Spiele, welche einem Wechselbad der Gefühle gleichen und die Zuschauer (in einer prop­penvollen Halle übrigens) stets in Atem halten, haben zuletzt immer einen euphorischen Gewinner und einen am Boden zerstörten Verlierer.

Was sich am frühen Samstagabend in der Sport-/Turnhalle Sandgruben abspielte, war al­lerbeste Propaganda für den Unihockey-Sport. Und obwohl die Serie zwischen dem Tabel­lenletzten der Nationalliga A und dem souveränen Dominator der Nationalliga B über sie­ben Spiele gehen kann, ist man versucht zu sagen, dass es nicht bis Mitte April dauern wird, bis der neue A-Ligist bekannt ist…

Falsche Einschätzung

Im Vorfeld der Partie hatte Kloten-Sportchef Roman Reichen erklärt, dass „Basel über einen starken 1. Block auf Nationalliga-A-Niveau verfügt. Die anderen Linien sind aber we­niger gut bestückt. Wir verfügen in der Breite sicher über mehr Qualität als Ba­sel Regio.

Das ist unbestritten“. Und fuhr fort, dass der Schlüssel zum Klotener Er­folg, und dem da­mit verbunden Ligaerhalt, darin bestehe, den Basler Paradeblock mit ex-National­spieler Patrick Mendelin, den finnischen Topskorer Mikko Jolma und Tanel Ka­senurm (Est­land) zu bremsen. Und die restlichen Linien des Gastgebers konstant unter Druck zu set­zen.

Was in der Theorie gut tönt(e), sah in der Praxis jedoch anders aus. Sicher, die Zürcher kön­nen auf vier Finnen (davon zwei Nationalspieler) und einen lettischen Nationalspieler (Ja­nis Rajeckis) zählen. Das (noch) unterklassige Basel hat „nur“ Mikko Jolma, den Tops­korer der Nationalliga B (Schweiz am Wochenende berichtete) und den Esten Tanel Ka­senurm als Profispieler in Reihen.

Zum Spielauftakt standen beim Gast gleich alle vier Skandinavier auf dem Feld, die wäh­rend der Partie über Gebühr strapaziert wurden. Ba­sel-Trainer Daniel Moser hingegen konnte 15 Spieler, also drei Linien, einsetzen, ohne die Leistungsträger forcieren zu müssen. Was sich mit Fortdauer der Partie als Vorteil erwies. Wenn jemand fehlende Kaderbreite hat, dann wohl die Jets.

Publikum als 7. Mann

Dank zwei berechtigten Strafstössen führte Kloten, wiewohl meist mit Defensivaufgaben beschäftigt, unverhofft mit 2:0. Und ging bis zur 25. Minute mit 4:0 in Führung. „Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Spielanteile, aber selbstverständlich mussten wir uns zuerst ans hö­here Tempo und an die grösse Intensität gewöhnen“, so Moser und Patrick Mendelin, der jahrelang in der Nationalliga A beim Dominator Wiler-Ersiegen gespielt hatte.

Dass im Un­ihockey eine Partie schnell kehren kann, erfuhr Kloten-Bülach, als die Basler innert drei Minuten und 51 Sekunden drei Treffer erzielten. Und damit das Publikum, das vorher schon nonstop den „Underdog“ angefeuert, rhythmus beklatscht und getrommelt hatte, zu­sätzlich ins Spiel einbezog. „Ja, unser Publikum war ein ganz starker Mann; wir haben in dieser Saison jedes Heimspiel gewonnen, wir haben eine Winnermentalität entwickelt“, waren sich nach Abpfiff Trainerstab und Aktive einig.

Sololauf in Unterzahl

In Unterzahl konnte Kloten-Bülach, nach einem eindrücklichen Sololauf von Daniel Dürst, zwar das 5:3 erzielen. Und mit dem 6:3 durch Topskorer Mikko Immomen schien der Ver­gleich doch zu Gunsten des A-Ligisten auszugehen. Die Schlüsselszene spielte sich nach 48:40 Minuten ab. Basel, ein erstes und einziges Mal in Unterzahl, musste „beissen“, um nicht einen weiteren Gegentreffer zu kassieren.

Und kurz bevor die Strafe ablief, erkämpf­te sich Captain Dennis Kramer den Ball, passte zu Carlo Wildi, der auf 4:6 verkürzte. Die­ser „Shorthander“ hatte Signalwirkung – die Halle verkam endgültig zum Tollhaus, Basel Regio be­kam einen zweiten und dritten Atem, während der Gast nur noch reagieren, aber nicht mehr agieren konnte. Mit Müh und Not rettete sich der oberklassige Gegner in die Verlän­gerung. Aber dort ereilte die Zürcher der „Sudden Death“.

Klub für NLA bereit

Im Vorfeld der Partie hatte Rainer Altermatt (44), seit 2007 Geschäftsführer (in einem 50-Prozent-Angestelltenverhältnis) von Unihockey Basel Regio, erklärt. „Die Serie wird eng und hartumkämpft. Wir sind auf Augenhöhe mit Kloten-Bülach und gehen mit einer 26:2-Siegesbilanz ins Finale. Der Gegner beendete die Nationalliga mit vier Siegen und 18 Nie­derlagen und verlor das Playout gegen Waldkirch-St.

Gallen im fünften Match. Das sind Fakten...“, so Altermatt. Und wer die Körpersprache der beiden Teams nach dem Match sah, der spürt, dass Basel Regio wohl schon viel mehr als „nur“ das erste Spiel gewonnen hat. Der Klub hat die nötigen Ressourcen und Strukturen sowie das Konzept, um in die höchste Spielklasse aufzusteigen. Ein erster, grosser Schritt wurde bereits getan.