Modeschau

Alter Stoff, grosse Gefühle – die FCB-Trikots und ihre Geschichten

Elf FCB-Spieler schlüpfen als Geburtstagsgeschenk für ihren 125 Jahre alten Verein in Retro-Trikots aus der Sammlung von Lorenz Schumacher. Wir erzählen die Geschichten, die sich in diesen Shirts zugetragen haben und rekapitulieren so die Eckpfeiler der letzten 50 Jahre.

1969: Stocker trägt Benthaus

Das rotblaue Baumwoll-Shirt ohne Marke und Sponsor ist eines der ältesten in der Sammlung von FCB-Fan Lorenz Schumacher. Es stammt aus dem Jahr 1969 und wurde im Rückspiel des Landesmeisterpokals gegen Celtic Glasgow von Spielertrainer Helmut Benthaus getragen. Nach dem 0:0 im Hinspiel vor knapp 38'000 Zuschauern im alten Joggeli verliert der FC Basel in Schottland mit 0:2 und scheidet aus. Benthaus tauscht sein Trikot mit Gegenspieler William Wallace.

Weil die Celtic-Legende in finanzielle Nöte gerät und seine Trikots verhökert, kommt dieses Exemplar vor ein paar Jahren zu Schumacher. Nicht nur wegen den Spielen gegen Celtic ist es von besonderem Wert. Der FCB holt in diesen Shirts auch den vierten Meistertitel der Geschichte, den zweiten in Serie. Sowohl 1969 und 1970 hat der FCB in der Abschlusstabelle einen Punkt Vorsprung auf Lausanne.

FCB-Captain Karl Odermatt und der Celtic-Captain McNeill bei der Platzwahl

FCB-Captain Karl Odermatt und der Celtic-Captain McNeill bei der Platzwahl

1972: Grün bringt in der Liga Glück

Dieses Trikot stammt aus dem Jahr 1972 und wurde von FCB-Torhüter Marcel Kunz und seinem Ersatz Jean-Paul Laufenburger getragen. Kunz spielt von 1963 bis 1975 insgesamt 283 Mal für den FC Basel, Laufenburger von 1964 bis 1974 107 Mal. In den Jahren 1972 und 1973 bringt die Farbe Grün offensichtlich Glück. Der FC Basel holt erneut zweimal hintereinander die Meistertrophäe. Erst mit vier Punkten Vorsprung auf den FC Zürich, im Folgejahr mit dem selben Vorsprung auf GC. Es sind die Ligatitel fünf und sechs für den FCB.

Im Cupfinal mutiert der FCZ langsam zum Angstgegner der Basler. Nach der Finalniederlage von 1970 hat der Erzrivale auch 1972 (1:0) und 1973 (n.V. 2:0) die Nase vorn. Offizieller FCB-Ausrüster war damals der französische Sportartikelhersteller Le Coq sportif, dessen Logo in Form eines weissen Hahns auf dem grünen Shirt zu sehen ist.

Hätten Sie das Trikot wieder erkannt? Hier streckt sich der Basler Goalie Marcel Kunz vergeblich.

Hätten Sie das Trikot wieder erkannt? Hier streckt sich der Basler Goalie Marcel Kunz vergeblich.

1976: Der erste Trikot-Sponsor

In der Saison 1976/77 trägt der FC Basel Adidas und hat erstmals einen Trikotsponsor. Der Schriftzug des Reiseunternehmens Guarnaccia prangt für eine Saison auf den Shirts. Neben dem blauen Trikot, das zwar etwas eingegangen ist, aber Eder Balanta trotzdem noch passt, gibt es auch eine rote, eine weisse und eine rotblaue Variante.

