Super League
4:0 gegen den FCZ-Nachwuchs: Der FC Basel gewinnt den wohl skurrilsten Klassiker der Historie

Trotz 10 Coronafällen beim FCZ fand das Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich heute im Joggeli statt. Da der FCZ-Kader mit Spielern der U21 und der U18 ergänzt wurde, war das Spiel eine klare Angelegenheit. Der FCB nimmt das Corona-Geschenk gerne mit, doch ob die Liga weiter gespielt wird, ist nach einem weiteren positiven Text bei Xamax fraglich.

Jakob Weber
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Ricky van Wolfswinkel freut sich über sein Tor zum 3:0 in der 92. Minute.
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Torhüter Novem Baumann hat vor allem Widmer heute das Leben schwer gemacht.
Kemal Ademi im Duell gegen Jose Goncalves.
Elis Isufi hängt Lenny Janko ab.
Der FCZ-Goali Baumann hält auch diesen Ball
Ilan Sauter, Silvan Wallner und Torhüter Novem Baumann gegen Kemal Ademi und Tician Tushi.
Tician Tushi im Duell gegen Pa Modou.
FCB - FCZ
Der 18-Jährige Nils Reichmuth im Duell gegen Valentin Stocker.
Der FCB Trainer ist fokussiert auf den Spieleklassiker der etwas anderen Art.
Heute bei der 1. Mannschaft an der Seitenlinie: U21-Trainer Marinko Jurendic.
Die Nachwuchsspieler des FCB vor dem Spiel noch mit Masken.

Ricky van Wolfswinkel freut sich über sein Tor zum 3:0 in der 92. Minute.

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So etwas hat es in der Geschichte der Super League noch nicht gegeben. Weil die corona-geplagte 1. Mannschaft des FC Zürich in Quarantäne ist, schickt der FCZ am Dienstagabend eine leicht verstärkte Juniorentruppe ins Joggeli. Eine noble Geste des FCZ, der nach eigener Aussage im «Sinne der Liga» handelt. Und eben diese Liga tut alles dafür, dass die Saison bis zum 3. August beendet werden kann.

Während es für die Zürcher, die noch um Europa-League-Platz 4 kämpfen, ein klarer Wettbewerbsnachteil ist, ist das gestrige Spiel für den FC Basel ein willkommenes Geschenk. Zwar redete FCB-Trainer Marcel Koller vor der Partie auch diesen Gegner stark. Doch bereits nach 14 Minuten ist klar, dass dieses Geschenk kein trojanisches Pferd ist. Samuele Campo und Valentin Stocker kombinieren sich mit einem Doppelpass durch die rechte FCZ-Abwehrseite. Campos Seitenwechsel landet bei Fabian Frei. Der degradiert mit einer simplen Körpertäuschung Pa Modou – ausgerechnet einen der FCZ-Stars, die nicht in Quarantäne mussten – und vollendet mit links zum 1:0.

Bereits dieses eine Tor hätte gereicht. Die FCZ-Truppe ist jederzeit bemüht aber letztendlich chancenlos. Ein leichter Armeinsatz eines Alderete oder eines Cabral reicht, damit die deutlich weniger muskulösen FCZ-Youngster abprallen wie Minderjährige am Türsteher vor der Disco. Auch bei FCZ-Ballbesitz ist der Zweiklassenunterschied klar ersichtlich. Zwar probiert das Team spielerisch aufzubauen. Doch sobald der FCB den Ballführenden attackiert, bleibt der FCZ-Defensive nichts anderes übrig als der lange Ball ins Out oder in die Füsse der FCB-Verteidigung. Das 2:0 ist so nur eine Frage der Zeit. Und es fällt in der 37. Minute. Die Vorlage kommt vom 19-jährigen Tician Tushi. Valentin Stocker vollendet in der Mitte.

Schongang nach der Pause, aber geht die Liga weiter?

Nach dem Seitenwechsel weiss auch Marcel Koller, dass heute nichts mehr anbrennt. Jetzt gönnt er seinen Stammkräften Cömert, Xhaka und Cabral eine Verschnaufpause. Bei dem Mammutprogramm im Juli neben den drei gewonnen Punkten ein nicht zu vernachlässigendes Zusatzgeschenk.

Auch auf dem Platz geht der FCB in den Ruhemodus. Chancen gibt es trotzdem im Minutentakt. Doch weitere Tore fallen erst in der Nachspielzeit. Comebacker Ricky van Wolfswinkel freut sich über sein erstes Tor nach dem Eingriff im Gehirn und Frei über seinen zweiten Treffer an diesem Abend. Doch von diesen Toren wird kein FCB-Spieler später einmal seinen Enkeln erzählen. Doch von diesem komischen Spiel sicher.

Durch den Sieg liegt der FCB zumindest bis heute Abend nur noch vier Punkte hinter Leader St. Gallen. Die Ostschweizer müssen in zehn Tagen wohl gegen die genesene A-Elf des FCZ ran. Wenn dann überhaupt noch gespielt wird. Denn gestern Abend meldete auch Xamax einen positiven Coronafall.

