Super League

An einem guten Punkt: Charakterstarker FCB bezwingt St. Gallen und weckt Hoffnungen

Der FC Basel kommt nach der Quarantäne zu einem Erfolgserlebnis in St. Gallen. Und deutet sein mögliches Potenzial an.

Zu wissen, in welcher Verfassung man ist, ist nach einer Pause immer schwierig. Sei dies eine Nationalmannschafts- oder eine Verletzungspause. Es nach einer 28-tägigen Wettkampfpause zu erahnen, während der man auch noch zehn Tage die eigenen vier Wände quarantänebedingt nicht verlassen durfte, ist beinahe unmöglich. So konnte vom FC Basel an diesem Sonntag im Duell gegen den FC St. Gallen alles erwartet werden. Vom eklatanten Mangel an Rhythmus und Automatismen bis hin zu einem positiven Effekt nach einer langen Erholungsphase und viel Zeit, um neue Spieler zu integrieren.

Zwischen diesen beiden Extremen war alles möglich. «Wenn du dann St. Gallen auswärts 3:1 schlägst, stehst du nicht komplett am falschen Ort», sagte Fabian Frei nach dem Spiel in die auf Distanz gehaltenen Mikrofone. Und analysierte das zuvor Geschehene damit ziemlich treffend. Denn obschon der FCB nicht die bessere, aber dafür die cleverere Mannschaft war, siegte er überraschend deutlich gegen St. Gallen –  das einzige Team, welches noch von keiner Spielverschiebung betroffen war.

Euphorie der Zwangspause zum Trotz konserviert

Aber von Anfang an. Der FCB, frisch aus der Quarantäne, ohne den noch in Isolation verharrenden Neuzugang Timm Klose und einem kranken Valentin Stocker, erwischt im erst vierten Ligaspiel einen perfekten Start. Der ebenfalls neue Jorge lanciert Afimico Pululu, der provoziert einen Abpraller, welchen wiederum Arthur Cabral verwerten kann. Ein frühes 1:0 für jenes Team, von dem durchaus hätten Anlaufschwierigkeiten erwartet werden dürfen.

Aber der FCB scheint es geschafft zu haben, Quarantäne und Sinnfragen zum Trotz, die nach dem Heimsieg gegen Luzern aufgekommene Euphorie irgendwie zu konservieren. Aber nicht nur das. Die Mannschaft wirkt gerade auch durch die Neuzugänge mental stärker, gefestigter. Dies zeigt nicht zuletzt die Reaktion auf den zwischenzeitlichen Ausgleich in der 13. Minute, in welcher Djordje Nikolic einmal mehr nicht überzeugend agiert und unnötig aus dem Tor stürmt. Aber der FCB steckt dies weg.

Vielleicht, weil Fabian Frei in der 39. Minute über sich hinauswächst, über das halbe Feld sprintet und die neuerliche Führung erzielt. Vielleicht aber auch, weil der FCB mehr Charakter auf dem Platz hat, mehr Persönlichkeit. Einen Pajtim Kasami beispielsweise, der kein gutes Spiel macht, am Ende aber dennoch noch einen Treffer erzielt, jenen zum 3:1. Den ersten im rotblauen Dress im ersten Spiel für Basel. Und in einem Spiel, in dem er als Sechser agieren muss, statt auf der geliebten Zehnerposition. Trotz dieser eher überraschenden Nomination harmoniert es im Basler Zentrum. Es wirkt oft eingespielter, als es eigentlich sein kann. Dass der FCB dennoch auch etwas Glück und Ineffizienz vom Gegner beanspruchen muss, zeigt ein Blick in die Statistik. 21 Mal gibt St. Gallen einen Schuss ab, nur deren fünf kommen aufs Tor.

Auch aufgrund der St. Galler Leistung darf eben jene der Basler nicht überbewertet werden. Es ist ein erster, guter Schritt zurück im Geschäft. Und der FCB scheint an einem guten Punkt angekommen zu sein. Vor allem auch, wenn man bedenkt, wer dereinst noch mittun könnte: Klose, Stocker, oder aber die verletzten Luca Zuffi oder Taulant Xhaka. «Ich will noch keine grossen Töne spucken», sagt denn auch Frei. «Aber gerade Timm und Pajtim werden uns direkt weiterhelfen. Und Jorge ist in meinen Augen eine Granate, ein genialer Spieler.» Es beflügele zu sehen, wie es vorwärts gehe, so Frei.

Wie weit vorwärts es effektiv geht, wird zu sehen sein. Und wie gut der FCB nach fast einem Monat Pause auf den Drei-Tage-Rhythmus reagiert. Am Mittwoch geht es auswärts gegen Zürich. Wirklich viel weiss man nicht von diesem FCB. Er bleibt auch nach diesem ersten Post-Quarantäne-Erfolg schwer greifbar. Aber: wer sich durch so eine Pause nicht aus dem Tritt bringen lässt, dem kann man durchaus so Einiges zutrauen.

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