Volleyball
Aus dem Abstiegs- wird ein Aufstiegs-Gespenst: Therwil ist im Höhenflug

Die Frauen vom VB Therwil sind souveräner NLB-Leader und stehen im Cup-Viertelfinale. Anders als viele andere Klubs, setzt man im Laufental seit Jahren ausschliesslich auf Eigengewächse. Eine Philosophie, die sich mehr und mehr auszahlt.

Paul Ulli
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Therwils Sophia Littlejohn (am Ball) behält den Überblick. Nars

Therwils Sophia Littlejohn (am Ball) behält den Überblick. Nars

Kenneth Nars

Jahrelang kämpften die Volleyballerinnen von VB Therwil in der Nationalliga B gegen den Abstieg in die 1. Liga. Manchmal gelang dieses Vorhaben, das eine oder andere mal aber auch nicht. Doch die Verantwortlichen des sympathischen Dorfklubs liessen sich nicht unterkriegen. Sie setzten weiterhin, ganz im Gegensatz zu vielen gegnerischen Vereinen, voll auf den eigenen Nachwuchs. Fast alle heutigen Spielerinnen kommen aus den eigenen Junioren, bei welchen mit Sue Moser (U15) und Christoph Markwalder (U17) topausgebildete Übungsleiter engagiert sind.

Surikova als Glücksgriff

Und diese Beharrlichkeit zahlt sich jetzt aus: «Mit der Verpflichtung der einstigen Weltklassespielerin und auch als Nationalliga A-Trainerin sehr erfolgreichen Jana Surikova haben wir einen absoluten Glücksgriff getan. Headcoach und Team verstanden sich auf Anhieb.» Der verdiente Lohn sei die Tabellenspitze in der NLB-Westgruppe mit acht und mehr Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz, sagt ein sehr zufriedener Markwalder, so etwas wie der Mister Volleyball des familiär geführten Klubs aus dem Leimental.

Aufstieg ist kein Thema

Doch wer die Gegnerschaft, nur eine Niederlage in dreizehn Spielen, so dominiert, wird automatisch mit der Frage eines eventuellen Aufstiegs konfrontiert. Das weiss man natürlich auch in Therwil und hat deshalb innerhalb des Teams dieses schöne Problem abgeklärt: «Die Meinung ist eindeutig. Lieber ein gutes NLB-Team, als eine ohne Ausländerinnen und deshalb teuren Neuverpflichtungen chancenlosen Mannschaft in der höchsten Schweizer Liga. Zudem wäre der erhöhte Trainingsaufwand für die meisten Spielerinnen nicht zu bewältigen. Wir sind alles lupenreine Amateure», sagt Capitaine Andrina Nussbaumer.

Auch ohne Stammpersonal erfolgreich

Wie viel Potenzial tatsächlich in dieser sehr ausgeglichenen Mannschaft steckt, bewies VB Therwil auch am Samstagabend im Heimspiel gegen die Reserven von Neuchâtel UC. Ohne die kranke Stammpasseuse Michaela Vacilotto und die verletzten Sybille Lutz, Lena Dietrich, Caroline Häfeli und Topskorerin Manuela Burkhard, zeigten die übrig geblieben Spielerinnen eine formidable Leistung. Die erst 18-jährige Ersatz-Zuspielerin Sophia Littlejohn machte trotz grosser Anfangsnervosität einen Super-Job und wusste vor allem die an diesem Samstag beste Therwiler Punktesammlerin Rebekka Buser (21) immer wieder hervorragend in Szene zu setzen. Da auch Routinier Selina Pfiffner (30) über die Mitte und Tanja Lüdin (23) immer wieder punkteten, stand der klare Sieg, trotz einer kleinen Schwäche im dritten Satz, nie infrage.

Cupspiel im Mittelpunkt

Ab sofort aber steht der Saisonhöhepunkt vom nächsten Sonntag im Fokus. Dann treffen die Therwiler Überfliegerinnen in der 99-er Sporthalle auf den aktuellen NLA-Vierten Franches-Montagnes. Eine grosse Zuschauerkulisse bei freiem Eintritt und ein Tipp-Wettbewerb sollen dieses Spiel zu einem unvergesslichen Ereignis machen. Und wer weiss, wenn bei Therwil alles, aber auch wirklich alles stimmt und die Multi-Kulti-Truppe aus dem Jura patzt, stünde einer Volleyball-Sensation nichts mehr im Wege.