Seit Jahrzehnten schon sind Schweizer Degenfechter an Grossanlässen Garant für Medaillen. Ob im Einzel – oder im Mannschafts-Wettkampf – die «kleine» Schweiz wird im gleichen Atemzug wie die grossen Fecht-Nationen Deutschland, Frankreich, Italien, Russland oder Ungarn genannt. Am 13. Juni dieses Jahres wurde die Schweiz – mit Heinzer, Kauter, Staub und Steffen – in Zagreb Team-Europameister. Und verteidigte damit die Goldmedaille aus dem Vorjahr erfolgreich. «Wir sind auch an der jetzigen Weltmeisterschaft in Budapest der Favorit», sagt Staub unmissverständlich.

Emotionalster Fechter

Der Aescher strotzt vor Selbstvertrauen und hat auch im Einzel-Wettbewerb Ambitionen. «Max und Fabian sind, da in der Weltrangliste unter den besten 16 Fechtern klassiert, bereits für das Hauptfeld qualifiziert. Beni und ich müssen durch die Qualifikation. Das ist hart, denn auch die Auslosung spielt da eine Rolle, sodass man oft von einer Lotterie spricht. Aber wer bei den Allerbesten sein will, muss diese schlagen», erklärt der 22-Jährige mit der ihm eigenen Leidenschaft. Der Aescher macht aus seinem Ehrgeiz keinen Hehl und gilt als einer der emotionalsten Fechter überhaupt.

Zufriedenstellender Saisonverlauf

Benjamin Steffen (31) mag in seiner Art ruhiger erscheinen. Doch der Basler ist nicht minder ehrgeizig als sein Kollege «Flo», wie Staub gerufen wird. «Das Erreichen des Haupttableaus wird keine Spazierfahrt sein. Man kann auf Rivalen stossen, die einem nicht besonders liegen. Manchmal ist es einfacher, in den Direktausscheidungen der besten 64 für Exploits zu sorgen und um die Medaillensätze zu kämpfen», erklärt der Routinier, der an der Europameisterschaft in Zagreb im Einzel den sechsten Rang erreichte und somit bester Schweizer war. Mit seiner bisherigen Saison ist Steffen «grundsätzlich zufrieden, auch wenn es ein stetes Auf und Ab war. Es fehlte einfach der Exploit», sagt der Basler.

Mazzoni ist eine Koryphäe

Für den Erfolg haben die Schweizer (Degen-)Fechter viel investiert. Vor 14 Tagen war das ganze Nationalkader (inklusive Frauen) in Leukerbad, wo primär teambildende Faktoren «trainiert» wurden. Und in dieser Woche weilte man in der Sportschule Tenero, wo ein intensives, fecht-spezifisches Training auf dem Programm stand. Ein Grund, warum die Schweizer seit Jahren zu den weltbesten Degenfechtern gehören, sieht Staub in den Nationaltrainer Angelo Mazzoni und Gianni Muzio. «Vor allem Angelo ist eine absolute Koryphäe. Er hat als Aktiver 19 Weltcup-Siege errungen und an fünf Olympischen Sommerspielen teilgenommen. Er weiss, wie man Titel beziehungsweise Medaillen gewinnt», sagt Staub über den Nationaltrainer aus Italien.

Dass die beiden «Bebbi» weder den Nationalfeiertag am Rhein unten noch in letzter Zeit im St. Jakob-Park die FCB-Spiele besuchen konnten, nehmen sie für den Erfolg gerne in Kauf. Steffen liess seine Fangemeinde per sozialen Netzwerken wissen: «Schwitzen in Tenero für den Erfolg. We are ready for Budapest. Let’s go, Swiss Team». Das verspricht einiges. Im optimalen Falle Medaillen.