Einen Titel gibt es in diesen Trikots ebenfalls zu feiern. In der regulären Meisterschaft wird der FCB hinter Servette Genf zwar nur Zweiter. Doch weil es damals eine Finalrunde gibt, kann Basel Genf noch einholen. Es kommt zum Entscheidungsspiel auf neutralem Grund. Im Berner Wankdorf-Stadion treffen Walter Mundschin und Arthur von Wartburg für Rotblau. Der FC Basel schlägt Servette mit 2:1 und feiert seinen siebten Meistertitel. Der erfolgreichste Schütze für die Benthaus-Elf ist mit zehn Treffern der damals 18-jährige Erni Maissen.

Walter Mundschin präsentiert am 28. Juni 1977 im Wankdorf-Stadion in Bern den 50'000 Zuschauern stolz den Meisterbecher. Der FCB ist nach dem 2:1-Sieg im Entscheidungsspiel gegen Servette Meister.

Walter Mundschin präsentiert am 28. Juni 1977 im Wankdorf-Stadion in Bern den 50'000 Zuschauern stolz den Meisterbecher. Der FCB ist nach dem 2:1-Sieg im Entscheidungsspiel gegen Servette Meister.

1984 bis 1986: Konstant bergab mit PAX-Trikots

Ab der Saison 1977/78 bis zum Abstieg im Jahr 1988 spielt der FC Basel in PAX-Trikots. Neben dieser weissen Version gibt es in jedem Jahr jeweils auch eine rotblaue Variante. In den 1980ern ändert sich die Optik der Trikots kaum. Doch so ähnlich die Shirts, so konstant geht es mit dem FC Basel nach dem achten Meistertitel 1980 sportlich bergab.

Die Versicherung auf den Shirts bringt offensichtlich kein Glück. Albian Ajeti hat bei unserem Fotoshooting fast jedes Trikot einmal an. Am Ende entscheidet er sich für das Exemplar aus der Saison 1985/86. In der 16 Teams umfassenden NLA wird der FCB zum Saisonabschluss Zehnter. Den Abwärtstrend kann auch Helmut Benthaus nicht stoppen. Der Erfolgstrainer war 1982 nach Stuttgart abgewandert, kam aber 1985 für zwei Jahre als Trainer nach Basel zurück. Die sportliche Talfahrt des FCB endet 1988 mit der Relegation in die NLB.

Der deutsche Weltmeister Paul Breitner zieht 1994 - ebenfalls im PAX-Trikot - bei einem Hallenturnier an St. Gallens Christian Gross vorbei.

Der deutsche Weltmeister Paul Breitner zieht 1994 - ebenfalls im PAX-Trikot - bei einem Hallenturnier an St. Gallens Christian Gross vorbei.

1994: Pululu muss ins Aufstiegstrikot

Keiner der aktuellen FCB-Spieler will in das gelbe NLB-Trikot schlüpfen. Weil Afimico Pululu als Letzter eintrifft, muss er in den sauren Apfel beissen. Dabei sind mit diesem Shirt viele positive Erinnerungen verbunden. Nach sechs Jahren Zweitklassigkeit gelingt dem FC Basel unter dem neuem Trainer Claude «Didi» Andrey der Aufstieg. Dario Zuffis Freistosstreffer zum 1:1 beim Genfer Vorstadtklub Etoile Carouge bringt am drittletzten Spieltag der Saison die Gewissheit: Der FCB ist zurück im Oberhaus.

Statt mit dem Car kehrt die Mannschaft mit einem Sonderflug der Crossair nach Basel zurück. Die lokale Fluglinie hat den Aufsteiger freundlicherweise eingeladen, damit die spontane Aufstiegsparty am Barfüsserplatz früher beginnen kann. Der entscheidende Punkt wird in roten Trikots geholt. Doch auch in diesen gelben Ausweichshirts sammelt der FCB wichtige Siege.

Portrait von Didier Andrey, Trainer des FC Basel, aufgenommen 1994 in Basel.

Portrait von Didier Andrey, Trainer des FC Basel, aufgenommen 1994 in Basel.

