FC Basel
Basel bestreitet in Locarno das letzte Pflichtspiel des Jahres

Nach knapp zweimonatiger Amtszeit blickt FCB-Trainer Murat Yakin kurz vor der Pause bereits etwas voraus. Erst gilt es aber mit einem Erfolg im Tessin Saisonziel Nummer drei, den Cupsieg, am Leben zu halten.

Sebastian Wendel
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Wie im Cup-Spiel gegen Chiasso werden Jacques Zoua (Mitte) und Mohamed Salah in Locarno zum Einsatz kommen.key

Wie im Cup-Spiel gegen Chiasso werden Jacques Zoua (Mitte) und Mohamed Salah in Locarno zum Einsatz kommen.key

Zwar reiste der FC Basel mit dem bis auf Radoslav Kovac kompletten Kader ins Tessin, einige Stammspieler werden vor der Cuppartie in Locarno jedoch bloss auf der Tribüne Platz nehmen. Grund für den vollen Teambus ist das Jahresabschlussessen im Mannschaftskreis am Sonntagabend in Basel, das direkt nach der Heimkehr stattfindet. Gemütlich nehmen dürfen es Marco Streller, der am Montag sein lädiertes Knie operieren lässt, Valentin Stocker und Goalie Yann Sommer. Sie werden gegen den Tabellenletzten der Challenge League durch Germano Vailati (für Sommer), Jacques Zoua (Streller) und Mohamed Salah (Stocker) ersetzt. Der in Genk gesperrte Cabral wird gegen Locarno ins Team zurückkehren. Ob er für das letzte Spiel des Jahres noch weitere Änderungen vornimmt, liess Trainer Murat Yakin offen. «Die Spieler gehen danach ja in die Ferien. Und es wäre falsch, etwas Funktionierendes komplett auseinanderzunehmen.»

Anbieten würde sich ein Einsatz von Alex Frei, am Donnerstag während 93 Minuten nur Zuschauer. «Mit ihm werde ich persönlich besprechen, ob und wie lange er spielt», sagt Yakin. Klar ist der Fall bei Radoslav Kovac: Der Tscheche fehlte Anfang Woche an der Weihnachtsfeier und sass auch nicht im Flieger nach Genk. «Er steht gegen Locarno nicht im Aufgebot», so Yakin. Nächste Woche finden abschliessende Gespräche über die Zukunft des einst als Abwehrchef verpflichteten Kovac statt. Die Zeichen stehen so deutlich wie noch nie auf Abschied.

«Die Reise nach Genk hat uns mental alles abgefordert.» Dennoch fordert Yakin von seinen Spielern nochmals volle Konzentration und Respekt für den unterklassigen Gegner, damit es mit der Qualifikation für den Cup-Viertelfinal klappt. «Wenn es im Kopf stimmt, habe ich keine Angst vor einer Blamage.» Bereits um zehn Uhr vormittags verliess der FCB-Car heute Basel, am Nachmittag absolvierte das Team das Abschlusstraining im Sportzentrum zu Tenero, um sich an die Platzverhältnisse im Tessin zu gewöhnen. Mit Videoaufnahmen und dem Bericht eines Scouts hat sich Yakin über die Stärken und Schwächen des Gegners schlau gemacht. Nichts wird dem Zufall überlassen, um nach Rang 2 in der Super League und dem Verbleiben in der Europa League auch das dritte Ziel der ersten Saisonhälfte zu erfüllen.

An der Pressekonferenz vom Freitag, die direkt nach der Landung aus Genk am Flughafen Basel stattfand, zog Murat Yakin eine erste Bilanz seiner knapp zweimonatigen Amtszeit. Er spüre, dass die Mannschaft in den letzten Wochen den Glauben an sich wiedergefunden habe. «Die Spieler zeigen die Dominanz und Aggressivität, die es im rotblauen Dress braucht.» Von Spiel zu Spiel habe er eine Steigerung erkennen können, nichtsdestotrotz sei die Spitze noch lange nicht erreicht. «Vor allem kommunikativ müssen wir noch besser werden.» Auf die Winterpause freut sich Yakin nur bedingt. «Leider unterbricht das unseren Steigerungslauf.»

Dass Yakin dem Team in der Vorbereitung auf die Rückrunde ein neues System beibringt, ist unwahrscheinlicher als auch schon. «Es stellt sich die Frage, ob es Sinn macht», sagt er. Die 4-1-4-1-Formation habe sich in den letzten Wochen als richtig herausgestellt. Die Variante mit drei Verteidigern, fünf Mittelfeldspielern und zwei Stürmern wählte Yakin bisher einzig im ersten Spiel in Luzern und scheiterte grandios. Mittlerweile sagt er: «Ich mag das 3-5-2-System nicht. Es ist höchstens ein Mittel, um den Gegner zu überraschen.» So oder sei die Papierform des Systems sekundär. «Entscheidend ist, dass wir in der Defensive stabil und nach vorne flexibel auftreten.»

Zu allfälligen Neuzugängen in der Winterpause äusserte sich Yakin zurückhaltend. «Es laufen lose Gespräche mit einzelnen Kandidaten, konkret ist aber noch bei Weitem nichts.» Er habe sich nach sieben Wochen im Amt ein Bild des Kaders machen können und seine Meinung in der technischen Kommission eingebracht. Eine Meinung, die Gewicht hat. «Denn ich bin ja von allen am nächsten bei der Mannschaft.» Zu erwarten ist, dass im Mittelfeld etwas passiert. Schon länger ist man auf der Suche nach einem Spieler, der die Zweikampfstärke von Cabral und die technischen Fähigkeiten eines Gilles Yapi vereint.