Albian Ajeti, Sie sind unser Notenbester der zu Ende gegangenen Saison.

Wirklich?

Ja, Sie haben im Schnitt eine 5,5.

Aus allen Spielen? Eine 5,5? Das ist ja fast besser als in der Schule. Ach was, das ist klar besser als in der Schule (lacht).

Sie wirken überrascht. Wie hätten Sie denn selber Ihre Saison bewertet?

Überrascht ist vielleicht das falsche Wort. Aber wir hatten eine komische Phase und wurden erst mit der Zeit besser. Mich selber bewerte ich nie mit Noten und da ich in der Schule nicht immer sehr gute hatte, nehme ich diese 5,5 gerne. Wenn ich aber müsste, würde wohl etwas zwischen einer 4 und einer 5 herauskommen.

Wo waren Sie in der Schule gut?

In der Pause und im Sport (lacht). Mathe hingegen war nicht so mein Fach.

Sie schauen sich die Noten immer an. Was bedeuten Sie Ihnen?

Ich schaue sie immer an, das stimmt. Aber die Bedeutung ist für mich nicht so gross. Ich höre nicht so stark auf das, was von aussen gesagt wird, sondern lieber auf das, was mir meine Teamkollegen, der Trainer und mein Gefühl sagen. Das hilft mir mehr, mich einschätzen zu können.

Mit wem reflektieren Sie Ihre Leistungen am intensivsten?

Am meisten hinterfrage ich mich selber. Was war gut? Was schlecht? Was kann ich besser machen? Dann natürlich mit dem Trainer, den Mitspielern und meinen Eltern. Also vor allem meinem Vater.

Wenn Sie auf Ihre Saison zurückblicken, gibt es da eine Szene, die Sie stört oder Sie sich genervt haben?

Nicht speziell. Natürlich rege ich mich immer auf, wenn ich das Tor nicht treffe. Wie beispielsweise im Spiel in der Vorrunde in Luzern, wo ich sehr viele Chancen hatte und nicht ein Tor gemacht habe. Wir haben zwar klar und verdient gewonnen (4:1, Anm. d. Red.), aber ich habe mich über meine verpassten Möglichkeiten unglaublich aufgeregt. Was mich sonst noch etwas nervt, ist das Tor auswärts in Moskau, das aberkannt worden ist. Das war sehr schade, weil es ein perfekter Einstand in der Champions League gewesen wäre.

Welches waren Ihre Schlüsselmomente in dieser Spielzeit?

(Überlegt lange) Was mir für mein Gefühl am besten getan hat, war, dass ich gleich im ersten Spiel nach meiner Rückkehr zum FCB habe treffen können (Ajeti erzielte am 8. Oktober das 2:0 beim 4:0-Erfolg in Lugano, Anm. d. Red.). Das hat mich gleich noch besser in die Mannschaft integriert. Andere Schlüsselmomente waren sicher, als wir nach schwierigen Situationen in dieser Saison den Faden wieder gefunden haben. Und klar, jedes Tor, das ich habe schiessen können, war ein Highlight.

Sie sind während der laufenden Saison zum FCB gekommen. Wie ist Ihre Rolle im Team?

Die ist simpel: Ich bin ein lustiger, einfacher Typ. Deshalb wurde ich gut aufgenommen. Da hat sich im Vergleich zu meiner ersten Zeit hier nicht viel verändert. Ich bin älter geworden, darf daher etwas mehr Sprüche raus lassen.

Wie sehen Sie Ihre sportliche Rolle?

Es war nicht gerade eine konstante Saison von uns allen. Dass es da Rotationen gibt, ist normal. Wir haben ein breites und gutes Kader. Ich bin zufrieden mit den Matches, die ich machen konnte. Welche Rolle ich aber habe, entscheidet der Trainer.

Der 17. Saisontreffer des neuen Torschützenkönigs: Albian Ajetis 2:1 für den FC Basel

Der 17. Saisontreffer des neuen Torschützenkönigs: Albian Ajetis 2:1 für den FC Basel

Eine Zeit lang hat er Sie offenbar besser als Ricky van Wolfswinkel gesehen. Sie haben den Königstransfer hinter sich gelassen.

Was heisst hinter mir gelassen? Er hatte seine Matches, ich hatte meine.

Aber Sie hatten in dieser Rückrunde phasenweise die Nase vorne.

Das kann man sehen, wie man will. Wir haben beide viele Matches bekommen.

Sie haben die nicht vorhandene Konstanz in dieser Saison angesprochen.

