Albian Ajeti hatte nie einen Plan B. Nur einen Plan A. «Und das war der Fussball.» Er wollte auch mit dem Velo das sogenannte Kilometerwägli fahren, um ins Training zu gehen. Er wollte auch das Wappen dieses Vereins auf der Brust tragen und damit ins Joggeli einmarschieren. Er wollte auch «den Granit Xhaka oder den Xherdan Shaqiri machen. Sofort spielen, wenn man als Junger in die erste Mannschaft kommt. Das war auch mein Traum. Es wäre ja verkehrt, wenn das nicht so wäre.»

Albian Ajeti erzählt dies als Spieler der ersten Mannschaft des FC Basel. Seit gut drei Monaten ist er das nun. Sofort hat er sich nach seiner Rückkehr vom FC St. Gallen durchgesetzt, Tore geschossen und Sympathien gesammelt. Doch Albian Ajeti musste Umwege gehen, um dorthin zu kommen, wo er heute ist. Zurück bei der alten Liebe. Bei den Profis. Am Ziel seiner Träume.

Auf Wiedersehen FCB

Dass er das dereinst schaffen würde, daran hatte er nicht immer geglaubt. Anfang Januar 2016 sah er keine Perspektiven mehr. Der damals erst 18-jährige Albian Ajeti verlässt den FC Basel und damit jenen Verein, bei dem er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Arlind und Adonis alle Nachwuchsstufen durchlaufen hatte.

Er macht den Schritt zu Augsburg in die Bundesliga. In der Hoffnung, dort gesetzt zu sein. In Basel hatte man ihm soeben Andraz Sporar vor die Nase gesetzt. «Das ist blöd gelaufen für mich», sagt er heute. Aber damals hatte er keine Geduld, noch länger zu warten. Er wollte endlich Profi sein.

«Das ist blöd gelaufen für mich»

«Das ist blöd gelaufen für mich»

Rückblickend sagt er: «Ich weiss auch, dass mein Wechsel zu Augsburg ein Schnellschuss gewesen ist.» Bereuen? Das tut er es dennoch nicht. «Im Gegenteil, weil ich dort sehr viel habe lernen können. Ich konnte Erfahrungen sammeln, eine andere Liga kennen lernen, ein anderes Spielsystem, und ich habe mich körperlich, aber auch im Kopf weiterentwickelt. Ich bin gereift.» Es ist nicht nur eine Floskel. Albian Ajeti sagt dies glaubwürdig. Ehrlich. Und vor allem demütiger. Denn auch das sei er in seinen beiden Jahren weg vom FC Basel geworden. 

Eine lehrreiche Zeit

Nach Augsburg zog es ihn zu St. Gallen. Er brauchte Einsatzzeit, um sich zu entwickeln. Bei Augsburg kam er nur auf 36 Minuten. Aber all das habe ihm geholfen. «Ich musste bei Augsburg sehr, sehr fest untendurch. Das war mir eine grosse Lehre.» Eine, die ihn auch sagen lässt: «Heute würde ich es anders machen. Ich würde durchbeissen, mehr Geduld zeigen und lieber noch zwei, drei Mal schlucken, statt einfach davonzulaufen.»

In St. Gallen empfahl er sich mit starken Leistungen für den FCB. Als die Rückkehr nach Basel im Sommer kurz vor Abschluss scheiterte, war er etwas ernüchtert, brauchte Zeit, das zu verarbeiten, wie er zugibt. Es war bereits der zweite Anlauf auf dem Weg zu den Profis beim FCB, der schiefgegangen war. Es brauchte einen dritten. Jenen im Oktober. Seither ist er in Basel. Der Trainer setzt auf ihn – und Ajeti zahlt das Vertrauen zurück.

(archiv)

«Ich weiss auch, dass mein Wechsel zu Augsburg ein Schnellschuss gewesen ist. Heute würde ich es anders machen.»

(archiv)

Die Sehnsucht nach dem Banalen

Das Heimkommen habe er «sehr, sehr emotional erlebt. Ich hatte viel Gutes aus Basel in Erinnerung und daran hat sich auch nicht gross etwas geändert.» Ajeti spricht von Sachen, die für andere banal erscheinen, für ihn jedoch sind sie essenziell, um die bestmögliche Leistung abrufen zu können, wie er sagt.

Es sei das ganze Drumherum: Das Shoppingcenter, der Campus, die Gesichter, die Trainingsplätze – und das Erreichen dieser mit dem Velo. Wie dies die grossen Spieler getan haben, als er noch Klein Albian in der U15 war und erstmals merkte: Da will ich auch hin. Und ich schaffe das. «All das wieder erleben zu dürfen. Das ist wirklich sehr, sehr, sehr schön für mich.»

Angst, dass er in der Rückrunde und aufgrund des wieder genesenen Ricky van Wolfswinkel weniger spielen wird, hat er ebenso wenig, wie er einen Plan A hatte. «Wir sind noch in allen drei Wettbewerben dabei, da braucht es jeden einzelnen Spieler.» Um sich von der Konkurrenz abzuheben, hat er gar schon eine Woche früher – gleich nach dem Jahreswechsel – das Training individuell wieder aufgenommen. Neues Jahr, neue Ziele, sagt er. Und dazu gehört mit Sicherheit nicht, vom Stammspieler zum Plan B zu werden. Alternativen waren noch nie Ajetis Ding.