Schwimmen gehört punkto Trainingsintensität gewiss zu den aufwendigsten Sportarten überhaupt. Kommt hinzu, dass Fussball oder Velofahren zu trainieren a priori mehr Spass bringt, als drei Stunden täglich den Kopf ins Wasser zu tauchen und Bahn um Bahn zu ziehen. Fünf, sechs Kilometer pro Einheit sind üblich. Um dabeizubleiben und sich nicht beim geringsten Widerstand punkto Leistungsentwicklung zu verabschieden und zum Minigolf oder Tanzen zu wechseln müssen darum etliche Faktoren stimmen. Vorneweg der Erfolg; sicher aber auch die Kollegialität und die Erlebnisse abseits des Pools in Trainingslagern und an Wettkämpfen.

Drei Mitglieder, zwei in Tuchfühlung

Eine grössere Gruppe verspricht in dem Sinn nicht nur mehr Fun, sondern auch mehr Erfolgsmöglichkeiten, wenn die Besten zusammen trainieren können. Auch darum gibt es seit gut anderthalb Jahren das Regionale Leistungszentrum Nordwestschweiz. Mit dabei sind die Vereine Basel, Liestal und Fricktal. Allschwil und Bottmingen sind im erweiterten Kreis. «Wenn die anderen sehen, dass Kolleginnen und Kollegen erfolgreich sind, spornt das natürlich an», sagt Tobias Gross. Der 34-Jährige ist seit 2012 vollamtlicher Chefcoach des SV Basel. Mit Boris Baccala, dem Nachwuchscoach in Basel sowie Liestal-Trainer Grzegorz Szuba und Fricktal-Coach Beat Wiedmer ist Gross Teil des Trainerstabes des Regionalen Leistungszentrums Nordwestschweiz (RLN).

Durch die Bildung dieses Leistungszentrums konnten Gelder von den Kantonalen Sportämtern generiert werden, die nun helfen, die 350 Stellenprozent der vier Coaches zu finanzieren. Ein trifftiger Grund, weshalb das Model RLN gut läuft: «Die Schwimmerinnen können so an jenem Ort und zu der Zeit trainieren, wo und wann es ihnen vom Tagesablauf her am besten passt», sagt Gross. Die Trainingspläne in Liestal, Basel und im Fricktal sind aufeinander abgestimmt.

Noch keine gemeinsamen Staffeln möglich

Mehr Leistung durch leistungsorientierte Zusammenarbeit heisst also das Motto. Und nebenbei mehr Freude und Fun sowie tiefere Kosten. Wenn es um die Organisation von Trainingslagern oder Reisen an Wettkämpfe geht, wird auch zusammengespannt Früher haben drei Vereine an drei Orten ein Trainingslager organisiert und sechs, sieben Trainer waren nötig, um diese durchzuführen», sagt Gross. Jetzt gibt es einen Ort und zwei drei Trainer. Zusammen trainieren, zusammen reisen, zusammen erleben – all das geht im Rahmen des RLN. Was (noch) nicht geht, ist der Start der Schwimmer zusammen auch in Staffeln oder an Vereinsmeisterschaften. Die Lizenzen bleiben bei den Stammklubs.

«Ich finde es wichtig, dass die Vereinsnamen bestehen und so eine lokale Identifikation erhalten bleibt», meint Gross. Wenn plötzlich hinter den Namen aller Spitzenschwimmer der Region in den Ranglisten nur noch «RL Nordwestschweiz» stünde, «würde viel verloren gehen», findet der Sportlehrer. «Vielleicht ist es aber irgendwann möglich, dass die Aktiven eine Lizenz für die Einzel-Rennen und eine für Staffeln haben können», führt Gross ins Feld.

Staffeln sind im Einzelsport Schwimmen so was wie das Tüpfelchen auf dem i oder das finale Dessert. Ein besonderes Erlebnis. Als Basel oder Liestal oder Fricktal hat man heute noch keine Chance, wenn es an einer Schweizermeisterschaft über 4-mal 100 m Lagen oder 4-mal 100 m Crawl um die Medaillen geht. Als Region Nordwestschweiz wäre man indes voll dabei.