Fussball

Am Ende des Regenbogens angekommen: Ex-FCB-Stürmer Marc Janko hört auf

Nach 16 Jahren, 11 Titeln und einer grossen Karriere sagt Ex-FCB-Stürmer Marc Janko: Servus und auf Wiedersehen.

Nach 16 Jahren, 11 Titeln und einer grossen Karriere sagt Ex-FCB-Stürmer Marc Janko: Servus und auf Wiedersehen.

Marc Janko beendet seine Profi-Karriere nach 16 Jahren. Ein Blick zurück auf seine schönsten Moment und einer vorwärts in sein neues Leben mit dem ehemaligen FCB-Stürmer.

Aus dem Hintergrund erklingen leise Töne. Es sind Töne einer Ukulele, ein Mann summt leise dazu. Dann ertönt eine Stimme. «Im Leben eines jeden Menschen kommt der Moment, in dem ein Abschnitt endet und einer neuer beginnt», sagt ein Mann. Es ist dies der Beginn des Videos, mit dem Marc Janko sein Ende verkündet. Sein Ende als aktiver Fussballer.
Nach 16 Jahren, von 2003 bis 2019, insgesamt 438 Spielen und 210 Toren, davon 70 Spiele und 28 Tore für die österreichische Nationalmannschaft, ist Schluss.

Das Summen im Video wird zu Gesang. Zu hören ist das Lied «Somewhere over the Rainbow». Dieses so schöne und gleichermassen melancholische Lied. «Ich starte nun in ein neues Abenteuer, gehe weiter und möchte mich bei euch allen für diese wunderbare Zeit bedanken», spricht Janko weiter, während er Nägel in die Wand schlägt. Nägel, an welche er später seine gelben Kickschuhe hängen wird. «Diese symbolische Botschaft war das erste, was mir in den Sinn gekommen ist, als ich wusste, dass ich mich mit einem Video verabschieden möchte», sagt Janko, als ihn die bz am Telefon erreicht.

Zufrieden und aufgeräumt

Der 36-jährige Österreicher weilt gerade in Mailand. Er klingt zufrieden, aufgeräumt. Vielleicht auch, weil der Entscheid, seiner aktiven Laufbahn ein Ende zu setzen, bereits im Winter gereift war, wie er sagt. Die Spielanlage bei Lugano – seinem letzten Verein – hatte nicht zu ihm gepasst, der Frust wuchs. «Ich habe mir auch immer vorgenommen, dass ich einen Schlussstrich ziehen möchte, wenn ich körperlich noch gut im Schuss bin und nicht dann erst, wenn ich kaum mehr aus dem Bett komme am Morgen. Ich will weiterhin ein aktives Leben führen. Deshalb fühlt es sich vom Timing und von den lebenstechnischen Umständen her gut an.»

Die Stimmen im Video wechseln sich ab, mal ist es der österreichische Stürmer Janko, mal der hawaiianische Sänger Israel «IZ». In eineinhalb Minuten lässt Janko seine Karriere Revue passieren. Von ganz am Anfang des Regenbogens bei Admira Wacker, über den Aufstieg zu Red Bull Salzburg und der dreifachen Meisterschaft, die Erfolge in Holland mit Twente Enschede, über die Titel mit Porto bis hin zu jenen Momenten, in denen der Regenbogen am strahlendsten leuchtete: dem Double mit dem FCB und den grossen Momenten mit der österreichischen Nati.

Wie die Wahl des Lieblingskindes

Seinen schönsten Moment heraus zu picken, sei schwer. «Das ist, als würde mir jemand sagen, ich müsse mein Lieblingskind aussuchen», erklärt der zweifache Vater. Er habe bei vielen Stationen viele tolle Zeiten erlebt und sei einfach «nur unfassbar dankbar und demütig.» Etwas aber, das habe ihn ganz speziell «geflasht»: «Wie unfassbar schnell 16 Jahre vorbei gehen. Ich klinge jetzt zwar wie meine Mutter oder mein Vater, aber es fühlt sich wirklich nicht so lange an, seit ich mein erstes Profispiel absolviert habe.»

Im Song geht es gerade darum, dass die Träume, die man hatte, tatsächlich wahr geworden sind. Janko spielt von jedem Klub, bei dem er war, das Wappen ein, bedankt sich in der jeweiligen Sprache. «Dangge» prangert über dem FCB-Logo. Dieses Video sei ihm wichtig gewesen, weil er nicht mit «banalen Worten habe tschüss sagen wollen».

Kosmopolit und Wandervogel

Es zeigt, wie Janko tickt. Er war stets einer, der sich mehr Gedanken gemacht hat, sich mit dem Alltagsgeschehen und der Welt auseinandersetzte. Er ist ein Kosmopolit, gebildet, aufgeschlossen. Zeit seiner Karriere war er auch ein Wandervogel – mal mehr, mal weniger freiwillig. Für neun Vereine lief er auf, bei Klubs wie Trabzonspor und Prag kämpft er gegen Widrigkeiten, bei Basel fühlte er sich zu Hause wie sonst kaum irgendwo.

«Wer nicht gereist ist, der hat nie gelebt», zitiert er ein Sprichwort. «Wenn man danach geht, dann habe ich viel gelebt. Aber es kommt auch der Zeitpunkt, an dem man Wurzeln schlagen will.» Wo das sein soll, ist bereits klar: In Wien. Dort hat die Familie Janko bereits eine Bleibe gefunden, im Sommer ist sie fertig. «Das war auch ein Zeichen, dass es jetzt passt, aufzuhören. Man muss seine Karriere auch nicht ganz ausquetschen.»

Der Sprung ins Ungewisse

Der Moment in seiner Videobotschaft ist gekommen. Janko hängt seine Fussballschuhe an den Nagel. Er ist am Ende des Regenbogens angekommen. Wie es an diesem Punkt weiter gehen soll, ist noch nicht ganz klar. Das Trainerdasein sei Stand jetzt nichts für ihn. Denn die gewünschten Wurzeln seien aus dem Koffer schwer zu schlagen. Der Wandervogel will Ruhe. Er wolle einiges ausprobieren, sich Zeit geben und schauen, was passe. «Es ist ein Sprung ins Ungewisse und der Abschied vom fremdbestimmten hin zum selbstbestimmten Leben. Das ist eine Challenge. Ich hoffe, dass ich bald aus dem Loch rauskomme, in das man automatisch fällt und mir mein neues Leben schön gestalten kann.»

Die Schuhe hängen, als das Lied langsam ausklingt. «Die unzähligen, kostbaren Momente, werden immer in meinem Herzen weiter leben. Machts gut, ich danke euch», sagt er im Video emotional. «Die Wand mit den Nägeln steht noch und ich werde die Löcher zukleistern», sagt er am Telefon lachend. Es sind solche Sprüche, die fehlen werden. Und es sind solche Sprüche, die Freude auslösen, wenn Janko verspricht: «Ich werde dem Fussball erhalten bleiben.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1