Eine Minute trennte Sergio Crescenti in der Oberwiler Thomasgarten-Halle von dem Abgang, den er verdient gehabt hätte. Er hatte beim 10:5-Sieg seines Teams ein Tor geschossen, zwei vorbereitet und die Zielgerade seiner Karriere geruhsam in Angriff nehmen können.

Das Spiel gegen Höfen hatte nämlich sportlich keine Bedeutung mehr: Unihockey Leimental hatte den Ligaerhalt schon seit längerer Zeit auf sicher.

Crescenti wählte einen anderen Abgang aus dem 1.-Liga-Unihockey: Wutentbrannt lief der 31-Jährige vom Feld, schlug mit dem Stock auf die Bande und ärgerte sich über sich, die Welt und die Schiedsrichter. Der Abschied mag zwar unkonventionell gewesen sein.

Auf gewisse Weise widerspiegelte er aber die Karriere des Spielers, der wie kein anderer diesen Klub prägte, den er selber vor über 20 Jahren unter dem Namen UHC Ettingen mitbegründete. Crescenti polarisierte auf dem Feld – seine Qualitäten als Spieler und Leitwolf waren jedoch immer unbestritten.

Die «Akte» Crescenti wird genau wie die des Torhüters Martin Winter geschlossen. Andere gestandene Spieler liebäugeln nach dieser «mehr oder weniger zufriedenstellenden» Saison (Trainer Patrick Mendelin) ebenfalls mit dem Rücktritt. Nicht weniger als vier weitere Leistungsträger denken über das Karrierenende nach.

Dazu kommt die offene Trainerfrage: Mendelin wird nach überstandener Verletzung wieder NLA-Unihockey spielen. Nichtsdestotrotz sieht der Noch-Trainer den anstehenden Aderlass nicht nur als schlecht an. «Für einige ist es Zeit geworden, ins zweite Glied zu treten», meint Mendelin unverhohlen.

Gute Juniorenarbeit

Unihockey Leimental kann sich die Zäsur leisten, glaubt er. Schliesslich trägt die seit Jahren stark verbesserte Juniorenarbeit endlich Früchte. Mendelin rechnet damit, dass in der nächsten Saison wieder zwei Talente aus der U21-Mannschaft im Fanionteam Fuss fassen können.

Auch wenn sich die Abgänge spielerisch wohl problemlos kompensieren lassen, stellt sich die Frage, ob der Verlust von derart viel Erfahrung nicht doch ins Gewicht fallen könnte. Schliesslich meint auch Mendelin: «Ein Spieler wie Crescenti, das hat er auch heute wieder gezeigt, kann immer ein Spiel reissen.»

Diese Verantwortung wird nun auf den Schultern der Jungen liegen. Sollten sie an ihrer neuen Aufgabe wachsen, schliesst auch Mendelin nicht aus, dass der langjährige Traum vom Aufstieg in die Nationalliga B irgendwann realisiert werden könnte.