Sie sind gross, robust, schwer und kräftig wie die Wikinger. Und doch vergleicht Coach Dwaine Wood seine 57 Hünen nicht mit Wikingern und lieber auch nicht mit Gladiatoren. Er bevorzugt den Vergleich mit den lauffreudigen Kenianern. «Niemand ahnt, wie viel wir im Training laufen», sagt der Chef des amtierenden Schweizer Meisters, «wir rennen wie die Kenianer.» 60 Sprints mit 20 Sekunden Pause dazwischen gehören zum Standardprogramm von Woods Saisonvorbereitung. «Wir müssen fit sein», sagt der Rheinfelder, «denn wer nicht fit ist, wird feige und scheut den Kampf.»

Swiss Bowl mit 200 Cheerleaders

Fit sind sie also, die Galdiators. Fit müssen sie auch sein. Erstmals in der 26-jährigen Klubgeschichte nehmen sie die Saison als Titelverteidiger in Angriff. Und am Ende der Saison winkt im eigenen Stadion die erneute Krönung. Am 11. Juli geht im Basler Rankhof die Swiss Bowl, das Pendant zur amerikanischen Super Bowl, über die Bühne. Zwar nicht mit Katy Perry im Halbzeitprogramm. Aber es dürfte eine grosse Sause werden. 200 Cheerleaders sollen antanzen, alle Football-Spieler der Schweiz sollen im Trikot ihres Vereins mitfiebern und danach an der After-Game-Party ordentlich abfeiern.

Doch bis es so weit ist, stehen 10 kräfteraubende Qualifikationsspiele auf dem Programm. Die Gladiators starten am Sonntag (Rankhof, 14 Uhr) gegen die Bern Grizzlies in die Saison. Laut Wood neben den Zürich Renegades einer der Mitfavoriten auf den Titel. Der langjährige Dominator, die Calanda Broncos, sind dagegen angezählt. Wood meint sogar, dass die Bündner nicht über den letzten Platz in der 6er-Liga hinauskommen. Selbst die Broncos, von 2009 bis 2013 ohne Unterbruch Schweizer Meister und Eurobowl-Sieger 2012, sehen sich nach zahlreichen Abgängen in der Rolle des Jägers und nicht des Gejagten. Das, obwohl sie mit dem Kalifornier Geoff Buffum einen Ganzjahres-Coach verpflichtet haben. «Das birgt Konfliktpotenzial», glaubt Wood. Denn Buffum sei es sich gewöhnt, mit Profis unter professionellen Bedingungen zu arbeiten. Doch die Realität in der Schweiz sieht anders aus.

Für Europa fehlt das Geld

Wood kennt die hiesige Football-Realität seit der Geburtsstunde der Gladiators, coacht das Team ehrenamtlich und arbeitet als Finanzcontroller. Weil das Budget der Gladiators mit 100 000 Franken in etwa dem eines regionalen Fussballvereins entspricht, können sich die Basler auch nicht die Teilnahme am europäischen Wettbewerb, für den sie als Landesmeister qualifiziert wären, leisten. «Alleine die Reisekosten mit einem so grossen Kader sind horrend», sagt Wood.

Fragezeichen gibt es auf der Position der Ausländer. Geplant haben die Gladiators mit Quarterback Jaren Williams und Linebacker Jonathan Talbot. Doch die Amerikaner haben noch keine Arbeitsbewilligung erhalten. «Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Behörden uns Steine in den Weg legen», sagt Wood, «in den letzten Jahren gab es nie Probleme.» Doch vor allem in der Defensive können die Basler auf die bewährten Kräfte der Meistersaison zählen und gelten auch heuer als Titel-Favorit. Neu gilt in dieser Saison die Regel, dass pro Spielzug nur ein Ausländer auf dem Feld stehen darf. «Für diese Reglementsänderung habe ich lange gekämpft, und jetzt, da den Broncos das Geld fehlt, wurde sie endlich angenommen», schickt Wood einen Giftpfeil Richtung Bündnerland.

«Win for Till»

Überschattet würde die Saisonpause der Gladiators durch ein tragisches Unglück. Spieler Till König verstarb Ende Januar bei einem Lawinenunglück. 15 Jahre spielte der 28-Jährige für den Verein. «Er war wie ein Sohn. Er war ein guter, freundlicher Mensch. Er war unser König», sagt Wood. Deshalb wollen die Gladiators in dieser Saison auch für ihren ehemaligen Kollegen spielen. Ihr Motto: «Win for Till.»