Eseosa Aigbogun lächelt, wenn sie über das spricht, was sie in den kommenden Tagen und Wochen alles erwartet. Und das, obwohl sie zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der «Schweiz am Sonntag» erst hofft, dass sie nach Cupfinal und Saisonschlussspurt auch noch nach Kanada reisen darf. Dort findet vom 6. Juni bis 5. Juli die Fussballweltmeisterschaft der Frauen statt – die Schweiz hat sich erstmals in der Geschichte für diese Endrunde qualifiziert.

Doch der Reihe nach. Das erste Highlight steht für Aigbogun heute Nachmittag an: In Rapperswil-Jona trifft die 21-jährige Stürmerin im Schweizer Cupfinal mit ihrem FC Basel auf den FC Zürich. Die Ausgangslage für dieses Spiel scheint klar: Die Zürcher Konkurrentinnen haben sich vor anderthalb Wochen den sechsten Meistertitel in den vergangenen sieben Jahren vorzeitig gesichert. Die beiden bisherigen Vergleiche in der laufenden Meisterschaft haben Aigbogun und Co. mit 1:4 und 0:4 verloren. Und doch ist sich die gebürtige Zürcherin Aigbogun sicher, dass ihre Mannschaft den Cupsieg holt. «Die klaren Resultate aus dieser Saison täuschen etwas. Wir waren immer nahe dran, hatten mehr Ballbesitz. Doch die Zürcherinnen waren einfach effizienter.» Und es klingt nicht wie eine daher gesagte Floskel, wenn sie betont, dass es für sie «in dieser Begegnung keinen Favoriten gibt».

Wie es sich anfühlt, die Cup-Trophäe in die Höhe zu stemmen, durfte Aigbogun bereits vor Jahresfrist erleben: Damals besiegte der FC Basel im Final den SC Kriens mit 2:1. Wer das Hochgefühl dieses Triumphs einmal erlebt hat, will ihn wiederholen. Umso mehr, gegen den FC Zürich, der den Schweizer Frauenfussball seit Jahren dominiert. Aigbogun will auf jeden Fall verhindern, dass ihre Mannschaft den Cupfinal an die Zürcherinnen übergeben muss. «Das kommt nicht infrage», sagt sie.

Zürich bekommt Meisterpokal in Basel

Verständlich, denn schliesslich müssen die Baslerinnen am kommenden Samstag bereits zusehen, wie die Zürcherinnen feiern. Denn das letzte Spiel der Saison bestreiten die beiden Teams gegeneinander – dem FCZ wird der Meisterschaftspokal also ausgerechnet auf dem FCB-Campus übergeben. «Das wird uns schon genug Schmerzen.» Das Bauchgefühl der KV-Schülerin ist aber klar: «Wir haben hier in den letzten Jahren so viel aufgebaut. Die Mannschaft funktioniert perfekt. Es ist endlich an der Zeit, dass wir den FCZ besiegen! Ich spüre es.»

Man spürt es heraus: Aigbogun fühlt sich wohl in Basel. «Die Mannschaft ist zu meiner zweiten Familie geworden. Ich habe eine Familie hier in Basel und eine in Zürich», sagt sie, die ursprünglich aus dem Limmattal kommt. Zwar ist der Vertrag für die kommende Saison noch nicht unterschrieben, doch für sie ist klar: «Ich möchte am liebsten hierbleiben. Zumal ich spüre, dass die Titel kommen werden. Vorher will ich gar nicht wechseln.» Dereinst hat sie das Ziel im Ausland zu spielen. Und um sich für einen solchen Transfer aufzudrängen, bietet sich ihr im Juni die grosse Gelegenheit.

Aufgebot erhalten

Seit etwas mehr als einer Woche ist klar: Aigbogun ist an der WM in Kanada mit dabei. Sie hat von Nationalmannschaftstrainerin Martina Voss-Tecklenburg als eine von 17 Spielerinnen bereits ein fixes Aufgebot für die Endrunde erhalten. «Davon erfahren habe ich per E-Mail. Danach brauchte ich etwas Zeit, um zu realisieren, dass ich jetzt fix dabei bin. Das macht mich sehr stolz.» Dass sich Aigbogun überhaupt das Trikot der Schweizer Nationalmannschaft überstreift, ist nicht selbstverständlich. Sie hätte auch die Möglichkeit gehabt, für Nigeria, das Heimatland ihres Vaters, aufzulaufen. Den Entscheid hat sich Aigbogun nicht leicht gemacht. «Ich wollte mich nicht gegen, sondern für etwas entscheiden. Schliesslich hat das Bauchgefühl den Ausschlag gegeben», sagt sie.

Dass sie nun die WM-Nomination erhielt, muss Aigbogun wie ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk vorkommen. Am 23. Mai wird sie 22 Jahre alt. Just eine Woche später ist für die Nati Abflugtermin nach Kanada. Um den Fokus auf die unmittelbar anstehenden Aufgaben – namentlich Cupfinal und Saisonschluss – richten zu können, sicherlich kein Nachteil, dass Aigbogun nicht mehr um ihre WM-Teilnahme zittern muss. «Das motiviert mich zusätzlich und gibt mir Selbstvertrauen, auch für 1-gegen-1-Situationen – schliesslich habe ich den Sprung ins erste Aufgebot nicht ohne Grund geschafft», sagt sie. Die anstehende WM blendet sie heute einfach für ein paar Stunden aus.