Snooker
Alexander Ursenbacher verteidigt seinen Schweizer Meistertitel

Der Fricktaler stellt in Bern seine Klasse unter Beweis. Mit 139 Punkten bleibt er nur deren acht unter dem Maximum. Der bald 17-Jährige hofft, sich für die Main Tour zu qualifizieren.

Michael Schenk
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Alexander Ursenbacher holt seinen zweiten Meistertitel.

Alexander Ursenbacher holt seinen zweiten Meistertitel.

Susan Gloor

Das Kunststück, das der Hero der Szene just in seinem Alter vollbracht hat, wird dem am Freitag 17 Jahre alt werdenden Rheinfelder Alexander Ursenbacher wohl nur gelingen, wenn der Papst hierzulande 2014 Bundespräsident wird. Der Brite Ronnie O’Sullivan, genannt «The Rocket» hat seinerzeit mit 17 sein erstes Profiturnier gewonnen – die UK Championship. «Er ist mein Vorbild – unglaublich, was er alles kann und erreicht hat», schwärmt der beste Schweizer Snooker-Spieler der Gegenwart, der den vierfachen Weltmeister schon persönlich kennen gelernt hat.

Obwohl Teenager und dem Spiel mit dem Queue und den 15 roten und sechs farbigen Kugeln er erst seit fünf Jahren frönend, ist der in Riehen aufgewachsene Ursenbacher in seiner Disziplin eine Klasse für sich in diesem Land. Und ganz seinem Vorbild nacheifernd, pflegt der nationale Überflieger einen aggressiven, schnellen Stil.

Auch musikalisch begabt

Nur wenig Schweizer sind fähig, ein «Century Break» zu totalisieren, also 100 und mehr Punkte mit einer Aufnahme. Bei Ursenbacher ist dies inzwischen gang und gäbe. So auch an der Schweizer Meisterschaft, wo er mit seinen 139 Punkten nur acht Zähler unter der Maximum geblieben ist. Nur logisch also, dass der begabte Billard-Artist seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen konnte. «Es bedeutet mir viel, als Schweizer Meister auftreten zu können – auch wenn es dabei um kein Geld geht und es mich meinem Ziel, Profi zu werden, nicht direkt näher bringt», sagt er. Im SM-Final setzte sich der ehemalige Tennisspieler und Kung-Fu-Fan, der auch musikalisch begabt ist, gegen Tom Zimmermann durch.

Alexander Ursenbachers grosser Traum ist es, sich heuer unter den besten 128 der Welt zu positionieren. Damit würde er sich für die Main Tour qualifizieren – vergleichbar mit der ATP-Tour im Männertennis. Im Mai erhält der Fricktaler drei Chancen, sein Ziel zu erreichen. Schafft er an einem der drei Q-School-Turniere in Sheffield den Einzug in den Halbfinal, ist er auf der Tour dabei, wo das grosse Geld fliesst. Er wäre damit der erste Schweizer, dem dieses Kunststück gelingt.

Mini-Budget als Profi

«Es wird schwer. Da sind ehemalige Profis in Sheffield am Start, die wieder Profi werden wollen, sowie die besten Amateure der Welt. Aber möglich ist es auf jeden Fall». Seit er im Juni die Schule beendet hat, trainiert und lebt Ursenbacher als Profi. Freilich bewegt sich sein Einkommen noch in M-Budget-Bereich. «Die besten zweiunddreissig der Welt können sehr gut von dem Sport leben», erzählt er. Der 37-jährige O’Sullivan etwa hat bis dato über zehn Millionen Franken allein an Preisgeld erspielt. Ursenbacher seinerseits ist derzeit noch auf die Unterstützung seiner Mutter angewiesen. Das grösste Preisgeld, das der Jungprofi bislang verdient hat, sind 1150 Franken bei einem Open Turnier in Österreich. «Ein Sponsor ist natürlich jederzeit willkommen», sagt der Meisterspieler.

Sechs bis acht Stunden täglich steht Alexander Ursenbacher am 3556 × 1778 Millimeter grossen Snooker-Tisch. Das Cello steht in der Ecke, seit er anno 2008 er mit dem Sport in Berührung kam. Ganz nach dem Motto: Snooker über alles. Nachdem sein Klublokal in Basel wohl noch im Sommer aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen ist, trainiert der Meister derzeit in Reinach.

Langweilig wird es ihm dabei nie – schliesslich bietet sich nach jedem Stoss ein anderes Bild auf dem Tisch, sprich eine neue Herausforderung. «Ich spiele auch bei 30 Grad am Schatten. Snooker fasziniert mich einfach. Wenn ich dabei noch Erfolg habe, umso schöner und besser.»