1998: Im Hockeyshirt wird abgerissen

Dieses Hockeytrikot gehört nicht dem EHC Basel. Es wurde von den Fussballern in der Saison 1998/99 getragen und kam unter anderem am 13. Dezember 1998 zum Einsatz. 34'745 Zuschauer sind beim 1:3 gegen Lugano zum letzten Mal vor dem Abriss im alten Stadion St. Jakob. Nach dem Schlusspfiff räumen die FCB-Spieler selber das Tor weg.

Anschliessend nehmen sie gemeinsam mit den Spatenstechern, Fackelträgern und Ballbuben auf dem Spielfeld und dem Publikum auf den Rängen Abschied vom alten Joggeli. In den folgenden Tagen wird das für die WM 1954 errichtete Stadion abgerissen und mit den Bauarbeiten für den neuen St. Jakobpark begonnen. Sportlich verläuft das vierte Jahr nach dem Aufstieg unspektakulär. In der Meisterschaft ist der FCB im Mittelfeld anzutreffen und wird Sechster, im Cup ist gegen das zweitklassige Nyon früh Endstation.

Die Basler Mario Frick, Marco Tschopp und Atilla Sahin (von links) helfen nach dem Schlusspfiff das Tor wegzuräumen.

Die Basler Mario Frick, Marco Tschopp und Atilla Sahin (von links) helfen nach dem Schlusspfiff das Tor wegzuräumen.

2002: Blauweisser FCB feiert in Europa

Unter Christian Gross gewinnt der FCB 2002 nach über zwanzig Jahren ohne Titel gleich das Double. Dank des 2:0 im Quali-Rückspiel gegen Celtic Glasgow (Hinspiel 1:3) spielen die Basler erstmals in ihrer Geschichte Champions League. Dort geht der Siegeszug im blauweissen Dress, das zur Freude seiner Kollegen von ex-FCZler Dimitri Oberlin getragen wird, weiter.

Der FCB holt in Liverpool dank eines Treffers von Julio Hernán Rossi ein 1:1 und qualifiziert sich als Zweiter vor den Reds für die Zwischenrunde. Dort geht es wieder nach England. Auch bei Manchester United holt der FCB ein 1:1. Diesmal ist Rossis Landsmann Christian Giménez der Torschütze. Am Ende verpasst der FCB den Viertelfinal nur wegen der schlechteren Tordifferenz. Die europäischen Sternstunden kosten Kraft. Der FCB gewinnt zwar zum sechsten Mal den Cup, in der Meisterschaft wird Basel aber nur Zweiter.

Alle FCB-Tore dieser Champions-League-Kampagne

2006: Die Schande von Basel

Würde Luca Zuffi auch so lächeln, wenn er wüsste, welches Trikot er da trägt? Die Finalissima von 2006 im Joggeli gegen den FCZ ist unter dem Namen «Schande von Basel» bekannt. Der Treffer zum 1:2 in der Nachspielzeit direkt vor der Muttenzerkurve klaut dem FCB in letzter Sekunde die sicher geglaubte Meisterschaft. Das Tor löst einen Platzsturm der Basler Hooligans aus.

Fans prügeln sich, Petarden werden geworfen, Spieler gejagt. Während der Meisterpokal auf der Tribüne überreicht wird, spielen sich auf dem Rasen wüste Szene ab. Die Ausschreitungen gehen auch ausserhalb des Stadions weiter. Die traurige Bilanz: 115 Verletzte und ein Sachschaden von 500 000 Franken. Auch im Cup-Viertelfinal zieht Basel gegen den FCZ den Kürzeren. Im Uefa Cup verspielt der FCB gegen Middlesbrough nach einem 2:0 Hinspiel-Sieg und 1:0 Führung im Rückspiel den Einzug in den Halbfinal.

