Frauenfussball

Basels Querdenker muss in den unerwarteten Ruhestand

Engagement auf Zeit: Beat Naldi (r.) ist im Sommer weg. Zinke/Archiv

Engagement auf Zeit: Beat Naldi (r.) ist im Sommer weg. Zinke/Archiv

Basel Frauen-Trainer Beat Naldi muss seinen Platz Ende Saison für Kaan Kahraman räumen – ein überraschender Wechsel zu einem überraschenden Zeitpunkt.

Beat Naldi kann seine Enttäuschung nicht verbergen. Nur zu gerne hätte der Aargauer noch eine Saison beim NLA-Team angehängt, um seine Philosophie in die Tat umzusetzen und endlich die Früchte für seinen Einsatz am Rheinknie ernten zu können. Diese Vision ist jäh geplatzt.

Bereits im November suchte Naldi das Gespräch mit Benno Kaiser, dem Leiter des Frauenfussballs, und drängte auf eine Zukunfts-Entscheidung zum Anfang des Jahres. «Auch für uns war es eine Herausforderung in einer so kurzen für die nächste Saison zu planen», sagt Kaiser. Am Ende fiel der Entscheid gegen Naldi aus, der in seiner zweiten Saison an der FCB-Seitenlinie steht. «Vielleicht war ich zu ein zu grosser Querdenker, der sich nicht alles gefallen liess und immer offen seine Meinung sagte», sieht Naldi mögliche Gründe für die Trennung.

Auch Gubler geht

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Berufsschullehrer und die Technische Leiterin Susanne Gubler andere Ansichten über die Weiterentwicklung des Teams hatten. Aber auch Gublers Vollzeit-Stelle wird auf die kommende Spielzeit hin neu besetzt. Wieso muss dann auch Naldi gehen? «Vielleicht will man auch einen Generationswechsel einleiten. Von meiner Seite aus gibt es jedenfalls kein böses Blut», stellt Naldi klar. Seitens der Spielerinnen gibt es ebenfalls Rückendeckung, Captain Kerstin Boschert legte nach der Bekanntgabe mehrmals ein gutes Wort für den Trainer ein. Ohne Erfolg. «Es bringt nichts, diesen Entscheid zu hinterfragen oder zu kommentieren. Was zählt, sind die sportlichen Ziele», sagt Naldi.

Auftakt gegen den Leader

Und da gilt es heute (17 Uhr, Nachwuchs-Campus Münchenstein) zum Rückrunden-Start gegen Leader Kriens wieder ernst. Mit dem 3. Platz hinter den Luzernerinnen und dem FC Zürich erfüllt die Mannschaft die Erwartungen. «Die Trennung von Naldi liegt nicht an den sportlichen Resultaten. Wir mit seiner Arbeit immer zufrieden», macht Kaiser deutlich.

Primäres Saisonziel wird nun sein, die Meisterschaft auf diesem 3. Rang abzuschliessen – auf die Spitzenplätze ist der Punkt-Abstand und der Qualitäts-Unterschied zu gross. Auch im Cup liegen die Baslerinnen derzeit voll im Fahrplan. Am 1. März treffen die Frauen im Viertelfinal zu Hause auf Staad – dem Tabellensiebten der NLA. Eine mehr als machbare Aufgabe also.

Kahraman als Gegenentwurf

Im Sommer fängt dann ein neues Kapitel an. Der 32-jährige Kaan Kahraman – der mit einem 50-Prozent-Pensum eingestellt wird – -bildet dabei das Gegenstück zum 66-jährigen Beat Naldi. Ausserdem wird Stefano Ceccaroni die Technische Leitung von Susanne Gubler übernehmen – in einem 30-Prozent-Pensum. Die restlichen administrativen Aufgaben übernimmt Kaiser. «Wir messen dem Frauen-Team denselben Stellenwert wie bisher bei. Zusätzlich werden die Prozesse optimiert», sagt Kaiser.

Kahraman gilt in der Szene als Trainertalent, der sich bisher im Nachwuchs-Bereich von Zuchwil und dem Kanton Solothurn ausgezeichnet hat. Er soll als Bindeglied zwischen der Nachwuchs-Arbeit und der 1. Mannschaft fungieren. Kleiner Nachteil: Kahraman hat auf NLA-Ebene noch keinerlei Trainer-Erfahrung gesammelt. «Für uns spielt dieser Umstand keine Rolle. Kaan entspricht mit seinem Charakter genau unserer Vereins-Philosophie.»

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