Handball
Auf den RTV Basel wartet nach dem Aufstieg der nächste Kraftakt

Der RTV Basel präsentierte an einem Medientermin ein neues Gönner-Modell, aber noch keine neuen Spieler. Auch die Zukunft von Aufstiegstrainer Silvio Wernle ist noch offen.

Andreas Fretz
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Nach der Aufstiegsfeier beginnt für den RTV Basel nun die Arbeit hinter den Kulissen.

Nach der Aufstiegsfeier beginnt für den RTV Basel nun die Arbeit hinter den Kulissen.

Uwe Zinke

Der Satz fällt beinahe beiläufig. «Ja», sagt Florian Goepfert, «ich habe ein Angebot aus der NLA erhalten.» Hätte der 40-fache Nationalspieler und NLB-Topskorer dieses Angebot von Wacker Thun angenommen, hätte sein Satz alles Beiläufige verloren.

Hat er aber nicht. Der RTV Basel hatte den Vertrag mit Goepfert kurz vor dem Aufstieg um zwei Saisons verlängert; mit der Option, dass der ehemalige RTV-Junior nach einem Jahr aus dem Vertrag aussteigen kann.

Gestern nun sagte Goepfert: «Jetzt bin ich einfach froh, dass ich mit dem RTV Basel in der NLA spielen kann.» Alles richtig gemacht also. Goepfert betont aber auch, dass der RTV Basel die Zeit bis zum Saisonstart gut nutzen muss. Für die Spieler heisst das: «Wir müssen vor allem im physischen Bereich an uns arbeiten.»

Arbeit hinter den Kulissen

Nach der Aufstiegsfeier beginnt nun die Arbeit hinter den Kulissen. «In der NLA erwartet uns eine schwierige Saison», sagt Präsident Alex Ebi. Die Vergangenheit gibt ihm recht: Die letzten beiden Aufsteiger, der KTV Altdorf und der HSC Suhr Aarau, schafften den Ligaerhalt nicht. Für Ebi wäre es kein Weltuntergang, wenn den RTV das gleiche Schicksal ereilt. Dennoch setzt der Verein nun die Hebel in Bewegung, damit ihn dieses Schicksal nicht ereilen wird.

Für Ebi ist klar: «Wir wollen keine Ausländertruppe werden wie die Kadetten Schaffhausen.» Einerseits, weil der Verein auf regionale Kräfte setzen will. Schon jetzt spielen neun Eigengewächse für die Realturner. «Wir formen lieber aus ihnen bessere Spieler, als Ausländer zu kaufen», sagt Ebi.

Budgets der A-Ligisten 2014/15

Kadetten Schaffhausen: 2'000'000.-
HC Kriens-Luzern: 1'270'000.-
BSV Bern Muri: 1'150'000.-
Wacker Thun: 1'000'000.-
GC Amicitia Zürich: 850'000.-
HSC Suhr Aarau: 850'000.-
Lakers Stäfa: 420'000.-
TSV Fortitudo Gossau: 380'000.-
Pfadi Winterthur: keine Angaben
TSV St. Otmar St. Gallen: keine Angaben

Andererseits fehlt aber schlicht auch das Geld, um masslos Transfers zu tätigen. 200'000 Franken betrug das Budget in der zurückliegenden Saison, mindestens 300'000 soll es in der neuen Spielzeit betragen. Die Annäherung an die Budgets der anderen A-Ligisten ist ein Kraftakt.

Neue Einnahme-Quelle

Mit potenziellen neuen Sponsoren laufen schon seit Wochen Gespräche. Gestern wurde zudem eine neue Einnahme-Quelle präsentiert. Für 1879 Franken gibts für Unterstützungswillige die Mitgliedschaft bei «Membership – 1879» zu erstehen.

Als Gegenleistung erhält man Zugang zu einem Netzwerk von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesellschaft, Sport und Politik. Dazu zwei Saisonkarten und Einladungen an VIP-Anlässe und -Apéros. «Bis Ende Sommer möchten wir 60 Mitglieder gewinnen», sagt die Marketing-Verantwortliche Andrea Attenhofer. Und Ebi erwähnt als Beispiel den TSV St. Otmar St. Gallen. Auch dort gibt es eine solche Gönner-Vereinigung. Aus 300 Mitgliedern und 4000 Franken Jahresbeitrag generieren die Ostschweizer 1,2 Millionen Franken.

Neue Spieler konnte der RTV Basel gestern noch nicht präsentieren. Jedoch seien in diesen Tagen zahlreiche Testspieler «am Reinschauen», wie Ebi es formuliert. Bedarf hat man in erster Linie auf der Torhüter-Position. Pascal Stauber wird seine Karriere wegen eines Knorpelschadens im Knie beenden.

«Menschlich und emotional ist er nicht ersetzbar», sagt Ebi, «aber wir brauchen einen guten Goalie.» Auch im Rückraum, Linksaussen oder am Kreis wären Verstärkungen wünschenswert. Viele Änderungen wird es allerdings nicht geben, so der Eindruck.

Was passiert mit Trainer Wernle?

RTV-Flügel Ivan Golubovic wird aus beruflichen Gründen kürzertreten und dem Team bei Engpässen zur Verfügung stehen. Mit dem Deutschen Max Dannmeyer steht man vor einer (finanziellen) Einigung. Fraglich ist die Zukunft des körperlich angeschlagenen Mischa Hofstetters. Dasselbe gilt für den Schweden Max Falkman. Er wurde an der Schulter operiert und fällt vier Monate aus. Der Vertrag mit seinem Landsmann Dick Hylken wurde zeitgleich mit Goepfert verlängert. Ebenfalls noch nicht geklärt ist die Zukunft von Aufstiegstrainer Silvio Wernle.

Dafür gibt es im Vorstand Zuwachs. Andrea Attenhofer (Marketing/Events), Meinrad Stöcklin (Kommunikation) und Andreas Xavier de Sousa (Logistik) wurden an der gestrigen Generalversammlung in ihre Ämter gewählt.

Freudentanz der Mannschaft unmittelbar nach dem Abpfiff
9 Bilder
RTV Aufstieg, Stauber, RTV - Birsfelden
Regierungsrat Dr. Christoph Eymann (r.) überrascht Pascal Stauber mit einer Rede und einem kleinem Geschenk
Ex-Präsident der Swiss Olympic Association Jörg Schild (r.) mit einem kleinen Present für Pascal Stauber.
Pascal Stauber verabschiedet sich gewohnt emotional von seinen Fans
RTV 1879 Basel Mannschaftsbild mit Medaillle
Pascal Stauber im Penaltyduell mit Birsfeldens Adam Salamon (r.)
Die Sockenwahl von Basels Spielern und Staff dürfte wohl ein internes Geheimnis sein.
Basels Max Dannmeyer (l.) kann sich gegen Birsfeldens Lukas Märki durchsetzen.

Freudentanz der Mannschaft unmittelbar nach dem Abpfiff

Uwe Zinke