Eishockey
Adrian Stocker: «Ich fühle mich wie beschwipst»

Basel-Verteidiger Adrian Stocker spricht nach der sechsten Hirnerschütterung über seinen Leidensweg. Der junge Sportler hofft, dass er an Weihnachten wieder spielen kann. «Es wäre das schösnte Geschenk.»

Michael Lüthi
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Nach hartem Schlag orientierungslos

Nach hartem Schlag orientierungslos

Solothurner Zeitung

Rückblende: Montagmorgen, 2.September 2010. Noch 15 Minuten stehen Adrian Stocker und seine Kollegen mit dem NLB-Klub Basel im Training. Eins-gegen-eins-Situationen stehen auf dem Programm. Verteidiger Stocker sieht sich Stürmer Jamie Wright gegenüber. Dieser steht mit dem Rücken zu ihm und schlägt ihm plötzlich – ohne Absicht, wie Stocker betont – den Ellbogen mit voller Wucht ins Gesicht. «Ich ging nicht zu Boden, dachte bloss, dass etwas mit der Nase nicht in Ordnung ist», sagt Adrian Stocker. Er habe dann sogar noch weitertrainiert. «Aber zehn Minuten später kam mir der Gedanke an eine Hirnerschütterung. Ich hatte Probleme mit der Orientierung. Alles lief ab wie in einem Film.»

Am nächsten Tag der Besuch beim Arzt. Diagnose: schwere Hirnerschütterung. Es ist bereits die sechste und auch die schwerste im noch jungen Leben des 21-jährigen Adrian Stocker. Kleiner Hoffnungsschimmer: Gottéron-Stürmer Julien Sprunger (24) spielt auch nach sieben Hirnerschütterungen noch.

Nur vier Tage nach dem harten Schlag hätte die Meisterschaft begonnen. Stattdessen verbringt der Mann aus dem aargauischen Auw viel Zeit bei Ärzten. Drei Wochen nach dem Wright-Check die niederschmetternde Nachricht: absolutes Sportverbot bis Ende Jahr. «Sobald mein Puls raufgeht, bekomme ich Orientierungsprobleme», sagt Stocker heute. Mittlerweile darf er kurz etwas TV schauen. Aber Computer sind tabu. Zudem ist er sehr lichtempfindlich. Auto fahren bei Nacht – Fehlanzeige. «So bin ich oft auf andere Leute angewiesen.» Er fühle sich permanent «wie ein bisschen beschwipst». Tabletten nehme er keine zu sich. «So kann ich besser auf meinen Körper hören.»

Nun hat Adrian Stocker unendlich viel Zeit. Viel Zeit zum Grübeln. «Ich kann ja praktisch nichts tun. Aber es ist mir sehr wichtig, dass ich trotzdem unter die Leute komme. Sonst würde ich depressiv.» Nach seiner Verletzung ist er von Basel weggezogen, wohnt nun bei seiner Freundin Fabienne in Zug. Der KV-Absolvent, der für Rapperswil, Ajoie und Basel schon 126 Nationalliga-Partien bestritten hat, ist in einer ganz schwierigen Lage. Den Heilungsverlauf einer Hirnerschütterung kann man nicht einfach wie bei einem Bruch voraussagen. Gut möglich, dass er nie wieder Eishockey spielen darf.

Er, der erst im Alter von zehn Jahren mit seiner grossen Passion begonnen hat. Er, dessen grosser Traum es ist, in der NLA zu spielen. «Der Gedanke ist sicher da, dass meine Karriere zu Ende sein könnte. Dann würde für mich eine kleine Welt zusammenbrechen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt Adrian Stocker und fügt an: «Immerhin wäre ich ein wenig auf das Ende vorbereitet.»

Ende Jahr werden die Ärzte entscheiden. Nun hofft und bangt der junge Sportler weiter. Stocker ist ein Weihnachtskind und hat am 25. Dezember Geburtstag. «Es wäre das schönste Geschenk, wenn ich wieder spielen dürfte.»