Langlauf

Basler Sportredaktor bewältigt den Langlauf-Marathon im Engadin

Debütant Patrick Pensa zwei Kilometer vor dem Ziel.  alphafoto.com

Debütant Patrick Pensa zwei Kilometer vor dem Ziel. alphafoto.com

Unser Autor, Patrick Pensa, begab sich selbst auf die Strecke und absolvierte den Engadiner Langlauf-Marathon in etwas mehr als dreieinhalb Stunden.

Ameisenstrassen bringen die Teilnehmer zu der Startzone bei Maloja. Tausende von schwarzen Punkten bewegen sich durch das Schneegestöber. Einer stört das Bild und überholt die anderen. Das bin ich, der sich etwas zu viel Zeit gelassen hat und jetzt pressieren muss. Noch zwei Minuten.

Mit dem Stock versuche ich den Schnee aus meiner Sohle zu kratzen, denn ich komme nicht in die Bindung. Mit dem Startschuss stecke ich die rechte Hand in die Schlaufe des Stockes und beginne mich durch das Feld nach vorne zu arbeiten.

Riesige Schar von Skatern

Klassisch, die langsamere Lauftechnik, scheint nicht mehr hoch im Kurs zu stehen. Meine Spur ist praktisch frei, während zu meiner Linken eine riesige Schar von Skatern läuft. Immer wieder stürzt einer und die Masse umfliesst den Liegenden. Obwohl das Frühstück immer noch in meinen Bauch schwappt, bringe ich die Fläche gut hinter mich. Von Rückenwind habe ich aber nichts gemerkt und auch die Ski laufen auf dem Neuschnee nicht ideal. Jetzt staut sich die Masse.

Anstehen für den ersten richtigen Aufstieg. Natürlich gibt es einzelne Drängler, aber die Langläufer sind ein gesittetes Volk. Da ich Schuppenski habe, könnte ich eigentlich gerade hoch laufen, aber hier gibt es keine Spur mehr, sodass ich auch einen Grätenschritt machen muss. Heinz (Name auf der Laufnummer) schliesst sich mir an und freut sich, «noch so einen Exoten» getroffen zu haben.

«Abfahrt ist kein Problem»

Den Stazerwald, vor dessen Abfahrt ich mehrfach gewarnt wurde, ist überhaupt kein Problem und ich kann Plätze gutmachen. Langsam ist mein Körper am Überhitzen und ich freue mich auf ein Getränk. Den Helfern mit der warmen Bouillon weiche ich aus und gehe zum Wasserstand. Doch zu meinem Schock ist auch dieses vorgewärmt. Wäre ich nicht so durstig, ich würde es wieder ausspucken. Die Läufer, die den Halbmarathon bestreiten, sind nun im Ziel, alle anderen müssen links abbiegen und kommen zur grossen Fläche des Flughafens: meiner «Pièce de Résistance».

Obwohl das Gelände flach ist, habe ich das Gefühl, dass ich nicht vom Fleck komme. Auch Heinz, den ich hier wieder einhole, flucht über das Wachs, das er aufgetragen hat. Ein anderer Läufer sitzt mir im Nacken, will mich aber partout nicht überholen. Mein ganzer Oberkörper schmerzt. Die Skater tänzeln massenweise an mir vorbei.

Glücksgefühle im Ziel

Ich leide weiter, passiere aber irgendwann die 30-Kilometer-Markierung und schöpfe neuen Mut. Zudem gibt es jetzt immer wieder leichte Steigungen, sodass ich auf den normalen Wechselschritt umsteigen und meine Arme entlasten kann. Die Zuschauer am Loipenrand treiben mich weiter an. Besonders die, die einen direkt mit dem Namen anfeuern. Langsam spüre ich das Ziel näher kommen.

Noch einen Kilometer. Man hört schon den Speaker vom Zielgelände. Die Strecke schlängelt sich aber dorthin, sodass man zweimal eine Gegenwindfront ins Gesicht bekommt und fast stehen bleibt. Zudem ist der Schnee tief, sulzig. In der letzten Abfahrt mache ich einen Taucher. Gerne würde ich etwas liegen bleiben, der zusätzliche Energieaufwand war nicht eingeplant. Die Zielgerade. Glücksgefühle durchfluten einen. Es ist vollbracht. Grinsen übers ganze Gesicht.

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