FC Basel
Aus sieben mach zwei: der FCB hat mehr zentrale Mittelfeldspieler als Startelf-Plätze

Der FC Basel hat im zentralen Mittelfeld ein Überangebot. Sieben Spieler buhlen um zwei Startplätze. Die Tendenz geht zur Trennung von mindestens einem der Bewerber.

Céline Feller
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Rückkehrer Zdravko Kuzmanovic ist einer von sieben Spielern, die sich um einen Platz im zentralen Mittelfeld bewerben.

Rückkehrer Zdravko Kuzmanovic ist einer von sieben Spielern, die sich um einen Platz im zentralen Mittelfeld bewerben.

KEYSTONE

Es ist nur eine Nebenbemerkung. Angesprochen auf Pedro Pacheco, lobt Raphael Wicky zuerst dessen gute Präsenz, die er im Testspiel gegen den FC Wil auf der Position des Sechsers ausstrahlte. Sagt dann, dass der gelernte Innenverteidiger in der FCB-U21, als Wicky diese noch trainierte, viel im Mittelfeld gespielt habe. Und fügt dann noch an: «Wir haben ja noch keine da.» Da, damit meint der neue Cheftrainer des FC Basel das zentrale Mittelfeld. Die Positionen der Sechser und Achter, das Herz der Mannschaft.

Raphael Wicky lobte Pedro Pacheco.

Raphael Wicky lobte Pedro Pacheco.

Freshfocus

Schon in der vergangenen Saison, in der der FCB bevorzugt in einem 4-2-3-1-System agierte, war die Doppelsechs auch doppelt besetzt. Mit Luca Zuffi, Taulant Xhaka, Geoffroy Serey Die und Alexander Fransson hatte Ex-Trainer Urs Fischer vier Spieler für zwei Positionen zur Verfügung. Mit der Rückkehr Zdravko Kuzmanovics kommt ein weiterer zentraler Mittelfeldspieler nach Ende seiner Leihe dazu. Und dann sind da auch noch die Jungen.

Zum einen der angesprochene Pacheco, der am Mittwoch tendenziell eine Reihe nach vorne rückte, weil im Abwehrzentrum der mittlerweile an Sion ausgeliehene Eray Cümart auflief und daher kein Platz mehr war. Zum anderen ist da Dominik Schmid, der gegen Wil zwar auf dem Flügel eingesetzt wurde, wie Sportchef Marco Streller auf Nachfrage sagt «langfristig gesehen aber ins Zentrum gehört. Da sind wir uns alle einig.» Ob in der Mitte oder den Aussenbahnen, bei Schmid ist schon jetzt klar, dass er in der neuen Saison seine Chancen bekommen wird, wusste er doch stets zu überzeugen.

Pedro Pacheco in der Promotion Legue mit der Basler U21.

Pedro Pacheco in der Promotion Legue mit der Basler U21.

Uwe Zinke

Tendenz zur Trennung

Noch etwas weiter weg ist einer, der sich gegen Wil auf der Sechs zeigen durfte: Robin Adamczyk. Er gehört zwar nicht zur ersten Mannschaft, sondern erst zu deren erweitertem Kreis, trainierte seit Start der Vorbereitung aber mit den Profis und war im ersten Trainingslager mit dabei. Doch auch wenn man Adamczyk nicht mitrechnet, hat der FCB ein Überangebot. Will Wicky in einem 4-2-3-1 spielen lassen, wie er dies im zweiten Testspiel getan hat, dann müsste er sich (inklusive Pacheco) aus sieben Spielern für zwei entscheiden.

«Wir haben viele Spieler im Zentrum, sowohl was die Qualität als auch die Quantität betrifft. Dessen sind wir uns absolut bewusst», sagt Streller. Zuffi, Serey Die, Fransson, Xhaka und Kuzmanovic haben ausserdem alle Einsätze in ihren Nationalmannschaften aufzuweisen. Die einen zwar mehr als die anderen, aber trotzdem: Beim FCB weiss man, dass ein auf so viele Spieler ausgeweiteter Konkurrenzkampf zwar sicher anspornend sein kann, aber auch Gefahren birgt. Spannungen kommen schnell auf, fühlt sich einer zu wenig berücksichtigt und zeigt sich unzufrieden mit seinen Einsatzzeiten. Man erinnere sich an dieser Stelle an Shkelzen Gashi. War die Vereinsführung der Meinung, er komme zu ausreichend Einsatzminuten, sah er das anders. Es führte zum Abschied Gashis aus Basel.

Shkelzen Gashi in der Major League Soccer. Er ging, weil er nicht genug Einsatzminuten bekam.

Shkelzen Gashi in der Major League Soccer. Er ging, weil er nicht genug Einsatzminuten bekam.

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Auf eine Trennung – ob auf Zeit oder auf Dauer – geht die Tendenz auch in der jetzigen Situation hin. Zwar hat der FCB Stand heute noch kein Angebot für einen der genannten Spieler auf dem Tisch und bietet diese keineswegs aktiv auf dem Markt an. Aber eine Reduktion würde Sinn machen. Dessen ist man sich beim FCB genau so bewusst wie man es sich ob der Tatsache ist, dass es neben Ricky van Wolfswinkel noch einen zweiten Stürmer benötigt.

Und auch wenn die Anfragen für die Zentrums-Spieler noch nicht platziert wurden, heisst das noch nichts. International nimmt das Werben auf dem Transfermarkt standesgemäss erst Mitte oder Ende Juli an Fahrt auf, wenn auch die grossen Ligen anfangen, ihre Kader zu planen und umzubauen.

Traoré noch immer in Basel

Wer Kandidat Nummer eins für einen allfälligen definitiven oder temporären Abschied ist, konnte und wollte Streller nicht sagen. Auch, weil «hinzu kommt, dass Kuz noch nicht ganz fit ist und Fransson, von dem wir sehr viel halten, nach der Rückkehr von der U21-EM erst in Kürze (Fransson steigt am Montag wieder ein, Anm. d. red.) wieder ins Training einsteigen wird.» Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sowie der Tatsache, «dass das alles ganz unterschiedliche Spielertypen sind», wäre es zu früh, um vorschnelle Entscheide zu fällen. Man darf damit rechnen, dass sich der Verein lieber Zeit lassen wird, um die Situation im dicht gedrängten Mittelfeld in Ruhe zu analysieren.

Adama Traorés Abschied ist beschlossene Sache.

Adama Traorés Abschied ist beschlossene Sache.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Mit einem rascheren Entscheid darf in der Personalie Adama Traoré gerechnet werden. Zwar sagt Streller, dass «es aktuell nichts Neues gibt. Er ist bei uns im Training und wir warten ab.» Aber beim Ivorer ist der Abschied beschlossenene Sache. Die Frage ist nur noch, welche Farben er in der nächsten Saison tragen wird.