Muss mit den Neuenburgern ein zweites Team in Quarantäne, verkommt der Corona-Plan der Liga immer mehr zur Farce. Und dann müssen Frei, Stocker und Co ihren Enkeln vielleicht doch einmal erzählen, dass diese ganz spezielle Saison kurz nach diesem skurrilen Ligaspiel zwischen den FCB-Profis und einem verstärkten FCZ-Juniorenteam abgebrochen wurde.

Das Telegramm:

FC Basel – FC Zürich 4:0 (2:0)

St. Jakob-Park. – 1000 Zuschauer. – SR Fedayi San. – Tore: 14. Frei 1:0 (Campo). 37. Stocker 2:0 (Widmer). 92. van Wolfswinkel 3:0 (Ademi). 94. Frei 4:0.

FCB: Omlin; Widmer, Cömert (46. Isufi), Alderete, van der Werff; Xhaka (46. Marchand), Frei; Stocker (64. van Wolfswinkel), Campo, Tushi (75. Oberlin); Cabral (46. Ademi).

FCZ: Baumann; Wallner, Sauter, Gonçalves (86. Sadiku), Pa Modou; Zumberi, Marchesano; Reichmuth (62. Janko), Rexhepi (77. Erne), Schönbächler (86. Omeragic); Arghandewall (62. Corvalan).

Bemerkungen: FCB ohne Petretta, Riveros, Zuffi (alle verletzt) und Pululu (gesperrt). 17 Spieler der 1. Mannschaft des FCZ in Quarantäne, Janjicic, Mahi und Tosin (verletzt), Team ergänzt durch Nachwuchsspieler. Ersatzbank FCB: Ademi, Isufi, Marchand, Nikolic, Oberlin, Ramires und van Wolfswinkel. – Verwarnungen: 34. Xhaka (Unsportlichkeit). 34. Schönbächler (Unsportlichkeit). 88. Frei (Foul). – 6. Tor von Cabral wegen Abseits aberkannt.

Die Noten:

Jonas Omlin: 4,5 Bis zur 89. ist er mehr mit reden als mit Bälle halten beschäftigt. Dann aber mit gutem Reflex.
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Silvan Widmer: 4,5 Lange agierte er nicht mehr so offensiv. Keeper Baumann bringt ihn aber zur Verzweiflung.
Eray Cömert: 5 Sein erwartungsgemäss fast beschäftigungsfreier Abend endet zur Pause. Bis dahin fehlerfrei.
Jasper van der Werff: 5 Er spielt sich immer mehr in Form, obschon er die heute kaum unter Beweis stellen muss.
Omar Alderete: 5,5 Hilft auf der linken Abwehrseite aus. Macht sein Spiel dort so aggressiv und stark wie im Zentrum, gespickt mit schönen Flanken.
Fabian Frei: 5,5 Erzielt sein fünftes Tor gegen den FCZ und damit sein neuntes in der Liga - so viele hatte er noch nie.
Taulant Xhaka: 4,5 Auch gegen eine U21 emotional so dabei, dass er zur Pause sicherheitshalber raus muss.
Tician Tushi: 5 Versemmelt bei seinem Startelfdebüt zwar eine Hundertprozentige. Zu gefallen weiss er trotzdem.
Samuele Campo: 5 Gute Standards und weite Wege - gekrönt vom wunderschönen Seitenwechsel vor dem 1:0.
Valentin Stocker: 5 Nach einem kurzen Schockmoment in Minute 1 erholt er sich schnell, trifft zum 2:0 und kreiert viel. Wird dann noch geschont.
Arthur Cabral: 3,5 Ein Offside-Tor, ein Schuss, der aus zwei Metern drüber geht und eine weitere vergebene Chance - es wollte einfach nicht klappen.
Kemal Ademi: 4 Ersetzt Cabral in der 46. Minute. Auch wenn er immerhin am dritten Tor beteiligt ist - wirklich aufdrängen kann er sich nicht.
Yannick Marchand: 4,5 Ersetzt Xhaka in der 46. Minute. So auffällig wie beim letzten Heimspiel ist er nicht. Seine Spielauslösung gefällt trotzdem.
Elis Isufi: 4 Ersetzt Cömert in der 46. Minute. Sammelt weitere Minuten, ohne dabei auf oder ab zu fallen.
Ricky van Wolfswinkel: 5 Ersetzt Stocker in der 63. Minute. Einen Monat, nachdem er sich im Cup verletzt hatte, kommt er zu seinem Comeback - und trifft.
Dimitri Oberlin Ersetzt Tushi in der 75. Minute. Zu kurz im Einsatz für eine Note.

Jonas Omlin: 4,5 Bis zur 89. ist er mehr mit reden als mit Bälle halten beschäftigt. Dann aber mit gutem Reflex.

FC Basel

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: