Rugby
Basels Rugby-Team schreibt mit dem zwölften Sieg in Folge Geschichte

Vor dem Anpfiff gegen das viertklassierte Bern war bei den Basler Spielern eine gewisse (An-)Spannung zu spüren. Denn nach der dreimonatigen Winterpause wusste man nicht genau, wo man stand. Aber auch im zwölften Spiel blieb Basel ungeschlagen.

Georges Küng
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Während des Rugby-Spiels geht es hart, aber fair zu. In der dritten Halbzeit wird zusammen gegessen.Junkov

Während des Rugby-Spiels geht es hart, aber fair zu. In der dritten Halbzeit wird zusammen gegessen.Junkov

Das Basler Rugby-Team war angespannt und nervös, auch wenn die Mannschaft in der Vorwoche das Cupspiel in Lugano, dem einzigen ernsthaften Verfolger, mit 26:13 gewonnen hatte.

Und tatsächlich, in den ersten zehn Minuten kam der RFC überhaupt nicht in die Gänge. Vielmehr musste er sich dynamischen Angriffen der Berner erwehren und geriet mit 0:3 in Rückstand. Eine Premiere, denn in den bisherigen Matches hatten die Basler ihre Rivalen von Beginn an «erdrückt». Höhepunkt war das 103:0 gegen La Chaux-de-Fonds im letzten Oktober. Dabei sind die Neuenburger immerhin Sechster unter zehn Teams in der NLB.

Erfolg des eigenen Nachwuchses

Am Ende schaute aber für die Equipe von Cheftrainer Andy Kendall ein sicherer, nie gefährdeter 23:9-Sieg heraus. «Well done, guys!», lautete Kendalls Kommentar. Kurz und doch voller Stolz und zufrieden lobte und würdigte der Engländer unmittelbar nach Abpfiff den Auftritt seiner Spieler, die unaufhaltsam die Promotion in die Elite anstreben. Der 1975 gegründete RFC Basel hat in seiner wechselvollen Geschichte vieles erlebt.

«Aber noch nie, dass das Fanionteam 12 Siege in Serie erreicht hat», sind sich die Zuschauer auf der Pruntrutermatte einig. Rugby in Basel, wiewohl im Herzen der Stadt gespielt, ist eine familiäre Angelegenheit. Obwohl der Klub weiterhin einen «British Touch» hat, verweisen die Vereinsverantwortlichen mit berechtigtem Stolz auf die Tatsache, dass beim Cupspiel in Lugano von den 22 eingesetzten Akteuren deren 21 der eigenen Nachwuchsabteilung entstammten.

Vorbei die Zeiten, als primär Akteure aus Grossbritannien, welche in der Basler Chemie- und Pharmaindustrie arbeiteten, das Gerüst der 1.Mannschaft bildeten. Weil ihre Aufenthaltsdauer meist beschränkt war, konnte so nie Konstanz und Kontinuität entstehen.

Fairness wird gelebt

Basis des RFC Basel ist der Unterbau. Einer der Juniorentrainer heisst Olli Blattmann (48), Sohn des verstorbenen Fifa-Schiedsrichters Rolf Blattmann. Auch Blattmann junior war ein guter regionaler Fussball-Referee. Doch «das ewige Gemotze, Reklamieren, Foulsschinden und der fehlende Respekt gegenüber dem Unparteiischen führten dazu, dass ich von einem Tag auf den anderen mit der Pfeiferei aufhörte», erklärt Olli Blattmann.

Im Rugby hat er eine neue Herausforderung gefunden. «Hier sind Fairness und Respekt keine Fremdwörter. Sie werden vorge-lebt», so der Trainer der U18- und der U16-Equipe. Sagts und schloss sich der legendären, sagenumwobenen «dritten Halbzeit» an, als Basler und Berner gemeinsam, bei Speis und Bierchen, fachsimpelten und die Partie Revue passieren liessen. Im Kreis der Akteure: die Schieds- und Linienrichter. Ein Bild, das im Fussball wohl undenkbar ist.