Fussball
Auf zur «unechten» Finalissima

Gewinnt der FC Basel heute Abend gegen den FC Luzern, ist er Meister. Die Basler sind zuversichtlich: Wichtig sei der Glaube an die eigene Stärke, vor allem dann, wenn man lange kein Tor schiesst, sagt FCB-Trainer Thorsten Fink.

Fabian Kern
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Es gibt in der Schweiz keine erfahrenere Mannschaft im Umgang mit entscheidenden Spielen als den FC Basel. Deshalb erstaunt es nicht, dass die Protagonisten keinerlei Nervosität erkennen lassen. Das wichtigste Attribut sei der Glaube an die eigene Stärke, vor allem, wenn man lange kein Tor schiesst, sagt Thorsten Fink: «Wir wissen, dass wir ein Spiel auch in ein, zwei Minuten drehen können. Wenn man das mehrmals tut, dann ist das eine Qualität.»

Er weist darauf hin, er habe immer gesagt, die Meisterschaft werde erst am letzten Spieltag entschieden. Worin er sich mit FCZ-Trainer Urs Fischer immer einig war. Seiner Mannschaft spricht Fink schon jetzt ein Kompliment für die gute Saison aus, will dieser aber nun das Sahnehäubchen aufsetzen. «Mit diesem einen Spiel können wir nun das gewinnen, wofür wir ein Jahr lang gekämpft haben», so der Deutsche.

In den letzten fünf Jahren wurde die Schweizer Meisterschaft viermal erst in der letzten Runde entschieden. Nur gerade 2009 wurde der FC Zürich bereits in der zweitletzten Runde Meister, während sich der FCB zum Ende der Ära Christian Gross gar mit Rang drei bescheiden musste. Wir blicken zurück.

13. Mai 2006: FCB - FCZ 1:2

Dem FCB würde ein Unentschieden zur Titelverteidigung genügen. Den Rückstand durch Alhassane Keita egalisiert Mladen Petric in der 71. Minute. In der Nachspielzeit bestraft Iulian Filipescu die passiven Basler, die sich bereits auf dem Barfüsserplatz wähnen, mit seinem berühmten 1:2. Danach folgt die «Schande von Basel».

24. Mai 2007: FCB - YB 2:0

Der FC Zürich liegt vor der Schlussrunde einen Punkt vor dem FC Basel, der in der Rückrunde gewaltig aufgeholt hat. Der FCB macht mit zwei schnellen Toren von Mile Sterjovski und Eduardo gegen die Young Boys seine Hausaufgaben, hofft aber vergebens auf die Schützenhilfe der Grasshoppers im Zürcher Derby. Der FCZ gewinnt 2:0 und wird zum zweiten Mal in Serie Meister, einen Punkt vor Basel.

10. Mai 2008: FCB - YB 2:0

Die zweite «echte» Finalissima. Die Young Boys, nur einen Punkt hinter dem FCB, können mit einem Sieg Meister werden. Doch die Berner, unter der Führung von Hakan Yakin, bleiben chancenlos. Valentin Stocker und Marco Streller holen mit ihren Toren den Meisterpokal zurück ans Rheinknie.

16. Mai 2010: YB - FCB 0:2

Zwei Jahre später wieder die gleiche Affiche, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Die Basler haben mit einer beeindruckenden Aufholjagd zwischenzeitliche 13 Punkte Rückstand auf die Berner mit ihrem Wunderstürmer Seydou Doumbia wettgemacht. Punktgleich treffen die beiden Teams in der letzten Runde aufeinander. Der FCB zeigt sich abgebrüht und souverän. Der Sieg durch die Treffer von Valentin Stocker und Scott Chipperfield ist nie in Gefahr - der erste Meistertitel unter Trainer Thorsten Fink.

25. Mail 2010: FCB - FC Luzern

Mit einem Sieg ist der FC Basel heute Abend Meister. Falls der FC Zürich gegen Thun unentschieden spielt oder verliert, reicht dem FCB auch ein Unentschieden. Aber der Meister tut gut daran, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, denn Rechnereien können erfahrungsgemäss in die Hosen gehen. Und Fink möchte heute Abend schliesslich sein Lieblingslied hören: «Glaubet nit an Geischter...»