Schwimmen

Auch amerikanische Augen sind auf ihn gerichtet

Schweizer Rekord und EM-Limite: Yannick Käser steigt nach dem SM-Final über 200 Meter Brust triumphierend aus dem Ustermer Becken. Foto: Keystone

Schweizer Rekord und EM-Limite: Yannick Käser steigt nach dem SM-Final über 200 Meter Brust triumphierend aus dem Ustermer Becken. Foto: Keystone

Mit einem Schweizer Rekord im Gepäck reist Yannick Käser nach Polen zu seiner zweiten Kurzbahn-EM.

Vor den Schweizer Meisterschaften zweifelte Brustschwimmer Yannick Käser noch an seiner Form. Er sagte, dass sein Trainingspartner Kilian Bossard in allen Vorbereitungswettkämpfen etwas schneller gewesen wäre und er sich nicht sicher wäre, ob dieser von dem gemeinsamen Training nicht vielleicht mehr profitiere. Nach dem Vorlauf über 200 Meter Brust quasi die Bestätigung: Bossard Erster, Käser mit zwei Sekunden Rückstand nur Dritter.

Am Nachmittag dann aber die eindrückliche Antwort. Nach drei Vierteln der Rennstrecke sind die zwei Schwimmer Kopf an Kopf, Käser steigert nochmals die Kadenz und zieht der Konkurrenz unwiderstehlich davon. Bestzeit, Schweizer Rekord, EM-Limite. «Ich war selbst überrascht», gibt der Mumpfer mit etwas Abstand selbst zu. Über 50 und 100 Meter gewinnt Käser jeweils Bronze. Über jede Strecke mit persönlicher Bestzeit. Die Form stimmt. Die Verschiebung des Trainingsstandorts von Basel nach Oerlikon, zu den Limmat Sharks auf die lange Bahn hat sich gelohnt.

«Der Druck vor der SM war höher»

Jetzt steht für den 19-Jährigen, der seine Lizenz weiter beim SV beider Basel hat, die zweite EM-Teilnahme nach der Premiere in Eindhoven vor einem Jahr an. «Ich bin nicht mehr gleich nervös. Der Druck vor der SM war höher. Jetzt geht es darum, die guten Zeiten zu bestätigen. Dies wird aber schwierig, weil es über 200 Meter keine Halbfinals gibt. Das heisst, ich werde wohl nur am Morgen schwimmen», sagt Käser. Ausserdem steht Käsers Paradestrecke erst am letzten Wettkampftag auf dem Programm.

Trotzdem zeigt sich der Fricktaler zuversichtlich. Die Leistung an der SM sei bestimmt noch nicht das Maximum gewesen. Zudem sei die EM auf der kurzen Bahn nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur EM auf der langen Bahn und der nun wieder etwas näher gerückten Qualifikation für London 2012. Es gilt, sich im internationalen Gewässer zu behaupten.

Dabei werden ab Donnerstag nicht nur europäische Augen seine Rennen verfolgen. «Ich habe verschiedene US-Universitäten angeschrieben, weil ich nächsten Herbst ein Studium beginnen will», sagt der ehemalige Sportgymnasiast. Letzte Woche hätte er noch einen Eignungstest machen müssen, jetzt würde ein Verantwortlicher der Berkeley-Universität an die EM reisen. Da das Studium in den USA sehr teuer ist, hofft Käser auf ein möglichst gutes Sportlerstipendium.

Die Schweiz reist mit einer Grossdelegation an die Kurzbahn-EM im polnischen Stettin. 24 Athleten umfasst die Gruppe. Die Limiten wurden vom Verband absichtlich etwas gelockert, um mit möglichst vielen Schwimmern anreisen zu können.

Eine Europameisterschaft, die keine grosse Reise verlangt und vor Ort nicht zu teuer ist, bietet einen idealen Einstieg ins internationale Geschehen. Käser denkt, dass durch die grosse Gruppe eine tolle Dynamik aufkommen wird, und freut sich auf die Abschlussfeier. «Im letzten Jahr musste ich als Aufnahmeprüfung zwei Stunden mit Hasenohren durch die Gegend laufen. Jetzt sind andere an der Reihe.»

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