Schach
Aufmarsch der Superhirne: Das Basler Schachfestival geht in die 14. Runde

Das Hotel Hilton strotzt ab morgen wieder vor Intelligenzbestien. Am drittgrössten Schachturnier der Schweiz messen sich die besten Spieler aus aller Herren Ländern - Favoriten sind Maxime Vachier-Lagrave (Nr. 31 der Welt) und Boris Grachev (60).

Olivier Winistörfer
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Turnierfavorit Boris Grachev.

Turnierfavorit Boris Grachev.

Zinke

«Weiss zieht zuerst und dann wird gespielt» heisst es ab morgen wieder im Basler Hilton Hotel. «Wir konnten uns auf dieses Jahr hin quantitativ und qualitativ verbessern Es nehmen nicht weniger als 88 Meister und 96 Amateure teil. Darunter haben wir mit Boris Grachev den Titelverteidiger vom letzten Jahr und mit Maxime Vachier-Lagrave sogar einen noch höher gesetzten Spieler», freut sich OK-Präsident Peter Erismann.

Das drittgrösste Schachturnier der Schweiz geniesst europaweit eine gute Reputation, sodass von Frankreich bis Russland Schachspieler nach Basel reisen um sich zu messen. Sogar Spieler aus Armenien und Iran sind dabei. «Wir haben in Basel eine sehr gute Schachkultur. Solche Events braucht es um das Niveau zu erhalten und zu erhöhen», erklärt Erismann.

Vor allem der Name Boris Grachev wird manchem noch in Erinnerung sein, denn der 26-jährige Russe holte sich neben dem Turniersieg auch noch in einem Simultan Wettbewerb (gleichzeitig laufende Partien, bei denen ein Spieler gegen mehrere Gegner antritt) 24 Siege und zwei Remis aus 26 Begegnungen. Die Nummer 60 der Welt aus Moskau war durch niemanden zu schlagen. Auf den Russen wartet aber mit Maxime Vachier-Lagrave ein starker Gegner. Der 20-jährige Franzose befindet sich momentan auf dem 31. Platz im Weltranking.

Doch was macht Schach aus? «Schach ist nicht ein Sport der Muskeln, aber der Konzentration. Ein Schachturnier auf den höchsten Stufen ist Leistungssport. So verliert ein Schachspieler während eines Turniers deutlich an Gewicht durch die Anstrengung. Mit dem Leistungspeak bei etwa 25 Jahren hat Schach sogar eine tiefere Grenze als andere Sportarten», erläutert Erismann.

Und der Basler Personalleiter des Bau- und Verkehrsdepartement muss wissen, wovon er spricht, denn er coachte die Schweizer Nationalmannschaft: «Das Schachspiel ist die beste Denkschule die man durchlaufen kann. Während man beim Fussball wegen einem Fehler noch nichts verloren hat, ist die Partie beim Schach schon durch eine kleine Unachtsamkeit vorbei.» Auch das Klischee des alten, rauchenden Mannes, der Schach auf höchstem Niveau spiele, sei endgültig Geschichte, wie Erismann meint: «Der Spitzenschachspieler ist in der Regel ein junger Mann, der ein ausgeprägtes, analytisches Denk-, Vorstellungsvermögen und einen enormen Kampfgeist vorweist.»

Es waren die grossen Kämpfe der Vergangenheit: Bobby Fischer gegen Boris Spasski, USA gegen die Sowjetunion, Kapitalismus gegen Kommunismus. Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, welche viel in die Förderung des Schachs investierte, verlor das Schach seinen Stellenwert in diesen politischen Kämpfen und somit auch etwas am allgemeinen Interesse. «Schach ist heute apolitisch und neben Fussball der weitverbreitetste Sport der Welt. Der Sport mit den Figuren hat in den letzten Jahren einen extremen Wandel durchlebt. So finden heute schon Weltmeisterschaften in der Kategorie U10 statt und durch neue technische Hilfsmittel wird alles viel schneller», wie Erismann abschliesst.