Interview

Basels Elyounoussi über seine Zukunftspläne: «Ich habe Ambitionen, will ganz an die Spitze»

Ballkünstler Mohamed Elyounoussi zeigt dem Fotografen, was er draufhat. Und wie immer, wenn er einen Ball hat, lacht er. Roland Schmid

Ballkünstler Mohamed Elyounoussi zeigt dem Fotografen, was er draufhat. Und wie immer, wenn er einen Ball hat, lacht er. Roland Schmid

Mohamed Elyounoussi ist der gefährlichste Spieler der Super League. Im Interview spricht der Norweger über seine Ambitionen, seine lauffreudigen Beine, das defensive Korsett, das ihm Urs Fischer aufzwang, und Mohamed Salah.

Mohamed Elyounoussi, wie wichtig sind Ihnen Statistiken?

Mohamed Elyounoussi: Was für Statistiken meinen Sie?

Ihre statistischen Werte.

Natürlich schaue ich darauf und versuche mich zu entwickeln. Denn letztlich sind diese Zahlen für jeden Fussballer wichtig, auch für mich.

Wie zufrieden sind Sie mit dem, was diese Saison herausschaute?

Ich bin ein bisschen gespalten. Mit dem Fortschritt im Vergleich zur letzten Saison bin ich zufrieden. Also mit meinen Statistiken. Aber letztlich kann man immer besser sein. Ich weiss, dass ich viel mehr Tore und Assists haben könnte. Aber ich hätte auch die Zahlen von letzter Saison genommen, wenn wir beide Titel gewonnen hätten. Es macht einfach viel mehr Spass, als wenn man bessere Statistiken hat, aber keinen Titel gewinnt.

Was waren eigentlich Ihre ganz persönlichen Saison-Höhepunkte?

Da war zum einen ein Hattrick, den ich schoss, als wir mit der norwegischen Nationalmannschaft in San Marino spielten. Drei Tore in einem Spiel schoss ich das letzte Mal vor gefühlten zehn Jahren. Natürlich, San Marino ist nicht Top-Niveau. Aber es war ein Hattrick, und das in einem Auswärtsspiel. Insbesondere auch, weil wir ein junges Team mit neuem Trainer sind. Ich habe damit meine Stammplatzambitionen deutlich unterstrichen und spielte seither in jedem Spiel.

Und beim FCB?

Da ist es schwieriger, etwas herauszugreifen. Natürlich, das Spiel gegen City in Manchester war für mich speziell. Dann auch das Auswärtsspiel gegen Benfica in Lissabon. Ich habe dort mein erstes Champions-League-Tor erzielt. Das wird immer in Erinnerung bleiben.

Mit dem Sieg qualifizierten Sie sich für den Achtelfinal.

Genau. Mir kam in diesem Augenblick auch das Spiel von letzter Saison gegen Ludogorets in den Sinn. Wir hätten uns im letzten Auswärtsspiel mit einem Sieg für die Europa League qualifizieren können. Dann hatte ich diese Riesengelegenheit und konnte sie nicht nutzen. In Lissabon klappte es und ich wusste, dass es ein wichtiges Tor ist.

Sie haben sich entwickelt, kein Zweifel. Was haben Sie in den letzten zwei Jahren beim FCB gelernt?

(Denkt nach). Ich bin ein deutlich besserer Fussballer als damals. Basel ist mein erster Klub im Ausland, und da gibt es immer gewisse Unsicherheiten. Aber ich kam zum richtigen Klub. Ich fühlte mich sehr schnell daheim. Aber … was wollten Sie wissen?

Was Sie gelernt haben.

Ja, klar. Die Super League ist besser als die norwegische Liga. Das Tempo im Training beim FCB war höher. Zudem lernte ich das Niveau der Champions League kennen. Auch meine Ballverarbeitung hat sich verbessert.

Wie hat Sie Urs Fischer geprägt und wie Raphael Wicky?

Ich musste defensiv grosse Fortschritte machen, um unter Urs Fischer zum Einsatz zu kommen. Man merkt schnell, wie ein Trainer tickt, worauf er den Fokus legt. Und bei Urs war es die Organisation des Teams. Wir haben anfangs oft darüber gesprochen, da habe ich viel gelernt.

Und bei Wicky?

Urs hat mir gezeigt, woran ich arbeiten muss. Ich habe defensiv Fortschritte gemacht, und Raphi wusste, was ich offensiv draufhabe und gab mir mehr Freiheit. Gut möglich, dass dies auch zu den besseren Statistiken geführt hat.

Sie haben gesagt, dass Sie sich hier sofort zuhause gefühlt hätten. Das sagen viele Spieler, die nach Basel kommen. Wie machen die das?

Der Klub ist es gewöhnt, dass neue Spieler kommen. Die Leute hier haben einen Plan, sie wissen, was wir brauchen. Basel gewinnt jedes Jahr. Da dachte ich, dass die die Nase vielleicht ein bisschen hoch tragen. Das Gegenteil ist der Fall. Von den Spielern zum Trainerteam bis hin in die Führungsetage: Alle haben mich willkommen geheissen.

Sie schätzen diese Bescheidenheit.

