Patrick Mendelin hat einen Traum. Der Sportchef von Basel Regio möchte mit seinem Fanionteam in die höchste Spielklasse, die Nationalliga A, aufsteigen. Und die Basler sind gut im Rennen. Am morgigen Samstag beginnt die Best-of-5-Serie des Playoff-Halbfinals gegen Floorball Thurgau. «Wir starten sicher als Aussenseiter in diese Serie. Doch wir haben intakte Chancen auf eine Überraschung», sagt Mendelin.

Schon nur das Erreichen des Playoff-Halbfinals ist ein grosser Erfolg für die Mannschaft, die erst diese Saison von der 1. Liga in die NLB aufgestiegen ist. Auch im Nachwuchs läuft es rund: Die U21 befindet sich in den Aufstiegsspielen für die höchste Juniorenliga. Die Damen ihrerseits schafften den Ligaerhalt in der NLB schon im Februar. Mit einem Herrenteam und einem Damenteam in der NLB ist Basel Regio der einzige Unihockeyverein in beiden Basel, der im Leistungssportbereich tätig ist. Rund 500 Mitglieder zählt der Club – das ist fast die Hälfte aller Lizenzierten in Basel-Stadt und Baselland (1365).

Trotzdem: Keine Mannschaft in der höchsten Spielklasse zu haben, ist untypisch für eine Region, die sonst sportlich in der Schweiz die Nase vorn hat. Unihockey ist mit 32 741 lizenzierten Spielern nach dem Fussball (225 000 Lizenzierte) die schweizweit zweitgrösste Mannschaftssportart. In den Unihockey-Hochburgen Bern und Zürich spielen gleich mehrere Teams in der NLA, bei den Herren wie bei den Damen. Was ist also los mit dem Unihockey in der Sportregion Basel?

Niedergang von Basel Magic

«Basel hat eine grosse Unihockey-Tradition», sagt Daniel Bareiss, der Zentralpräsident des schweizerischen Unihockeyverbandes swiss unihockey. In der Tat: Bis 2008 konnte sich ein Basler Verein 14 Saisons lang in der höchsten Spielklasse behaupten. Unter dem Namen Basel Magic nahm es das Fanionteam von damals mit Floorball Köniz und SV Wiler-Ersigen auf.

Clubs, die heute Jahr für Jahr im Rennen um den Schweizermeistertitel mitmischen. Doch der Erfolg von Basel Magic wuchs nicht auf gesunden Strukturen. Der Verein hielt sich vor allem mit ausländischen Spielern in der NLA und verfehlte es, eine gute Basis mit dem eigenen Nachwuchs aufzubauen. 2008 zerfiel das Kartenhaus: Wegen finanziellen Schwierigkeiten und zahlreichen Abgängen wichtiger Spieler und Funktionäre musste Basel Magic den Betrieb einstellen.

«Nach dem Rückzug von Basel Magic lag der Leistungssportbereich des Basler Unihockeys einige Jahre brach», sagt Sportchef Mendelin. Diese Lücke wurde erst 2013 mit der Gründung von Basel Regio geschlossen. Die vier Vereine UHC Basel United, UH Griffins Muttenz-Pratteln, Squirrels Ettingen und TV Oberwil entschieden sich damals, regional zusammenzuarbeiten und eine gemeinsame Leistungssportabteilung zu bilden – Basel Regio eben. Der Nachwuchs wird weiterhin in den vier Stammvereinen ausgebildet, die grössten Talente wechseln später in die Juniorenabteilung des Dachvereines.

Nur ein Ziel: Aufstieg

Als dieser versucht Basel Regio nun richtig zu machen, was Basel Magic seinerzeit versäumt hat: Einen gesunden Finanzhaushalt und solide Strukturen zu schaffen, mit engagierten Funktionären zu arbeiten, eine nachhaltige Nachwuchsbewegung und Vereinskultur aufzubauen. Dieser Weg scheint erfolgreich zu sein: «Wenn Basel Regio so weitermacht, traue ich ihnen durchaus zu, sich schon in wenigen Jahren in der NLA zu etablieren», sagt Zentralpräsident Bareiss.

Auch Sportchef Mendelin ist zuversichtlich: «Unser Ziel ist es, mittelfristig mit allen Teams in der höchsten Klasse zu spielen.» Wann dies so weit sein wird, könne er nicht sagen: «Ein Aufstieg ist, besonders bei dem Fanionteam der Herren, schwierig planbar.»
Trotz dieser Unberechenbarkeit kann sich Mendelin in den nächsten Jahren auf ein mehr oder weniger fixes Kader verlassen.

«Ich gehe davon aus, dass der Grossteil der NLB-Mannschaft zusammenbleibt, egal in welcher Liga wir spielen», sagt Mendelin. Das solide Grundgerüst an Spielern versucht er stetig zu erweitern, mit Neuverpflichtungen und dem eigenen Nachwuchs. «Mittelfristig werden wir sicher ein Kader stellen, das in der NLA mithalten kann.» Finanziell sollte der Aufstieg keine Probleme bereiten. Der Aufwand für Ausrüstung und Reisen an die Spiele ist in der NLA nicht viel grösser als in der NLB.

«Es ist Zeit für Basel Regio, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten», sagt Bareiss. Der Zentralpräsident sähe es gerne, wenn die Region Basel wieder eine Spitzenmannschaft hätte. Er geht davon aus, dass durch ein Basler Aushängeschild eine Sogwirkung entstünde und sich auch andere Vereine in der Region vermehrt im Spitzensport engagieren würden. «Früher war Basel verrückt nach Unihockey – es könnte sich bald wieder mit dem Unihockey-fieber anstecken.»