Die Schande von Basel

2008: In Gedenken an Barcelona

2008 feiert der FC Basel den 12. Meistertitel und den 9. Cupsieg. Nach 1967 und 2002 ist es
das dritte Double für Rotblau. In der Folgesaison qualifiziert sich der FCB zum zweiten Mal für die Champions League. Die Kampagne verläuft weniger erfolgreich als die erste. Hinter Barcelona, Sporting Lissabon und Shakhtar Donezk bleibt in der Gruppe nur Platz vier.

Das rotblau gestreifte Trikot, das an den FC Barcelona erinnert, schnappt sich Noah Okafor. Er ist acht Jahre alt, als der FCB zu Hause gegen Lionel Messi und Co mit 0:5 untergeht. Immerhin gelingt im Rückspiel ein Exploit. Durch Eren Derdiyoks Treffer zum 1:1 entführt Basel einen Punkt aus dem Camp Nou.

Lionel Messi beschäftigt bei seinem Gastspiel im Joggeli gleich mehrere Basler und ist am Ende trotzdem mit Barcelona 5:0 siegreich.

Lionel Messi beschäftigt bei seinem Gastspiel im Joggeli gleich mehrere Basler und ist am Ende trotzdem mit Barcelona 5:0 siegreich.

2011: Erfolgreicher geht es kaum

Neon ist hip. In der Saison 2010/11 wird der FCB in quietschgelben Ausweichtrikots zum zweiten Mal in Folge Meister. In der Champions League ist hinter Bayern München und der AS Roma nur Platz drei drin. Also wechselt der FCB im Jahr darauf von neongelb zu neonorange. Es folgt eine der erfolgreichsten Saisons der Klubgeschichte. Unter Heiko Vogel, der im Herbst auf den zum HSV gewechselten Thorsten Fink folgt, wird der FCB mit 20 Punkten Vorsprung Meister. 

Dazu kommen der Cupsieg und ein Champions-League-Achtelfinal gegen Bayern München, wo der FCB das Hinspiel durch einen Treffer von Valentin Stocker mit 1:0 gewinnt. Drei Wochen glaubt ganz Basel an den Coup. Doch im Rückspiel zerstören die Bayern beim 0:7 jegliche Träume. Granit Xhaka mausert sich in dieser Zeit zum unverzichtbaren Stammspieler. Klar, dass Bruder Taulant in dessen Trikot schlüpft.

Valentin Stocker jubelt, Bayern Arjen Robben ist betrübt. Soeben hat der FCB gegen Bayern mit 1:0 gewonnen.

Valentin Stocker jubelt, Bayern Arjen Robben ist betrübt. Soeben hat der FCB gegen Bayern mit 1:0 gewonnen.

2017: Die vorerst letzten Titel

Mit dem achten Meistertitel in Serie und dem 3:0-Finalsieg gegen das in Endspielen zuvor 13 Mal ungeschlagene Cup-Monster Sion beendet der FC Basel die so erfolgreiche Ära unter Präsident Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz mit dem sechsten Double der Vereinsgeschichte. Der insgesamt 20. Meistertitel beschert dem FCB ausserdem den zweiten Stern auf dem Trikot, was mit vielen alten Bekannten und einem Cortège durch die Stadt gefeiert wird.

In der Champions League bleiben die Erfolge aber aus. Der FCB verliert nicht nur gegen Arsenal und Paris Saint Germain, am Ende sind sogar die Bulgaren aus Rasgrad besser klassiert. Es folgt der Umbruch. Trainer Urs Fischer muss gehen. Der neue Präsident Bernhard Burgener und der neue Sportchef Marco Streller rufen das Konzept «Für immer Rotblau» aus. Sie wollen vermehrt auf Eigengewächse setzen.

Fasnacht im Sommer: Der FCB feiert mit einem Cortege den zweiten Stern.

Fasnacht im Sommer: Der FCB feiert mit einem Cortege den zweiten Stern.

 Weitere historische FCB-Trikots aus der Sammlung von Lorenz Schumacher gibt es auf www.fcbtrikots.ch

Alle FCB-Sternstunden in der Champions League:

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