Er wird am Sonntagabend in der Schweiz eintreffen. Er ist der neue Hoffnungsträger und soll mithelfen, dass die Niederlagen-Serie der „Wings“ (momentan neun an der Zahl) ein Ende findet. Und wer Insider und Kenner der internationalen Basket-Szene ist, stellt er­staunt fest, dass mit Antonio Hester (27, 198cm) ein Mann in Birsfelden spielen wird, der einst in stärkeren Ligen für Furore sorgte und vor einer ganz grossen Karriere stand.

Hester wurde in Miami geboren, ist „nur“ knapp zwei Meter gross, ist aber dennoch ein In­side-Spieler, der unter den Brettern seine Vorzüge hat und als reboundstark gilt. Seine ers­ten Duftmarken setzte er in Südamerika, genauer in Peru, ab, als er beim Real Club de Lima zur Attraktion avancierte. Sicher, Peru ist kein grosses Basket-Land, aber seine Zah­len waren beeindruckend und der „königliche Verein“ aus der peruanischen Hauptstadt das Nonplusultra in diesem Anden-Land.

In Katalonien ein „Star“

In der Saison 2014/15 heuerte Hester beim CB Tarragona an. Die Katalanen spielen in der LEB Silber, das ist die 2. Division B. Aber das Niveau ist höher als in der Nationalliga A; ei­nige Schweizer Nationalspieler haben sich in dieser Liga versucht und erhielten eine mar­ginale Spielzeit – oder wurden wieder nach Hause geschickt. Hester, ein „Hispanic“ mit gu­ten spanischen Sprachkenntnissen, avancierte umgehend zum Leistungsträger und Publikumsliebling.

14 Punkte und acht Rebounds pro Match, ver­bunden mit der höchsten Eva­luation aller Akteure, machten ihn zum „Star“, der das Publi­kum (weit über 1500 Zuschau­er pro Partie) entzückte. Und als er Tarragona zum Gewinn der katalanischen Liga (gegen höherklassierte Teams; ausgenommen jene der 1. Division wie Barcelona, Joventut Bada­lona, Andorra und Manresa) führte, zögerten die Klubverantwortli­chen keine Sekunde, ihm eine lukrative Vertragsverlängerung zu offerieren.

Lukrative Offerte abgelehnt

Doch Hester lehnte ab – und bekräftige gegenüber „Tarragona Radio“ am 30. Juni 2015, dass „ich meine Lauf­bahn in den USA fortsetzen möchte“. Im Hinterkopf hatte er weiterhin die NBA. Er spielte aber nur für das Profiteam der Miami Midnites (das Farmteam der Mia­mi Heat) in der D-League, was eine Vorstufe zur glamourösen und millionenschweren NBA ist. Glaubt man Berichten von Scouts, so fehlten Antonio Hester „primär ein paar Zen­timeter, um in der NBA zu triumphieren“.

Ab auf die Insel...

So wechselte Antonio Hester im Sommer 2016 nach Europa – und wurde in Island erneut eine Art „Volksheld“. Im Gegensatz zu den allermeisten seiner Berufskollegen, welche pro Saison in zwei oder drei Ländern spielten (und auf steter Wanderschaft sind), spielt(e) Hester zwei Spielzeiten lang für Tindastoll Sauðárkrókur (der Topklub in Island) – die is­ländische Meisterschaft ist in etwa so stark wie die Schweizer Nationalliga A. 21 Punkte pro Spiel und neun Rebounds sind vielversprechende Zahlen – und dass der sprungge­waltige Center heuer, im Jahr 2018, zum besten Spieler, der jemals in Island gespielt hat, gewählt wurde, zeigt, dass Hester viel verspricht.

Die „Wings“, welche seit Mittwoch neu von Pascal Donati geführt werden, brauchen einen Mann, der vieles kann. Er muss punkten, verteidigen, rebounden und seine Mitspieler, die seit Wochen gar lethargisch wirkten, mitreissen können. „Die Mannschaft hat sehr gut trai­niert, ich spüre, dass sie gewillt ist, die Kehrtwende zu schaffen“, so Donati im Vorfeld der Partie gegen Boncourt, in welcher die Starwings krasser Aussenseiter sind, da mit Cal­houn, Hollimon (beide zurück in die USA) und U20-Nationalspieler Luca Streich das Kader arg dezimiert ist.

Debüt gegen das „grande Lugano“?

Möglich aber, dass Hester bereits in einer Woche, wenn der Hauptsponsor freien Eintritt zum Match gegen den BC Lugano gewährt, mit von der Partie sein wird. Die Hoffnungen gehen dahingehend, dass dem Basket-Kombinat aus Birsfelden just gegen das „grande Lugano“ der Umschwung gelingt.