Basketball NLA
Auch das «Grande Lugano» wird von den Starwings aus Basel entzaubert

Die Starwings gewinnen in Lugano sensationell mit 64:58 (33:28). Das Birstaler Basketball-Kombinat verblüffte am Ostersamstag in der Südschweiz. Beim einstigen Serienmeister Lugano kamen die Unterbaselbieter zu einem uner­warteten, jedoch hochverdienten Erfolg – dem dritten Triumph im vierten Match der 3. Runde.

Georges Küng
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Joel Fuchs war gegen Lugano ausserordentlich erfolgreich.
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Starwings, 15.04.16
Sein Vater kommt aus Lugano, brillierte er deshalb genau in diesem Spiel?
Joel Fuchs war der beste Skorer.
Verga konnte die Gegner ausspielen und hatte sehr gute statistische Werte.

Joel Fuchs war gegen Lugano ausserordentlich erfolgreich.

Georges Küng

Es gab jene dunkle Periode im Februar bis Mitte März, als die Starwings beim Schlusslicht Winterthur und zuhause gegen den Tabellenvorletzten SAM Massagno nicht nur verloren, sondern teilweise vorgeführt werden.

Doch das gehört – hoffentlich – der Vergangenheit an. Denn was die Equipe von Cheftrainer Roland Pavloski momentan bietet, ist allerfeinste Basket-Kost. Würde man nur eine Tabelle dieser 3. (einfachen) Runde erstellen, so würde diese ... von den Starwings (vor Monthey und Fribourg) angeführt!

Sicher, seit der Sicherung der Playoffs weiss man, dass die „Wings“ auf Platz 6 bleiben werden. Die fünf Matches dieser einfachen Runde gegen die Landesgrössen aus Fribourg, Monthey, Lugano, Genf und Neuchâtel sind beste Vorbereitung auf die Ende April begin­nenden Playoffs, werden an der Platzierung der Baselbieter nichts ändern.

Bereits der Auftakt, mit dem feinen Auswärtserfolg in Neuenburg, glückte den Starwings. Höhepunkt war der epische Triumph vor zwei Wochen zuhause gegen Fribourg Olympic, nachdem der Meister, Leader und designierte Champion einen 19-Punkte-Rückstand ver­spielte und in einer Tollhaus-Atmosphäre gebodigt wurde.

Und nun gelang in Lugano ein Erfolg, der nicht hoch genug eingestuft werden kann. Die Südschweizer sind nicht mehr je­nes unantastbare „Grande Lugano“, das einst sogar Europa erobern wollte. Aber sie ha­ben weiterhin ein ausländisches Profi-Sextett (da Derek Stockalper, ein US-Schweizer, und der Senegalese Jules Aw als Schweizer gelten), das zumindest individuell zum Bes­ten gehört, was die Basket-Schweiz zu bieten hat.

Fuchs und Verga brillierten

Aber die Birsfelder hatten am Samstagabend einen unverschämten Captain, der sechs von neuen Dreiern in den Korb setzte. Joël Fuchs bot eine Glanzpartie und war der beste Skorer. Und Alessandro Verga, dessen statistischer Wert noch besser als jener von Fuchs war, zeigte in seiner Wahlheimat (sein Vater ist Luganesi) eine Darbietung, wie man sie sich von ihm immer erhoffen würde.

Der ehemalige U20-Internationiale zeigte eine komplette Partie – sowohl in der Defensive wie auch in der Offensive. Darell Vinson war ge- wohnt das „Arbeitstier“ unter den Körben; Mister „Double-Double“ ärgerte sich, weil man ihm nur 14 Rebounds gutschrieb – eine Nachzählung ergab, dass es gegen 20 Abpraller waren, die sich der US-Center der Starwings pflückte.

Und dass Chris Jones etwas Besonderes darstellt, hat sich auch in Lugano längst umge­sprochen. Die Quintessenz der superben Auftritte des Starwings-Spielmachers war, dass dieser sozusagen konstant gedoppelt wurde.

Doch Jones ist klug genug, um nicht zu for­cieren, sondern seine Nebenleute einzusetzen, so dass primär Fuchs und Verga jenen Raum vorfanden, um erfolgreich abschliessen zu können.

Dreier und Dunking

Und weil die Unterbaselbieter unglaublich hart verteidigten und ein jeder dem anderen aushalf, kamen sie zu einem Erfolg, der 30 Sekunden vor der Endsirene – beim Stand von 58:59 – nicht feststand. Aber ein superber Dreier von Verga und ein brachialer Dunking von Björn Schoo (der 213 Zentimeter grosse Routinier war ein bärenstarker Back-up für den nicht allzu inspirierten Octavius Brown) führten zu einem Erfolg, der viel Lust auf die Playoffs macht.

Denn mit grösster Wahrscheinlichkeit werden sich Baselbieter und Tessi­ner dann erneut gegenüber stehen. Im Wissen, dass trotz des Erfolges die Favoritenrolle weiterhin beim «Grande Lugano» liegt.