an ein Märchen: Steffen, der als dritter Mann im Team immer ein wenig im Schatten von Fabian Kauter und Max Heinzer stand, drang bis ins Halbfinal vor. Der grosse Triumph schien zum Greifen nah und doch kehrte der 35-Jährige mit leeren Händen nach Basel zurück.

«Nach den Spielen kam für mich ein Loch», sagt Steffen. «Ich hätte eine längere Pause gebraucht. Ich habe zu früh wieder mit Fechten angefangen. Ich haderte länger an dem vierten Platz, als ich mir selbst eingestand. Mit negativen Resultaten geriet ich dann in eine Spirale. Das Selbstvertrauen war weg.» Dieses Selbstvertrauen kommt nun langsam zurück: «Ich habe mich in kleinen Schritten wieder nach oben gekämpft und spüre wie es vorwärts geht. Aber die Medaille liegt nicht direkt auf dem Silbertablett.»

Benjamin Steffen (links) an den Olympischen Spielen.

Benjamin Steffen (links) an den Olympischen Spielen.

Keystone

Der Basler Steffen hat seine erste Klinge im Saal der Fechtgesellschaft Basel in die Hand genommen. Nicht so der Zentralschweizer Heinzer aus Immensee. Er kam erst als Jugendlicher nach Basel, weil er sich hier die grössten Fortschritte versprach. Er studierte Sportwissenschaften an der Universität Basel und focht in der Fechtgesellschaft. Danach wagte er den Schritt zum Profi. Als Einziger in der Schweiz. Er wird unter anderem von renommierten Firmen wie der Automarke Jaguar, Red Bull oder Adecco gesponsert. Seinen Trainingsmittelpunkt hat Heinzer, der in Immensee lebt, nach Zürich verlegt. «Zürich ist näher an der Zentralschweiz, wo ich meine Wurzeln habe», sagt er. Er trainiert aber nach wie vor in Basel und Bern.

Steffen dagegen arbeitet zu 70 Prozent als Gymnasiallehrer. «Diese Saison war es hart, dieses hohe Trainings- und Arbeitspensum zu erfüllen. Wenn man ein grosses Ziel vor Augen hat, kämpft man sich irgendwie durch. Doch nach den Olympischen Spielen habe ich schon gemerkt, dass die Batterien leer sind», sagt Steffen.

EM als schlechtes Omen

Die Europameisterschaften im Juni waren kein guter Vorbote für die Weltmeisterschaften. Die Schweizer Nationalmannschaft holte erstmals seit 2013 weder im Team noch im Einzel eine Medaille. In der Schweiz wurde das als grosse Enttäuschung betrachtet, Steffen sieht die WM indes nicht als Rehabilitationskampagne für die EM: «Man muss sehen, dass wir eine ganz andere Mannschafts-Konstellation haben als früher.» Die beiden Spitzenfechter Fabian Kauter und Peer Borsky nehmen momentan eine Auszeit, deshalb rücken der Tessiner Michele Niggeler (25) und der Zürcher Georg Kuhn (24) ins Team nach. Heinzer sagt: «Ich erwarte schon mehr von den Jungen.» Steffen findet: «Wir sind jetzt angewiesen auf gute Leistungen der Neuen im Team. Es ist Zeit, dass sie nach vorne preschen, sie werden jetzt gebraucht.»
Niggeler und Kuhn müssen sich heute noch für die Einzel-Hauptrunde der besten 64 qualifizieren.

Das Team Max Heinzer, Benjamin Steffen und Peer Borsky (von links nach rechts) gibt es nicht mehr. Borsky macht eine Auszeit.

Das Team Max Heinzer, Benjamin Steffen und Peer Borsky (von links nach rechts) gibt es nicht mehr. Borsky macht eine Auszeit.

Keystone

Morgen sind bereits die Frauen gefordert, bei denen die Schweiz mit Pauline Brunner und Noemie Moeschlin nur geringe Chancen auf eine Medaille hat. Der Mannschafts-Wettkampf findet erst am Dienstag, 25. Juli, statt. Am Samstag treten Steffen und Heinzer zur Einzel-Hauptrunde an. Wenn die beiden einen guten Tag erwischen, ist alles möglich. Heinzer sagt: «Mit etwas um den Hals zurückzukommen, wäre schon schön.»