Diesmal ist Maurus Basler pünktlich. «Soso, wenn Journalisten kommen, kannst du schon eine Stunde vor Trainingsbeginn im Rankhof sein», sagt RTV-Trainer Samir Sarac und lacht. Tatsächlich verpasste Maurus Basler in den letzten Wochen immer mal wieder den Trainingsbeginn um 18 Uhr. Denn der linke Flügelspieler arbeitet nach seinem abgeschlossenen Bachelorstudium seit September zu 100 Prozent bei der Roche im Finance. «Die Amerikaner haben Maurus im Griff. Die setzten ihre Videokonferenzen immer vor unserem Training an», stichelt Samir Sarac weiter.

Doch der Trainer nimmt seinem Spieler die gelegentlichen Verspätungen nicht übel. «Ich habe Verständnis für seine Situation.» Beim RTV spielen nur fünf Profihandballer. Obwohl Maurus Basler keiner von ihnen ist, hat er in den letzten Jahren ähnlich viel Aufwand betrieben. Vier bis fünf Trainings die Woche, dazu zahllose Extraschichten im Kraftraum. Neben Studium beziehungsweise Job bleibt da nicht viel Zeit für Anderes. «Unter der Woche macht mir das nichts aus. Im Gegenteil: Wenn ich mal Freizeit habe, weiss ich gar nicht, was ich machen soll», sagt der 24-Jährige.

Mit zehn Jahren hat Maurus Basler mit dem Handballspielen begonnen. Nach einer Sportferienwoche meldete er sich beim RTV an. Nach einem kurzen Abstecher zu den Junioren des TV Birsfelden holte ihn sein Stammverein 2013 zurück. Maurus Basler durfte in der Rückrunde beim hoffnungslos abgeschlagenen Tabellenletzten erste NLA-Erfahrungen sammeln. Doch der Abstieg war nicht mehr zu verhindern.

In den kommenden zwei NLB-Jahren etabliert sich Maurus Basler. An die Aufstiegsparty 2015 erinnert er sich gerne zurück. RTV-Ikone Pascal Stauber wurde verabschiedet, die Rankhofhalle war proppenvoll, Telebasel übertrug die Partie live. «Das sind die Momente, für die du Handball spielst.»

Dem Jubel folgen die Tränen

Dass der Sport auch bittere Momente parat hat, erlebte er zwei Jahre später. Maurus Basler stieg 2017 zum zweiten Mal mit dem RTV ab. «Ich hatte lange damit zu kämpfen. Es war, als hätte man eine Prüfung gehabt, nicht richtig dafür gelernt und sie dann vergeigt», sagt er.

Maurus Basler sitzt nach dem unerwarteten Abstieg enttäuscht am Boden und muss getröstet werden.

Maurus Basler sitzt nach dem unerwarteten Abstieg enttäuscht am Boden und muss getröstet werden.

Anders als viele seiner Kollegen bleibt der Linksaussen dem RTV auch eine Liga tiefer erhalten. Ein Wechsel stand für Maurus Basler nie zur Debatte: «Irgendwie stehst du als Absteiger ja auch in der Pflicht, das wieder gut zu machen.» Das Ergebnis ist bekannt. Der RTV korrigierte den Abstieg und spielt aktuell wieder in der NLA.

Auch in der kommenden Saison? Maurus Basler würde gerne auf den dritten Abstieg im sechsten Jahr verzichten. «Wir sind heute als Team gefestigter, haben Erfahrung und wissen, dass ein Vorsprung in der Abstiegsrunde schnell verspielt ist. Der Abstieg hat dem RTV insofern gut getan, als dass viele junge Spieler mehr Verantwortung übernommen haben und die Mannschaft auch wegen der Entwicklung der Jungen jetzt konstanter ihre Leistung abruft.

Vor zwei Jahren hatte Gossau in der Abstiegsrunde einen Lauf und fing die Basler in einer packenden Finalissima noch ab. Auch jetzt sind die Ostschweizer wieder der härteste Konkurrent. Mit einem Sieg im Startspiel am Sonntag könnte der RTV den Verfolger bereits auf fünf Punkte distanzieren. Dann wäre der RTV sogar auf Playoffkurs. Denn die besten zwei Teams der Abstiegsrunde kämpfen ab April um den Titel. Die schlechtesten zwei machen in den Playouts den einzigen Absteiger unter sich aus. Diesen Nervenkitzel würden sich Maurus Basler und Co gerne ersparen.