FC Basel
Aus Heitz mach drei: wie sich Marco Streller vor dem Kollaps schützt

Arbeitstier Georg Heitz war 24 Stunden am Tag erreichbar. Nun hat Marco Streller sein Amt übernommen. Wie er sich vor einem Burnout schützt.

Sébastian Lavoyer, Rottach-Egern
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Sportchef Marco Streller (l.) und Kaderplaner Remo Gaugler beobachten ein FCB-Training im Vorbereitungscamp.

Sportchef Marco Streller (l.) und Kaderplaner Remo Gaugler beobachten ein FCB-Training im Vorbereitungscamp.

Andy Müller/freshfocus

Als die alte Führung um Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz am 12. Juni verabschiedet wird, kriegen die Angestellten das Wort. «Du warst immer für alle erreichbar, 24 Stunden am Tag», sagt Mediensprecherin Andrea Roth, als sie den scheidenden Sportdirektor würdigt. Heitz, der Mann mit dem Handy am Ohr. In Trainingslagern konnte es vorkommen, dass man ihn während zwei, drei Stunden telefonierend durch die Gegend schlendern sah. Mr. Allzeitbereit – immer erreichbar, immer strukturiert, immer klar in den Ansagen. «Er war eine Maschine», sagt sein Nachfolger Marco Streller.

Das Pensum, das Heitz stemmte, lag weit über dem Durchschnitt. Aber selbst für ein Arbeitstier, wie er eines war, wurde es langsam zu viel. Hätte er weitergemacht, dann wäre auch unter ihm Roland Heri zum Team gestossen. Als Sportkoordinator, wie er das heute unter Heitz’ Nachfolger Marco Streller auch macht. «Es ist, wie erwartet, sehr, sehr viel, was da auf mich zukommt», sagt Streller. Einiges kannte er aus seiner Zeit als Spieler, vieles ist neu. Thun-Sportchef Andres Gerber gestand, dass er in den ersten zwei Jahren, nachdem er vom Fussball-Profi zum Funktionär wurde, «fast nur am Schwimmen» war.

«Heitz hatte ein Riesenpensum»

Streller hat mit vielen Leuten gesprochen, um sich auf seine neue Aufgabe vorzubereiten – auch mit Gerber. Er wusste, dass da sehr vieles kommen wird. «Heitz hatte ein Riesenpensum. Keine Frage, er hat rund um die Uhr gearbeitet, aber auch er hatte Hilfe und Unterstützung beispielsweise für das Vertragswesen», sagt Streller. Was also macht Streller um sich vor dem Kollaps zu schützen? Er holt weitere Leute an Bord. In erster Linie sind das der bereits erwähnte Sportkoordinator Heri und Remo Gaugler, der als Kaderplaner im Organigramm des FC Basel aufgeführt wird. Aus Heitz mach drei? Nicht ganz, meint Streller. Denn auch Bernhard Heusler hat viel Arbeit übernommen, war weit aktiver, als dies Burgener sein will.

Das Trainingslager am Tegernsee:

FC Basel Trainingslager 2017 am Tegernsee
40 Bilder
Auch einige Fans standen am Spielfeldrand.
Die FCB-Spieler Manuel Akanji, Ricky van Wolfwinkel und Michael Lang (von links).
Raphael Wicky engagiert an der Seitenlinie.
Mirko Salvi kam zu Einsatzzeit.
Auch im Tainingsspiel gehts zur Sache
Hartes Einsteigen
Zusammen stark
Fussball-Freestylerin Aylin Yaren zeigt den FCB-Jungs einige Tricks
Diese sind sichtlich beeindruckt
Die Tricks nachzuahmen, ist gar nicht so einfach.
Zuschauen macht Spass
Tomas Vaclik in Aktion.
Doch man hatte im Training auch Spass Mirko Salvi (links) und Tomas Vaclik.
Der Trainerstaff packt selbst an. Trainer Raphael Wicky, Talentmanager Thomas Haeberli, Torhütertrainer Massimo Colomba, Roger Eglin, Material (von links).
Cheftrainer Raphael Wicky
Assistenztrainer Massimo Lombardo schleift die Spieler.
In der Mitte schwitzen Renato Steffen (vorne) und Taulant Xhaka.
Dereck Kutesa scheint unzufrieden.
Der FC Basel weilt zur Zeit im Trainingslager am Tegernsee.
Volle Konzentration
Goalietraining
Wer bleibt am längsten oben?
Schönes Stillleben
Trainingsspiel
Spass macht es auch, wenns nass ist.
Velotour durchs Städtchen
Unkonventionelle Fahrweise
Trainingslager
Fitnessübungen gehören genau wie das Fussballspielen zum Training.
Trainer Raphael Wicky
Abwechslung mit Fussball-Tennis
Fussball-Tennis
Durchhaltewillen ist gefragt.
Das schlechte Wetter ist gut fürs Training
Besuch von Heiko Vogel
Der Trainer trainiert mit.
Dürfen zuschauen
Auch hier wird ganzer Einsatz gegeben.
Ankunft der Mannschaft

