Super League
Alles neu und doch alles beim Alten – was die FCB-Pleite gegen St. Gallen für Erkenntnisse brachte

Drei neue Stammkräfte, grosse Pläne vom Meistertitel und dem zurückgewinnen der Heimstärke. Und dann geht es los und der FCB verliert in den Schlusssekunden. Wie sich die Neuen dabei geschlagen haben, was die Heimpleite bedeutet und wie es um die Kaderbreite aussieht, lesen Sie hier.

Sébastian Lavoyer
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Silvan Widmer und Jonas Omlin hatten ihren ersten Ernstkampf in den rot-blauen Trikots.

Silvan Widmer und Jonas Omlin hatten ihren ersten Ernstkampf in den rot-blauen Trikots.

Keystone

Viele FCB-Fans haben sich den Kopf zerbrochen, ob man die drei Stammkräfte, die den FC Basel nach der letzten Saison verlassen haben, wirklich würdig ersetzt habe. Man fürchtete einen ähnlich tiefen Umbruch wie jenen im Winter, den man als einen der Hauptgründe für das Verpassen des Meistertitels ausgemacht hatte.

Sportchef Marco Streller aber entgegnete den Kritikern: Man habe dieses Mal Stammspieler geholt, Spieler mit Rhythmus, nicht wie im Winter Spieler mit hohen Ansprüchen und wenig Minuten.

Tomas Vaclik, Michael Lang und Mohamed Elyounoussi haben den Verein vor wenigen Wochen verlassen, zogen nach Spanien, Deutschland und England weiter. Geholt hat der FCB Jonas Omlin vom FC Luzern, Silvan Widmer von Serie-A-Klub Udinese und Aldo Kalulu aus der zweiten französischen Liga. Alle drei haben bei ihrem ersten Auftritt im Joggeli gezeigt, dass Streller gute Gründe hatte, sie zu verpflichten.

Die Neuen haben – mit kleinen Abstrichen – ein starkes Debüt gezeigt

Jonas Omlin zeigte insbesondere in der ersten Halbzeit gegen Yanis Tager zwei bärenstarke Paraden, wurde von Trainer Raphael Wicky anschliessend gelobt, dass er dem Team durch seine Ruhe viel Sicherheit gegeben habe.

Vor allem auch bei hohen Bällen war er ohne einen Wackler. Zugleich zeigte er auch, wo seine Schwächen noch liegen: Beim Rauslaufen und beim Spiel mit dem Ball am Fuss. In der Vorbereitung verschuldete er so zwei Gegentreffer, das blieb ihm gestern erspart und er erwies sich als würdiger Vaclik-Nachfolger.

Silvan Widmer zeigte, dass er ein formidabler Verteidiger ist, klärte mehrmals spektakulär. Aber er zollte der kurzen Vorbereitung Tribut. Musste sich nach einer knappen Stunde auswechseln lassen. Raphael Wicky war der Schreck ins Gesicht geschrieben, als Widmer andeutete, dass er raus müsse.

Basels enttaeuschter Torhueter Jonas Omlin, MItte, verlaesst den Platz
11 Bilder
FCB - FC St. Gallen, 21.07.2018
Impressionen aus dem Spiel.
Impressionen aus dem Spiel.
St. Gallens Torhueter Dejan Stojanovic ärgert sich nach em 1:1 Ausgleich.
St. Gallen geht dank Itten in der 56. Minute in Führung.
Impressionen aus dem Spiel.
Impressionen aus dem Spiel.
Impressionen aus dem Spiel.
Cedric Itten (St.Gallen) gegen Fabian Frei (Basel)
Impressionen aus dem Spiel.

Basels enttaeuschter Torhueter Jonas Omlin, MItte, verlaesst den Platz

Keystone

Nach dem Spiel war schnell klar, dass er einfach nichts riskieren wollte. Für das Spiel am Dienstag in Griechenland dürfte er wieder fit sein. Ihm fehlen noch ein paar Wochen, aber defensiv ist mindestens so gut wie Lang, offensiv dürfte er sich jedoch die Zähne am Ostschweizer ausbeissen.

Zu guter Letzt also Kalulu: Wirbilig, schnell, steter Unruheherd. St. Gallen-Verteidiger Milos Vilotic kann ein Liedchen davon singen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde liess Kalulu den Ball zwischen den Beinen durch, drehte sich um den Serben und wäre weg gewesen, hätte Vilotic ihn nicht zurückgehalten. Glück, dass er da mit Gelb davon kam. Kalulu hätte aber aus zwei hervorragenden Gelegenheiten mindestens ein Tor machen müssen.

Er hat gezeigt, dass er vieles kann. Bloss das Toreschiessen wollte noch nicht klappen. Hätte Albian Ajeti seine Vorlage in der ersten Halbzeit verwertet und wäre nicht an Stojanovic gescheitert, Kalulu hätte sich auch einen Assist gutschreiben lassen können. Elyounoussi wird man kaum lange nachtrauern.

Trotz der hehren Vorsätze: Der FCB bleibt im Joggeli ein Wackelkandidat

Ein weiterer Grund, warum man letzte Saison ohne Titel blieb, war die Tatsache, dass man vor eigenem Publikum zu viele Punkte liess. Man kündete an, dass man das Joggeli wieder zu einer Festung machen wolle, einen Ort, wo der Gegner mit zittrigen Knie aufläuft. Daraus ist nichts geworden, im Gegenteil. Der FCB hat dem Rest der Super League gezeigt, dass man vor eigenem Publikum nach wie vor anfällig ist.

Und obwohl alles anders hätte kommen sollen, startet man wie schon letzte Saison mit einer Niederlage in die Saison. Vor einem Jahr setzte es beim Auftakt in Bern gegen den späteren Meister YB eine Pleite ab (0:2), jetzt gegen St. Gallen.

Es ist kaum vermessen, zu behaupten, dass die Ostschweizer nicht Meister werden. Der FCB aber wird schwitzen müssen, wenn er wieder ängstliche Gegner empfangen will. Denn in den Köpfen ist langsam eingraviert: Im Joggeli kann man punkten. Das machts nicht einfacher für Wicky und seine Männer.

Das Kader ist dünn – aber es dürfte sich bessern

Nein, einen zweiten Rechtsverteidiger will die Klubführung nicht mehr verpflichten. Widmer wird mit dem Team nach Griechenland reisen zur ersten Partie gegen Paok Thessaloniki in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation, auch wenn er gestern vorzeitig vom Platz ging.

Es war eine reine Vorsichtsmassnahme, hiess es danach. Das ist schon mal erfreulich, denn Widmer kann Wicky derzeit nicht ersetzen, wenn er ausfallen sollte. Als Backup ist Taulant Xhaka vorgesehen, aber mit dem ist frühstens im August wieder zu rechnen.

Trotzdem gibt es gute Neuigkeiten aus dem Basler Lazarett. Eray Cümart hat gestern nach rund fünfmonatiger Verletzungspause wegen einer Schulterverletzung erstmals wieder gespielt. Und auch bei Eder Balanta stehen die Zeichen auf Besserung.

Wicky hat noch Hoffnung, dass er die beiden allenfalls sogar auf die Reise in den Süden mitnehmen kann. Anders sieht es bei Zdravko Kuzmanovic aus, bis er wieder auf Damm ist und die körperliche Fitness hat, um regelmässig zu spielen dürften noch Monate vergehen.