Es ist längst nach Mitternacht, als Stefan Schindelholz das Handy zückt. Schindelholz ist Präsident des SC Dornach, Vater von FC-Aarau-Verteidiger Nicolas Schindelholz und gut befreundet mit Marco Streller. Darum sitzt er jetzt, in der Nacht von Freitag auf Samstag, mit dem Sportdirektor des FC Basel am Tisch. FCB-Teamnight im Europapark: Alle Sponsoren sind da, die erste Mannschaft, Trainer Marcel Koller und eben auch Schindelholz und Streller.

Auf dem Handy flimmert das Resultat. Die Zahlen sind brutal. 10:1-Sieg für die Senioren des SC Dornach gegen jene des FC Liestal – und ein Name leuchtet da immer wieder auf, achtmal insgesamt: Alex Frei. Schmunzelnd hält Schindelholz das Handy rüber zu Streller. «Aha, da hat Alex mal wieder nicht abgespielt», scherzt der ehemalige Sturmpartner von Frei.

Ehrgeizig wie eh und je

Acht Tore in einem Spiel, das sei selbst für Alex Frei ein Rekord, sagt Schindelholz. Der Rekordtorschütze der Nationalmannschaft (42 Tore in 84 Länderspielen) selbst will seinen Torreigen nicht kommentieren. Also ist es auch nicht möglich, ihn zu fragen, ob das überhaupt noch Spass macht.

Oder ob er selbst zu Juniorenzeiten nie mehr als acht Tore in einem Spiel erzielt hat. Als Profi – das zeigen die verfügbaren Daten – schaffte er zweimal einen Viererpack: Erstmals beim 4:1-Sieg mit Servette gegen Sion am 13. April 2002 und dann rund zwei Jahre später beim 4:3-Triumph mit Stade Rennes gegen Marseille. Aber acht Tore? Nein, niemals.

Seit Alex Frei bei den Senioren spielt, schiesst er regelmässig Tore im Multipack. «Alex ist halt ehrgeizig wie eh und je», sagt Dornach-Präsident Schindelholz. Man hört ihn durch den Telefonhörer lachen, als er anfügt: «Das ist auch der Grund, warum Strelli jeweils in der Innenverteidigung spielt, wenn er auch dabei ist. Alex ist ihm zu eigensinnig.»

«Schön, tun sie sich das an»

Die Senioren des SC Dornach waren schon immer stark, wie die Konkurrenz bestätigt. Seit Streller vor drei Jahren dazu stiess, spielen sie aber in einer anderen Liga. Denn mit ihm kamen Benjamin Huggel (er spielt unterdessen nicht mehr), Alex Frei und zuletzt Matias Delgado.

Schindelholz schwärmt von seinem jüngsten Star-Zuzug: «Mati kommt, wann immer möglich. Egal, ob es hagelt oder regnet oder schneit. Er hat auch schon Termine verschoben, wenn wir in unserer zweiten Mannschaft in der 3. Liga zu wenig Leute hatten. Er ist die Bescheidenheit in Person.»

Die Tabelle nach dem 12. Spieltag

Die Tabelle nach dem 12. Spieltag

Die Stars brachten den Erfolg. Vor zwei Jahren wurden die Dornacher Senioren-Schweizermeister, letzte Saison schafften sie es bis in den Final, diese Saison scheiterte Dornach im Viertelfinal an Choulex im Penaltyschiessen. Für einmal war keiner der Ex-Profis abkömmlich. Das gibt es immer mal wieder, schliesslich haben sie alle noch Verpflichtungen beim FC Basel.

Fairplayranking genau so wichtig

Aber wie ist denn das für die Gegner, gegen ein solches Star-Aufgebot antreten zu müssen? «Ich finde es schön, dass sie sich das antun, auf unserem Niveau zu spielen», sagt Beat Bieri. Denn das bedeutet für Frei & Co. auch, dass sie ordentlich einstecken müssen. «Das ist wohl noch härter als früher im Profi-Fussball», sagt Schindelholz. Bieri versucht gar nicht erst, das in Abrede zu stellen, er erklärt lachend: «Gegen Spieler wie sie kommt man eher zu spät.»

Natürlich, 1:10 ist eine ordentliche Packung, Spass macht es nicht, so zu verlieren. Aber eigentlich spiele es für sie keine Rolle, ob sie 0:1 oder 1:10 verlören. Wichtiger sei es, dass sie bei einer Niederlage keine Verwarnungen kassieren.

Denn bei den Senioren zählt bei Punktgleichheit vor dem Torverhältnis, das Fairplayranking. «Wenn dann ein stärkerer Spieler gefährdet ist, dann wechselt man ihn aus und bringt vielleicht einen, der ein bisschen schwächer ist. Dann stehts am Schluss halt 1:10 und nicht 1:7», so Bieri.

Egal, wie hoch die Niederlage auch sein mag, letztlich sind die meisten dankbar, einmal gegen einen wie Alex Frei zu spielen. Bieri: «Die dritte Halbzeit ist bei uns ja mindestens so wichtig wie das Spiel selbst. Und eigentlich wichtiger als das Resultat.»