Ja, wir haben es nicht geschafft, oft Siege aneinanderzureihen oder zumindest ungeschlagen zu bleiben. Oft haben wir alles gegeben und hatten Pech, dass wir entscheidende Matches verloren haben. Das hat uns im Rhythmus gestört.

Sie haben in vielen schwierigen Spielen trotzdem eine gute Figur gemacht.

Ich bin Stürmer, da gelingt es mir natürlich öfters, ein Tor zu machen. Auch in schlechten Spielen entstehen Chancen, und wenn du die dann nützen kannst, siehst du natürlich besser aus als der Rest.

Ihre Quote in den letzten Spielen mit sieben Tore in fünf Spielen war extrem stark. Haben Sie etwas geändert, das diesen Lauf erklären kann?

Ich rede nicht mehr mit Michi Lang (lacht)! Nein, Spass, das ist so im Fussball. Du glaubst immer an deine Chancen, musst immer auf die Sekunde bereit sein. Dann kommt irgendwann eine Zeit, wo das Glück auf deiner Seite ist und du belohnt wirst dafür, dass du dich in den Dienst der Mannschaft stellst. Das war die letzten Spiele so und erklärt meinen Lauf.

Haben Sie Extraschichten geschoben?

Ich bin sicher mal länger auf dem Platz geblieben und habe meinen Abschluss trainiert. Ich nehme jede Chance sehr ernst und will immer treffen. Dafür musst du aber auch bei jeder Chance bereit sein, auch wenn du mal wenige davon hast. Das zu schaffen, oder auch in einem schweren Moment treffen zu können, wenn es lange 0:0 steht zum Beispiel, das muss man hart trainieren und das habe ich getan.

Wer gibt Ihnen die meisten Tipps? Folglich nicht Michael Lang.

(Lacht) Nein, aber der gibt mir Flanken, das ist auch gut. Zuletzt habe ich viel mit Assistenztrainer Massimo Lombardo geredet, bin mit ihm oft nach den Trainings vor das Tor und habe Tipps gekriegt.

Was sagt er Ihnen, wo Sie besser werden müssen?

Bei meinem ersten Ballkontakt. Mein Abschluss ist eigentlich nicht schlecht. Aber man sagt, dass der richtige erste Ballkontakt, die richtige Ballannahme, 50 Prozent eines Tores ausmachen. Wenn du ihn besser annimmst, besser zum Ball stehst, hast du logischerweise auch eine bessere Chance, ihn zu versenken. Das haben wir trainiert, dass ich da stärker werde.

Was wollen Sie an sich verbessern?

Zufrieden bin ich sowieso nie mit mir. Ich will noch viel verbessern. Ich fühle mich zwar schon recht fit, will aber noch fitter, noch spritziger werden, damit ich noch mehr Läufe in die Tiefe machen kann, noch mehr Räume für die Mannschaft öffnen und noch mehr defensiv arbeiten kann. Ich will bis an den eigenen Sechzehner gehen und helfen können. Dazu muss ich läuferisch und körperlich noch besser, konstanter und stabiler werden.

Wie wollen Sie das angehen?

Mit richtigem Training aber auch richtiger Ernährung. Das ist sicher ein Teil, wo ich noch an mir arbeiten kann.

Sie hatten schon so eine gute Saison, sind nicht nur Notenbester, sondern auch Torschützenkönig mit 17 Treffern. Was bedeutet Ihnen dieser Titel?

Es ist immer schön, einen Preis entgegennehmen zu können. Das freut mich sehr. Die Mannschaft steht im Vordergrund. Wenn es dann aber noch für einen Titel reicht, umso besser.

Würden Sie diesen individuellen Titel für den Meistertitel eintauschen?

Absolut.

Ihre guten Leistungen haben dazu geführt, dass Sie erstmals auf der provisorischen, erweiterten 35-Mann-Liste der A-Nati stehen.

Das freut mich natürlich sehr. Es war immer ein Ziel von mir, irgendwann für die Nati spielen zu können. Dafür gebe ich immer mein Bestes. Wenn es dann wirklich für die Nati reichen und ich zumindest mal den Cut für das Camp in Lugano schaffen sollte, wäre das sehr schön.

Ihr Bruder spielt für die Nati Albaniens. War das nie ein Thema für Sie?

Ich habe mir bewusst alles offen gehalten.

Wurden Sie von Albanien kontaktiert?

Nie direkt. Sie haben mir über meinen Bruder mal etwas ausrichten lassen, haben gefragt wie es mir geht und was ich vor habe bezüglich der Nationalmannschaften. Aber das zählt für mich nicht, das ist kein klares Zeichen.