Der Prattler Schwergewichtsboxer Arnold Gjergjaj wird die Antwort am Samstag erhalten – oder bestenfalls – geben, wenn er sich in der Londoner O2-Arena mit David Haye misst. Für ihn in vielerlei Hinsicht absolutes Neuland.

Als Fallobst, Flasche, chancenloser Nobody oder gnädiger als Aussenseiter und Aufbaugegner wird Gjergjaj in der glamourösen Welt seines Promi-Gegners wahrgenommen. In der Tat hat der 31-jährige Schweizer mit kosovarischen Wurzeln in seiner Karriere noch nie gegen einen nur annähernd so starken Kontrahenten im Ring gestanden.

Profiboxer Arnold Gjergjaj vor seinem grössten Kampf

«Einen solchen Gegner habe ich mir immer gewünscht»: Profiboxer Arnold Gjergjaj vor seinem grössten Kampf.

Wird es am Samstagabend um 23 Uhr (live ab 22.40 Uhr im SRF) also zu einer kurzen, einseitigen Angelegenheit? So kurz wie beim Comeback-Kampf von Haye im Januar, als er den Australier Mark de Mori nach 131 Sekunden ins Reich der Träume prügelte. Und de Mori ist in der Weltrangliste deutlich vor Gjergjaj klassiert.

Auf der anderen Seite stehen der Kampfrekord der «Kobra» und die Zuversicht im Lager Arnold Gjergjaj/Angelo Gallina. Der Prattler hat den Boxring noch nie als Verlierer verlassen. «Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich Haye K.o. schlage, aber ich werde auch in London gewinnen», sagt Gjergjaj. Trainer Gallina ist zwei Tage vor dem Showdown selbstredend ebenfalls von einem Erfolg seines Schützlings überzeugt: «Er wird jeden Tag noch etwas spritziger, das Timing für den Kampf geht voll und ganz auf.»

Dies nach der härtesten und längsten Vorbereitung in der achtjährigen Profikarriere von Arnold Gjergjaj mit über 150 Sparringrunden gegen hochklassige Gegner. «Wir haben teilweise die gleichen Boxer einfliegen lassen, gegen die sich auch Wladimir Klitschko auf seine Kämpfe einstimmt», verrät Gjergjaj, «alles verlief perfekt. Ich habe im Training alles dafür gemacht, um den Ring am Samstag als Sieger zu verlassen.» Am Donnerstagnachmittag gönnte man sich in London die einzige kleine Abwechslung und schaute sich den Buckingham Palace aus nächster Nähe an.

So trainiert Profiboxer Arnold Gjergjaj

So trainiert Profiboxer Arnold Gjergjaj



Gjergjaj steigt bei den Buchmachern als 1:13-Aussenseiter in den Ring. Sein Bruder Anton wettet trotzdem mit Überzeugung auf ihn. Etwas Angst macht ihm nur die erste Runde. Arnold könne die Gegner sehr gut analysieren, doch er brauche dafür jeweils ein wenig Zeit. Zeit, die ihm David Haye unter Umständen nicht gibt. «Doch wenn Arnold erstmals trifft, bin ich erleichtert. Und sein Gegner wird erschrecken, wie hart er zuschlägt», sagt Anton.
«Hayeday»: So wärmt sich David Haye für den 21. Mai auf

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Ans Geld – Gjergjaj erhält für seinen Auftritt in London erstmals in seiner Karriere eine Gage im tiefen sechsstelligen Bereich – denkt die «Kobra» nicht, wenn er in Richtung Ring schreitet. Auch die heissblütigen Fans, die mehrheitlich seinen Kontrahenten unterstützen, will er ausblenden. «All das muss mich nicht interessieren, muss ich nicht mit in den Ring nehmen», so der 197 cm grosse Baselbieter, der total fokussiert wirkt: «Ich kanns kaum erwarten, gegen Haye zu boxen.»

Und wie sein Gegenüber, der bereits von den nächsten Duellen gegen den US-Amerikaner Shannon Briggs und Landsmann Anthony Joshua spricht, blickt auch Gjergjaj nach vorne: «Ich hoffe, dass ich nach dem Duell mit Haye die Chance auf einen WM-Kampf erhalten werde.» Nur einer der beiden wird weiterträumen.