FC Basel Trainingslager 2017 am Tegernsee

Freshfocus

«Jeder hat in gewissen Bereichen seine Stärken, und nun gilt es, die Stärken jedes Einzelnen in ein Paket zu bringen.» Denn Schwächen kann sich der FCB nicht leisten. Acht Meistertitel in Serie verpflichten. Die Erwartungen in Basel sind hoch, genauso wie die Medienpräsenz. «Das soll nicht despektierlich klingen, aber der Sportchef steht in Basel noch mehr im Fokus als in anderen Clubs. Wir leben quasi im Glashaus», sagt Streller.

Er wird in diesem Glashaus ins kalte Wasser geworfen. Und er wird Fehler machen, dessen ist er sich bewusst. Oder besser: Sie werden Fehler machen, er, Gaugler und Heri. Aber Streller ist letztlich der Vorgesetzte, er trifft die Entscheidungen und trägt die Konsequenzen. Zu viele Fehler darf er nicht machen. Zu viel steht auf dem Spiel. Die Meisterserie, der Ruf, das Geld.

Zu viele Köche verderben den Brei – so besagt es das Sprichwort. Besteht diese Gefahr nun auch beim FCB? «Bezüglich der Kompetenzen mit Sicherheit nicht», sagt Kaderplaner Gaugler. Geleitet wird der sportliche Bereich von Marco Streller. Aus dem Dreigespann mit Heri und Gaugler wird er letztlich die Entscheide fällen. Was aber sind die Funktionen von Heri und Gaugler? Und: Wie grenzen sich ihre Aufgabengebiete von jenen von Streller ab?

Sportkoordinator Roland Heri.

Sportkoordinator Roland Heri.

Uwe Zinke

Heri ist der Mann fürs Administrative, für Verträge, Spielsperren, Rekurse. Ihm soll eine gewisse Trichterfunktion zukommen, er entscheidet häufig, was zu Streller muss, was zu Gaugler. «Er wird uns in vielem den Rücken freihalten», sagt Streller. Gaugler dagegen wird zu einer Art Schatten-Streller. Während Streller gegen aussen repräsentiert, den Kontakt zu den Medien und Fans pflegt, arbeitet Gaugler vor allem gegen innen. Eine Art Schnittstelle zwischen Talentmanagement und Scouting.

Gaugler: einmal Luzern retour

«Ich schaue, auf welchen Positionen wir junge Spieler mit Potenzial haben. Das hat Auswirkungen auf unser Scouting und die Kaderplanung», sagt Gaugler. Man will besser darauf achten, dass eigenen Talenten der Weg künftig nicht mehr verbaut ist. Gaugler kommt also bei der Umsetzung von Burgeners Konzept «Für immer Rot-Blau» eine zentrale Rolle zu. Man sagt von ihm, dass er ein hervorragendes Auge für Talente habe. Für seine Aufgabe beim FCB gab er seinen Job als Sportdirektor des FC Luzern auf.

Vor vier Jahren holte ihn Alex Frei, damals Sportchef beim FCL, in die Innerschweiz. Kurz zuvor trennten sich die Wege vom FCB und Gaugler. Der Klub sprach damals von «grundsätzlich unterschiedlichen Auffassungen in relevanten Bereichen». Gaugler wollte damals nichts dazu sagen. Heute meint er: «Massimo (Ceccaroni, d. Red.) und ich hatten die Sache danach relativ schnell bereinigt. Wir gingen essen, sprachen miteinander.»

Was war denn? «Sagen wir es so: Ich wollte mit dem Kopf durch die Wand.» Was genau war, gibt er nicht preis. Nur so viel: «Es gibt Leute, die brauchen manchmal einen Tritt in den Hintern, damit sie sich weiterentwickeln. So war es bei mir in dem Fall.»

Die Aufgabenteilung zwischen ihm und Streller ist noch nicht eindeutig, vieles fliesst ineinander, vieles muss sich noch ergeben. Sicher aber bilden er und Heri so etwas wie den rationalen Gegenpol zum eher emotionalen Streller. «Im Fussball muss man nicht immer die emotionalen Strömungen mitmachen, sondern lernen, Ruhe zu bewahren, auch in hektischen Situationen. Dies musste ich auch zuerst lernen», sagt Gaugler.

Er weiss, wovon er spricht. Schon bei Alex Frei hatte er eine ähnliche Rolle. Bleibt zu hoffen, dass es Streller besser gelingt, den Ausgleich zu finden als Frei. Dessen Karriere als Sportchef endete im Burnout.