«Weniger ist mehr», sagt Urs Fischer. Vor allem in solchen Phasen. Phasen, in denen sein Stürmer das Tor nicht trifft. Partout nicht. Und das, obwohl er die meiste Einsatzzeit im Vergleich mit seinen direkten Konkurrenten erhält. Die Rede ist von Andraz Sporar. Im Januar 2016 zum FC Basel gewechselt, wartet der Slowene noch immer darauf, sein erstes Pflichtspieltor im rotblauen Dress bejubeln zu können.

Zuerst war er lange verletzt (Sehnenriss im Fuss), kaum genesen rissen Muskelfasern, die Grippe erwischte ihn auch. Aber seit dem Jahreswechsel hat Sporar – trotz erneutem Grippeausfall – in sieben Spielen viermal in der Startelf gestanden, einmal wurde er eingewechselt. Getroffen aber hat er nie. Wohl auch deshalb wurde er nicht für die Nationalmannschaft aufgeboten. Aber vielleicht war das gar nicht so schlecht.

Sporar fiel verletzungsbedingt für längere Zeit aus.

Sporar fiel verletzungsbedingt für längere Zeit aus.

«Er hatte einen guten Rhythmus von den Spielen her, aber die drei freien Tage, die er mit der Familie hat verbringen können, haben ihm sicher auch gutgetan und er konnte mal etwas runterfahren. Also denke ich, hat das auch von seiner Seite her gepasst», sagt FCB-Trainer Fischer.

In den reduzierten Trainingseinheiten während der Nati-Pause habe sein Spieler einen guten Eindruck gemacht. Und: Er hat Tore erzielt, was ihm im Wettkampf bisher nicht gelang. «Im Training gehen sie rein wie verrückt. Da erzielt er die schönsten Tore und zeigt immer wieder, welche Qualitäten er hat.»

Wie einst in Slowenien

Auch deshalb mache man sich keine Sorgen. Die würde Fischer sich erst machen, wenn Sporar nicht in Abschlusssituationen käme. Aber in die kommt er. Mehrmals. «Jetzt muss das nötige Abschlussglück auf seine Seite kommen, er positiv bleiben und der Ball nur noch über die Linie gehen.» Das nötige Selbstvertrauen dazu, dessen ist sich Fischer sicher, fehle Sporar nicht.

Torflaute hin oder her. Die ist für Fischer und seinen Staff sowieso kein Problem. «Das wird mehr von aussen als solches gesehen. Bei uns war es nie ein Thema.» Aber, so Fischer weiter: «Er weiss auch, dass man sagt, Stürmer werden an Toren gemessen. Und dann hat er einen Marc Janko und einen Seydou Doumbia im Team, die beide schon über zehn Tore erzielt haben. Wir aber gehen anders damit um.»

Bei Urs Fischer zählen nicht nur Tore, sondern auch das Verhalten auf und neben dem Platz.

Bei Urs Fischer zählen nicht nur Tore, sondern auch das Verhalten auf und neben dem Platz.

Anders darum, weil Fischer klarstellt: «Bei uns werden Stürmer eben nicht nur an Toren gemessen. Für uns ist neben den Toren auch wichtig, wie er sich auf dem Platz verhält und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Was er macht, wenn er in die Tiefe geht und Räume für seine Kollegen aufreisst, die dann wiederum davon profitieren, das gehört auch dazu und ist genauso wichtig.»

Beste Leistung - trotz verpassten Chancen

Das macht Sporar unbestritten mit enormen Qualitäten und Aufopferungsbereitschaft. Das zeigt auch der fast schon paradoxe Fakt, dass er im letzten Spiel vor der Nati-Pause, jenem gegen GC, eine seiner besten Leistungen ablieferte – und das, obwohl er vier Grosschancen versemmelte.

Wie er aber sonst Räume aufriss, Bälle halten konnte und dribbelte, das war stark. Solche Dinge würden ihn auch glücklich machen, sagte er vor Monatsfrist in einem Interview mit der «Basler Zeitung», aber im Normalfall gehöre eben ein Tor zu einem guten Spiel eines Stürmers dazu.

Vertrauen spüren lassen

Dass er weiss, wie sich dieser Normalzustand anfühlt, zeigt seine Quote bei seiner letzten Station, Olimpija Ljubljana: 17 Tore in 18 Spielen, dazu fünf Vorlagen. Statistiken, von denen der 23-Jährige momentan nur träumen kann. Sein momentaner Normalzustand ist nun einmal anderer. Einer, der ihn stört.

Fischer: "Wichtig ist, dass er das Vertrauen spürt."

Fischer: "Wichtig ist, dass er das Vertrauen spürt."

Fischer: «Das merkt man ihm schon an. Hoffentlich auch. Denn das zeigt, dass er sich dagegen wehrt und er nicht einverstanden ist mit seiner Situation.» Diese müsse man aber ohnehin differenziert anschauen. Zum einen, weil man nicht vergessen dürfe, dass Sporar kurz nach seiner Ankunft beim FCB lange verletzt war. Und zum anderen, weil es für Sporar die erste Station im Ausland ist. Und dann erst noch bei einem grossen Verein, so Fischer.

Mittlerweile aber ist Sporar topfit, seit eineinhalb Jahren da – doch der persönliche Erfolg fehlt noch immer. «Wichtig ist im Moment, dass er das Vertrauen spürt», sagt Fischer. Ansonsten ist klar: Weniger ist mehr. Weniger sagen, weniger darauf aufmerksam machen und weniger Abschlüsse trainieren. Von allem so wenig wie möglich. Ausser bei den Toren. Dort dürften es endlich mehr werden.