Manuela Siegrist gilt als grosses Nachwuchstalent. Dank ihren guten Leistungen vor einem Monat an den nationalen Titelkämpfen in Gstaad, kann die 22-Jährige als Ersatzfrau mit den Schweizer Meisterinnen vom Team Aarau an die WM nach Riga reisen.

Der Telefonanruf kam einen Tag nach der Finalrunde im Berner Oberland, bei der das Team Basel-Regio um Skip Manuela Siegrist, die Bronzemedaille geholt hatte. Am anderen Ende der Leitung war Nationalcoach Andreas Schwaller, der ihr die frohe Botschaft mitteilte. «Ich war schon glücklich und stolz über den dritten Rang, den wir in Gstaad erreicht haben. Aber dass ich als Ersatz für die WM bestimmt wurde, das freute mich», strahlt die Baslerin.

Spielanalyse und Schokoriegel

Nun wird Siegrist ab Samstag zusammen mit Schwaller und zwei weiteren Betreuern das Schweizer-Meister-Team aus Aarau in der lettischen Hauptstadt unterstützen: Am Abend die Steine testen, auf der Coachbench sitzen und die Spiele analysieren oder die Crew zwischen zwei Ends mit einem Stück Schokolade oder einer Banane verpflegen. Das werden ihre voraussichtlichen Hauptaufgaben sein.

Lieber kein Einsatz

Ob Siegrist letztlich zum Einsatz kommt, hofft sie – so komisch es auch klingen mag – nicht: «Ich will ja, dass es dem Team gut ergeht und wenn alles rund läuft, dann benötigen sie meine Hilfe auch nicht. Aber falls etwas wäre, bin ich natürlich jederzeit bereit einzuspringen.»

Die halbe Welt schon bereist

Obwohl der 22-Jährigen im Training und an den Turnieren auf dem Eis häufig kalt ist, wird sie nicht etwa Wollpullover oder Jacken zuerst einpacken, sondern ihre Curling-Schuhe. «Warme Kleider kann ich bei Bedarf auch noch in Riga einkaufen», lacht Siegrist. Sie ist sich das Herumfliegen schon längst gewohnt, denn während ihrer zehnjährigen Curling-Karriere hat sie die halbe Welt bereist; Kanada, Finnland, Norwegen, Russland oder die USA. «Natürlich immer nur Länder, die im Norden liegen», sagt die Wirtschaftswissenschaftsstudentin und schmunzelt.

Hoher Aufwand

Mit ihrem Team Basel-Regio trainiert sie zweimal die Woche in Arlesheim auf dem Eis, bestreitet drei bis vier Individualtrainings in einem Fitnesscenter, sowie ein Mentaltraining. Hinzu kommen die Vorlesungen an der Uni, viel Zeit für anderes bleibt nicht übrig, «aber der Aufwand lohnt sich immer, vor allem dann, wenn ich zusammen mit meinen Kolleginnen ein Ziel erreichen kann.»

Erfahrungen sammeln

Trotz vollem Programm hat Siegrist selten keine Lust in die Curlinghalle zu gehen und Steine zu legen. Nur vor Weihnachten, als sie mit Basel-Regio in Kanada drei Wochen hintereinander jeden Tag auf dem Eis stand, brauchte sie wirklich eine Pause. «Es musste wieder richtig kribbeln, bevor ich zurück aufs Eis gehen konnte», erinnert sie sich.

Bereits gut integriert

Mit dem richtigen Kribbeln will sie auch an den Weltmeisterschaften bei Bedarf erfolgreich curlen. Von den Aarauerinnen um Skip Silvana Tirinzoni ist sie freundschaftlich aufgenommen worden und fühlt sich «super integriert.» Siegrist wird in Riga nicht nur das Schweizer Team unterstützen, sondern das eine oder andere Spiel der Gegnerinnen beobachten. Ausserdem Erfahrungen sammeln, damit sie 2018 an den Olympischen Spielen in Südkorea mit ihrem eigenen Team punkten kann.