Super League

Ausgelaugt, anfällig, abgerutscht - Der FCB verliert den Klassiker in Zürich

«Natürlich sind wir enttäuscht», sagt Valentin Stocker (links, hier mit Eray Cömert und Luca Zuffi) zur verlorenen Tabellenführung.

«Natürlich sind wir enttäuscht», sagt Valentin Stocker (links, hier mit Eray Cömert und Luca Zuffi) zur verlorenen Tabellenführung.

Der FC Basel verliert gegen den FC Zürich mit 2:3, damit erstmals seit Mai 2018 wieder einen Klassiker – und ausserdem die Leaderposition an YB, das seinerseits das Berner Derby für sich entscheiden kann.

Wer sich vor diesem Spiel mit den Statistiken auseinandergesetzt hat, der hat nur zu einem Schluss kommen können: Der FC Basel muss diesen Klassiker gewinnen. Auch wenn keine 72 Stunden zwischen dem Anpfiff im Letzigrund und dem Abpfiff im Coliseum Alfonso Pérez lagen. Der FCB reiste mit fünf Siegen aus den letzten fünf Klassikern nach Zürich.

Die letzte Niederlage datierte vom Mai 2018, als es für den FCB um nichts mehr ging. Er reiste als jenes Team an, das am wenigsten Gegentore erhalten hatte bislang (neun) – und das zu jenem Team, das offensiv bis dato am schwächsten war (acht Treffer).

Die Liste der Pro-FCB-Punkte wäre noch weiter ausbaubar. Doch ihrer Deutlichkeit zum Trotz brachte dies dem FCB an diesem schönen Herbsttag gar nichts. Nach Abpfiff nämlich stehen die Basler mit einer 2:3-Niederlage trotz 1:0-Führung da.

Mit der ersten Klassiker-Pleite seit eineinhalb Jahren und vor allem: mit der verlorenen Tabellenführung. So klar die Vorzeichen für Basel sprachen, so verdient ist gestern die Niederlage. «Es hat ein bisschen an allem gefehlt», gibt nach dem Spiel FCB-Captain Valentin Stocker ehrlich zu.

Grobe Fehler, schwere Beine

Die Anfangsphase gestaltet sich noch positiv für Basel. Zwar finden die auf drei Positionen rotierten Gäste nicht wirklich den Tritt, gehen nach einem umstrittenen Penalty aber dennoch 1:0 in Führung. Schmeichelhaft und nicht folgerichtig, aber aus Basler Sicht der erwünschte Start. Danach gleitet dem FCB das Spiel aus den Händen.

Erst schenkt Samuele Campo vier Minuten nach seinem versenkten Penalty mit einem unglaublich dummen Pass in die Mitte den Zürchern die Möglichkeit zum Konter, welche Aiyegun Tosin eiskalt ausnutzt. Dann kann Frei in der 33. den starken Tosin nicht am Pass auf Marco Schönbächler hindern, der umtanzt Emil Bergström und erzielt das 2:1.

Das Spiel ist gedreht und die Führung beim besseren Team. Der Ausgleich durch Eray Cömert kurz nach der Pause folgt auf eine schöne Flanke Freis, ist aber genauso schmeichelhaft wie die Führung zu Beginn der Partie. In der 60. Minute sorgt Blaz Kramer für die neuerliche Zürcher Führung, den Schlussstand und den verdienten Sieg.

Reisen zählen nicht als Ausrede

Dass der FCZ der richtige Sieger ist, meint auch FCB-Trainer Marcel Koller: «Wir konnten über das ganze Spiel unsere groben Fehler nicht abstellen und Zürich hat das ausnützen können.» Tatsächlich ist es erschreckend, wie anfällig der FCB in der Defensive ist. Die Ballverluste sind zahlreich, die Unkonzentriertheit nicht zu übersehen. Hinzu kommen müde Beine nach dem harten Kampf vom Donnerstag und der Reiserei.

«Es sind intensive Zeiten mit intensiven Spielen. Dann ist es jeweils die grösste Herausforderung, alle drei Tage wieder bereit zu sein. Das ist uns heute nicht gelungen», so Koller zu seiner Mannschaft, die einen ausgelaugten Eindruck machte. Silvan Widmer spricht nach dem Spiel von einer sowohl mentalen als auch körperlichen Müdigkeit, will aber wie Stocker dies nicht als Ausrede stehen lassen. Stocker meint gar, dass man zwar immer Ausreden finde, «wir es aber einfach besser machen müssen. Wir wissen alle, dass wir heute nicht gut waren.»

Der Zürcher Plan geht auf

Eine gute Leistung darf man dafür den Zürchern attestieren, die von Ludovic Magnin genau richtig eingestellt wurden. «Wir wussten, dass der Schlüssel in diesem Spiel die Intensität ist, weil gewisse Basler Spieler vielleicht nicht die Frische haben. Wir wollten sie hochpressen und das ist gelungen», sagt der FCZ-Coach.

Die Basler müssen nun hinnehmen, dass sie in der Tabelle zwei Punkte hinter YB rutschen. Eine Momentaufnahme, der alle Beteiligten keine grosse Bedeutung verleihen wollen. Schliesslich «lernt man aus Niederlagen am meisten», so Stocker. Und schliesslich steht am Mittwoch das nächste Spiel an: gegen Lausanne-Ouchy im Cup. Auch dort sprechen die Statistiken klar für den FCB.

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