Wenigstens sieht man Eder Balanta jetzt wieder. Zwar trainiert der Kolumbianer immer noch allein, aber während der letzten Wochen war er nicht einmal in der Nähe des Teams. Dass er so lange ausfallen würde, damit hat beim FC Basel keiner gerechnet. Er verletzte sich am 10. Februar im zweiten Spiel des Jahres beim 2:0 gegen Thun.

Muskuläre Probleme hiess es da aus der medizinischen Abteilung der Basler. Dass er im Achtelfinal-Hinspiel gegen Manchester City ausfallen würde, das war klar. Doch schon vor dem nächsten Heimspiel gegen Lugano rechnete man wieder mit ihm. Er machte das Abschlusstraining und Trainer Raphael Wicky sagte, er werde sich in der Folge mit dem Spieler besprechen und dann entscheiden, ob er einsetzbar ist.

Basels Eder Balanta bringt den allein aufs Tor zusteuernden Tomi Juric zu Fall. Freshfocus

Basels Eder Balanta bringt den allein aufs Tor zusteuernden Tomi Juric zu Fall. Freshfocus

Balanta hat nicht gespielt. Nicht gegen Lugano und auch danach nicht mehr. Heute sagt Wicky: «Es kam für uns überraschend, dass es so lange dauert. Aber man muss immer vorsichtig sein mit Diagnosen. Wenn der Körper Signale gibt, wenn ein Spieler Schmerzen hat, dann muss man das ernst nehmen.» Die Worte von Raphael Wicky könnten auch von Werner Leuthard stammen. Beim FCB trägt er den Titel «Leiter Fitness».

Seine Aufgabe: Dafür sorgen, dass es beim FC Basel weniger Verletzte gibt, als das in der ersten Saison unter Urs Fischer der Fall war. Die Verpflichtung des einstigen Weggefährten von Felix Magath hat Früchte getragen. Die Zahl der Verletzten ging markant zurück. Seine Philosophie bringt der Bayer so auf den Punkt: «Es steht immer der Mensch im Mittelpunkt. Und wenn mir ein Spieler sagt, dass er etwas spürt, dann wird er nicht forciert und es wird diesem Umstand Rechnung getragen. Selbst wenn auf den Untersuchungsbildern allenfalls nichts zu sehen sein sollte.»

Wicky: «Seine Qualität fehlt»

Das war bei Balanta der Fall. Nicht nur dieses Jahr. Schon unter Urs Fischer verpasste er aufgrund eines Rückenleidens praktisch die komplette Rückrunde. Es wurde gemunkelt, dass nicht nur der Rücken zwickte, sondern auch mentale Probleme eine Rolle spielten. Balanta dementierte nicht, sagte letzten Sommer zur «Basler Zeitung»: «Es spielt keine Rolle, was ich dazu sage, wenn Dinge bereits rumerzählt werden. Dass es mir nicht nur gut geht, wenn ich nicht spielen kann, ist klar.» Im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» präzisierte er, dass ihm die Anpassung an die neuen Lebensumstände in der Schweiz nicht nur leicht gefallen sei. Zudem hatte er sich von seiner Freundin getrennt. Keine einfache Zeit.

Physio Nicolas Unternäher kontrolliert Eder Balantas Haltung beim Training.

Physio Nicolas Unternäher kontrolliert Eder Balantas Haltung beim Training.

Erneut verläuft für den kolumbianischen Nationalspieler der Start ins neue Jahr nicht wunschgemäss. Er fiel in einer entscheidenden Phase der Saison aus. «Seine Qualität fehlt», sagt Wicky. Und: «Eder ist ein brutal starker Innenverteidiger, einer der besten in der Schweiz.» Balanta hat dem FCB mit bärenstarken Leistungen im Herbst zum Höhenflug in der Königsklasse verholfen, brillierte mit seiner Zweikampfstärke, seinem Auge für den Ball in die Tiefe und einem unbändigen Willen.

Nach dem Abgang von Manuel Akanji im Winter hätte er eine noch wichtigere Rolle spielen sollen. Er war als Ersatz gedacht für den 20-Millionen-Mann, Léo Lacroix als Back-up. Aber Balanta verletzte sich und so musste Raphael Wicky das Team mehr umstellen, als ihm dies lieb war. Lacroix wurde ins kalte Wasser geschossen, ersetzte Balanta gegen Thun und musste dann, praktisch ohne Spielpraxis mit dem Team, gegen Manchester City von Beginn an ran.

Eder Balanta im Zweikampf beim CL-Auftritt gegen Machester United

  

Und so spielten mit Lacroix und Taulant Xhaka neben Abwehrchef und Captain Marek Suchy zwei Spieler in der Innenverteidigung, die dies in dieser Zusammenstellung noch nie machten. Der Rest ist Geschichte. Basel schlitterte nach und nach in die Krise. Und statt Xhaka spielte bald Fabian Frei in der Innenverteidigung. Vor allem wegen seiner Spielauslösung. Das Element fehlte in der Verteidigung nach dem Abgang von Akanji und dem Ausfall von Balanta.

Balanta sprintet wieder

All diese Umstellungen warfen den FCB zurück und so rutschten die Basler Spiel um Spiel in die Krise. Doch langsam scheint sich das Team in der neuen Zusammensetzung gefunden zu haben. Man gewann gegen Sion und spielte gegen YB das mit Abstand beste Meisterschaftsspiel 2018. Zwar blieb den Baslern ein Sieg verwehrt, aber immerhin gingen sie im Duell gegen den Leader nicht als Verlierer vom Platz. Die Tendenz stimmt optimistisch. So auch im Fall von Eder Balanta. Er verschwand in der Versenkung, doch jetzt ist er wieder da. Noch ist er nicht so weit, dass er wieder mit dem Team trainiert, aber er sprintet wieder, hüpft über Hindernisse, witzelt mit seinen Teamkollegen.

Gegen Lugano am Sonntag wird er mit Sicherheit noch nicht spielen, aber schon bald könnte es so weit sein. Trainer Raphael Wicky sagt: «Ich hoffe, dass uns Eder in der Schlussphase wieder zur Verfügung steht.» Denn obwohl die Meisterschaft für den FCB so gut wie gelaufen ist, geht es noch um viel. Man muss Platz 2 gegen die aufmüpfigen St. Galler verteidigen, wenn man in die Qualifikation zur Champions League will.