FC Basel
Auf den Spuren von alten Vorbildern

Vor der Rückrunde blicken der Trainer und der Präsident zurück und nach vorne. Da es dem FC Basel sehr gut geht, geht es auch seinen Vorgesetzten gut. Nach einem harzigen Einstieg, ist das Verhältnis von Trainer Sousa zu den Spielern besser den je.

Sebastian Wendel
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Zwei prägende Figuren des FC Basel, die gut lachen haben.

Zwei prägende Figuren des FC Basel, die gut lachen haben.

Keystone
- und Trainer Paulo Sousa.

- und Trainer Paulo Sousa.

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Die Zeiten, in denen Partizan Belgrad dem FC Basel als Vorbild diente, sind längst vorbei. 1966 waren die Serben Finalist im Landesmeisterpokal, mittlerweile sind sie in der Anonymität versunken. Ganz anders der FCB, der sportlich und finanziell im Zenit steht. Und doch orientiert sich Rot-Blau in dieser Saison an Partizan – wie an Celtic Glasgow, Spartak Moskau, Olympiakos Piräus, Steaua Bukarest, Fram Reykjavik (Island), Nikosia (Zypern), Timisoara (Rumänien), Belfast Celtic und am Linfield FC (beide Nordirland): Sie haben das Kunststück geschafft, sechs Meistertitel in Serie zu gewinnen. Eine Marke, die in dieser Saison auch Basel knacken will – und muss. Alles andere als die Titelverteidigung wäre mit diesem Kader eine Sensation.

Am Sonntag startet die Rückrunde mit dem Klassiker gegen GC. Bevor Paulo Sousa und seine Mannschaft gestern Vormittag den Feinschliff für die Partie im Letzigrund in Angriff nahmen, blickte der Portugiese gemeinsam mit Präsident Bernhard Heusler zurück auf die Winterpause und auf das, was den FCB in der zweiten Saisonhälfte erwartet.

Über die Abgänge Serey Die, Diaz, Sio, Aliji und Gonçalves:

Sousa: «Bei Serey Die hat sich einmal mehr gezeigt, dass der Klub über allem steht. Ich wünsche ihm alles Gute. Den Abgang von Marcelo Diaz bewerte ich als grossen Verlust. Er war ein wichtiger Spieler. Dass er nicht oft gespielt hat, lag daran, dass er spät von der WM zurückkam und in den ersten drei Champions-League-Spielen gesperrt war. Die anderen auf seiner Position haben ihre Sache gut gemacht. Giovanni Sio war nicht mehr glücklich – wir wollten ihm helfen und hoffen jetzt, dass er sich bei Bastia gut präsentiert. Naser (Aliji) und Michael (Gonçalves) sind zwei super Jungs und fantastische Arbeiter. Mir blutete das Herz, als ich ihnen erklärte, warum eine Ausleihe gut für sie ist. Ich bin sicher, sie haben eine grosse Zukunft vor sich.»

Heusler: «In diesem Jahr war der Januar davon geprägt, Lösungen für unzufriedene Spieler zu finden. Bei Serey Die und Diaz rechneten wir schon im Sommer damit, dass sie uns verlassen. Darum haben wir Luca Zuffi verpflichtet. Doch das passende Angebot kam nicht, was zeigte: Es ist nicht mehr so einfach, den FCB zu verlassen und sich zu verbessern. Wir mussten den beiden im Winter helfen, einen guten Klub zu finden. Im Nachhinein war das grosse Kader in der Vorrunde ein Glücksfall, aber es war an der oberen Grenze. Längerfristig ist es nicht realistisch, jede Position mit zwei Nationalspielern zu besetzen.»

Über das Meisterrennen

Sousa: «Hinter uns liegt eine fantastische Vorrunde, die Vorbereitung hätte nicht besser laufen können, die Stimmung in der Kabine ist hervorragend. Jetzt liegt es an uns, die Leistungen zu bestätigen. Das Ziel bleibt, jedes Spiel gewinnen zu wollen – dann wären wir Meister. Mit GC erwartet uns am Sonntag ein hoch motivierter Gegner mit einem neuen Trainer. Wir wissen zwar genau, was Pierluigi Tami taktisch vorhat. Aber der Effekt eines Trainerwechsels setzt zusätzliche Kräfte frei. Tami hat zudem den Vorteil, dass er viele unserer Spieler von der U21-Nati kennt.»

Heusler: «2013 war die Ausgangslage anders – da haben wir gewusst: Verlieren wir das erste Spiel, brennt der Baum. In diesem Jahr ist alles ruhiger: Es ist der Verdienst des Trainers und der Mannschaft, dass ich in der Vorbereitung nie schlichtend eingreifen musste. Ich spüre einen Mix aus Freude und Konzentration – so wie 2012, als wir ebenfalls mit grossem Vorsprung und den Champions-League-Achtelfinals vor Augen in die Rückrunde starteten. Trotzdem: Die acht Punkte auf den FCZ und YB sind für mich nicht vorhanden. Beide haben in der Pause alles dafür unternommen, uns zu ärgern. Langeweile? Das kann es für mich als Präsident nicht geben. Solange nichts entschieden ist, bin ich vor jedem Spiel gleich nervös. Aber zugegeben: Wir müssten einige Fehler machen, sollten wir in der Liga noch eingeholt werden.»

Über die Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Porto:

Sousa: «Seit einigen Wochen beobachten wir sie, ich selber war am vergangenen Sonntag in Porto. Die Mannschaft ist in der Offensive sehr gut organisiert. Das spezielle an dieser Affiche ist für mich nicht, dass Porto ein Klub aus meiner Heimat ist. Sondern dass wir uns mit ihnen auf diesem Level messen dürfen. In diesen Spielen können wir alle lernen, wie bei einem Klub dieser Grösse gearbeitet wird.

Heusler: «Die Sicherheit, dass uns mit den Porto-Spielen zwei finanzielle und sportliche Highlights erwarten, tut gut. 29 000 Tickets sind verkauft – trotz der bevorstehenden Fasnacht. Das freut uns sehr. Als Präsident hat aber immer das nationale Geschäft Priorität. Nur wenn wir Meister werden, qualifizieren wir uns für die Champions League. Wir wissen zwar, dass wir unser Budget nur mit internationalen Einnahmen – Uefa-Prämien und Transfersummen – stemmen können. Doch liegt das Geheimnis für die internationalen Erfolge vielleicht darin, dass wir immer demütig bleiben. Die Erwartungen in Basel sind per se schon riesig – da wäre es falsch, sie als Präsident zusätzlich zu scheuern.»