Sehr. In welchem Klub fragt der Präsident einen neuen Spieler, ob er mit ihm einen Kaffee trinken gehen möchte? Bernhard Heusler hat das mehrfach gemacht. Da habe ich gemerkt, wie bescheiden dieser Klub tickt. Das ist ihr Erfolgsrezept. Aber natürlich half es mir auch sehr, dass schon ein paar Skandinavier hier waren, als ich kam. Sie kannten das Leben hier, im und ausserhalb des Klubs.

Jetzt sind Sie der einzige Skandinavier im Team.

Ja, ein bisschen schade ist das schon. Ich habe auch andere Freunde hier, am Anfang jedoch waren Birkir Bjarnason und Daniel Hoegh doch sehr wichtig für mich. Aber so ist der Fussball: Leute kommen, Leute gehen.

Werden Sie bald gehen? Sie haben gesagt, Sie wären bereit für einen grossen Schritt.

Das habe ich gesagt?

So steht es in der norwegischen Zeitung «Verdens Gang».

Vielleicht macht der Google Translator da einen Fehler, ich nehme an, Sie können kein Norwegisch, oder? (Lacht). Im Ernst: Ich bin sehr stolz, ein Teil dieses Klubs zu sein. Und über die Zukunft mag ich gar nicht zu viel nachdenken. Es liegt nicht wirklich in meiner Hand.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich sehe mich immer noch in der Champions League spielen. In welchem Klub es sein wird, das weiss man nie. Aber ja, ich habe Ambitionen. Ich will an die Spitze, also hoffe ich, dass ich in fünf Jahren dort bin. Aber zuerst freue ich mich jetzt auf die Ferien.

Eine anstrengende Saison, oder?

Sie war lang, ja. Aber ich bin wirklich einer dieser Typen, die Mühe haben mit dem Nichtstun. Es dauert maximal eine Woche, dann zwickt es wieder. Ich liebe, was ich mache, ich liebe meinen Job. Darum freue ich mich auch auf die Freundschaftsspiele mit der Nationalmannschaft, während viele Spieler nicht gerade glücklich darüber sind. Zu Beginn werde ich deshalb meine Familie und Freunde in Norwegen besuchen. Danach geht’s sicher noch irgendwo an die Sonne.

Was würden Sie an Basel vermissen, falls Sie gehen sollten?

Wenn das passiert, würde ich zuerst die Menschen vermissen. Die Leute, mit denen ich während der letzten zwei Jahre zusammengearbeitet habe. Und natürlich den Sommer in Basel. Es ist richtig schön warm hier.

Sie sind physisch sehr stark, rennen so viel wie kaum ein anderer Spieler. Machen Sie Extra-Schichten?

Es ist schön, dass Ihnen das auffällt. Viele Leute schauen nur darauf, ob ich Tore schiesse oder vorbereite. Für mich waren meine läuferischen Fähigkeiten immer die Basis.

Wie viele Kilometer rennen Sie während eines Spiels im Schnitt?

Das müssten um die zwölf Kilometer sein. Meinen Rekord stellte ich gegen Manchester City im Auswärtsspiel auf. Dort kam ich auf mehr als 13 Kilometer. Sie hatten oft den Ball und wir rannten hinterher (lacht). Ich war überrascht, dass ich nicht einmal einen Krampf kriegte.

Gibt es im Team jemanden, der mit Ihnen mithalten kann?

Nein (lacht). Das ist die Wahrheit. Schauen Sie, es gibt diesen Lauftest, den Yoyo-Test. Sofern ich richtig informiert bin, hat nie jemand ein besseres Ergebnis erzielt als ich. Ich bin gerannt, bis kein Signal mehr kam, bis es nicht mehr schneller ging. Das gab es nie zuvor.

Woher kommt diese aussergewöhnliche Kondition?

Mir helfen sicherlich die Gene. Meine Eltern kommen aus Marokko, Nordafrika. Da gibt es viele sehr gute Läufer. Vielleicht wäre ich Marathonläufer geworden, wenns mit Fussball nicht geklappt hätte (lacht). Aber ja, ich spielte schon als Kind stundenlang Fussball und wurde nicht müde. Also ging ich rennen bis zur Erschöpfung. So kommt man vorwärts, verschiebt seine Grenzen.

Sie scheinen Spass daran zu haben.

Ja, ich mag das Laufen. Viele Spieler hassen es, nach den Ferien zurückzukommen und den Test machen zu müssen. Ich freue mich darauf. So kann ich zeigen, was ich draufhabe. Ich kann ja sowieso nicht mehr als eine Woche ruhen, also trainiere ich. Als ich den Test geknackt habe, hätte ich das nicht tun müssen. Alle anderen hörten früher auf. Aber ich wollte an die Grenze gehen.

Wer ist der beste Fussballer momentan?

Hm, schwierig. Viele würden jetzt wohl sagen Lionel Messi. Aber ich meinte, dass Mohamed Salah diese Saison die Auszeichnung verdient hätte. Für seine Leistungen bei Liverpool und im Nationalteam. Er hat Ägypten fast im Alleingang an die WM geschossen.

Ist er ein Vorbild für Sie? Sie scheinen ja auf einem ähnlichen Weg zu sein.

Weil er auch so viele Chancen versiebt hat? (lacht) Im Ernst: Er ist eine Inspiration. Ich kannte seine Geschichte schon, bevor ich nach Basel kam. Wie auch die Geschichte von anderen Spielern, die via Basel zu einem Grossklub gingen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1