Nicht für alle, die am Basler Stadtlauf die Jogging-Schuhe schnüren, geht es um Podestplätze und Siegprämien. Für die riesige Mehrzahl der nahezu 10000 Läuferinnen und Läufer, die morgen die Strassen und Gassen Basels wieder in ein buntes und fideles Jogging-Mekka verwandeln, stehen Spass und Geselligkeit im Vordergrund. Sich mit Gleichgesinnten zu treffen, einen guten, fitten Moment zu erleben und vielleicht die ganz eigenen, persönlichen Grenzen auszuloten, hat erste Priorität. Für die Familie Garessus, die in unmittelbarer Nähe der Strecke lebt, ist der Stadtlauf seit Jahren Fixpunkt im Terminkalender. Ähnlich wie an Weihnachten, Geburtstagen und Ostern trifft sich die ganze «Crew» zum gemeinsamen sportlichen Erlebnis.

Unvergessliche Momente

Unvergessen der Moment 1999, als die Familie erstmals als Familie an den Start ging. «Unser Jüngster war damals vier Jahre alt und hat sich voller Tatendrang zuvorderst in der Startaufstellung eingereiht», erzählt Mutter Brigitte. Die 46-jährige Krankenschwester ist heute noch ergriffen, wenn sie an diesen Augenblick zurückdenkt. Klein Olivier wurde nach dem Startschuss von der älteren und stärkeren Konkurrenz prompt überrannt und zu Boden geworfen. Sein fünf Jahre älterer Bruder Roméo pfiff auf Zeit und Rang, blieb stehen und half dem jüngsten Familienspross auf die Beine, kümmerte sich um ihn, bis der wieder weiterlaufen konnte. «Rührend». In anderen Jahren hätten ihre Kids auch schon Mal Geburtstagspartys unterbrochen, zu denen sie eingeladen gewesen seien, um schnell den Stadtlauf zu rennen, und dann wieder zum Fest zurückzukehren. Auch das ist Stadtlauf-Begeisterung.

Es geht um mehr als den Sieg

«Wir wollten den Kindern zeigen, dass der Sieg nicht im Vordergrund steht, sondern Mitmachen das Wichtigste ist», sagt Mutter Brigitte. Darum habe man sich damals gemeinsam für den Stadtlauf angemeldet. Zum krönenden Abschluss bürgerte sich dann schnell ein, dass es – «ausnahmsweise» wohlverstanden – noch einen Hamburger von der Kette mit dem Donald gab. Aus dem Debüt von einst ist wie erwähnt ein fester Bestandteil des Familienlebens geworden. Immer wieder trifft sich seither die ganze oder Teile der Familie zum Basler Stadtlauf. Tochter Estella (20) reist heuer extra aus ihrem Studienort im südholländischen Leiden an. Roméo (23) arbeitet in der Schmuck- und Uhrenbranche und kommt aus St. Moritz in seine Heimat angefahren. Auch Sohn Olivier (18), der jetzt am Start von niemandem mehr über den Haufen getrampelt wird, hat keinen kurzen Anfahrtsweg. Der Filius besucht die Hotelfachschule in Les Roches im Wallis. In Basel selbst sind unterdessen «nur» noch Vater Emmanuel, ein Wirtschaftsjournalist, der ursprünglich aus Boncourt stammt, und Mutter Brigitte, die im solothurnischen Zuchwil aufgewachsen ist, «stationiert». An den Rhein kamen die Eltern, die immer sportlich aktiv waren, 1986 aus beruflichen Gründen. Kurz darauf starteten sie damals schon als Paar am Stadtlauf.

Hamburger hat «ausgeburgert»

Der Hamburger mit behördlicher Sonderbewilligung am Abend nach dem Lauf ist bei den Garessus verschwunden. «Wir treffen uns am Mittag zur Pasta», sagt Mutter Brigitte. Am Abend nach dem Lauf hätten inzwischen alle ihr eigenes Programm. «Für ein Mittagessen am Sonntag sollte es dann aber noch reichen.» Zeit, um die Erfahrungen auf der Strecke eingehend zu diskutieren muss sein. Ein gewisser Ehrgeiz ist schliesslich auch bei Hobbyläuferinnen und -läufern wie den Gerassus immer mit von der Lauf-Party. «Klar gibt es auch bei uns ein Wetteifern zwischen Tochter und Mutter etwa oder Söhnen und Vater», hält die Mutter fest. Allerdings wickeln sich diese «Konkurrenzkämpfli» auf einer sehr unverbissenen Ebene ab.

Da die Familie so nahe am Geschehen wohnt, «achten wir natürlich darauf, dass wir immer an der Strecke sind, wenn eines von uns läuft», sagt Brigitte Garessus. Das anfeuernde und in der Regel sehr zahlreich aufmarschierende Publikum macht schliesslich einen enormen Reiz von Stadtläufen aus. Die oft zitierte Läuferfamilie ist keine Worthülse. Wenn sie morgen wieder kreuz und quer durch Basel Rennen sind sie ja alle quasi eine ganz, ganz grosse Familie Garessus.

Die Favoriten und Matthias Kyburz

Gegen 9000 Teilnehmende werden am Samstag zum Basler Stadtlauf erwartet Über 8200 Läuferinnen und Läufern haben sich dieses Jahr bereits angemeldet. Mit den Nachmeldungen am Veranstaltungstag dürfte die Teilnehmerzahl die 9000er-Grenze erreichen. Die bekanntesten Namen im Kampf um den Sieg bei den Spitzenläufern sind Abraham Tadesse (Eritrea), Bernard Matheka (Kenia), Bruno Albuquerque (Portugal), Tolossa Chengere (Äthiopien). Um den Gesamtsieg im Post-Cup kämpfen Christian Kreienbühl (aktuell Erster), Andreas Kempf (2.), Marco Kern (3.). Gespannt ist man auf das Abschneiden von OL-Gesamtweltcupsieger Matthias Kyburz.

Grosse Favoritin um den Tagessieg bei den Frauen ist die Gewinnerin der letzten vier Austragungen Jane Muia (Kenia). Die Kanadierin Aster Bacha und Eshetu Bayush (Binningen/Äthiopien) werden die härtesten Gegenerinnen sein. Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig führt das Klassement im Post-Cup an. Weiter sind dabei Martina Strähl, Valérie Lehmann und Sabine Fischer. Auch in diesem Jahr führen die beiden Elite-Rennen wieder den Rheinsprung hinauf und über den Münsterplatz.Die Strecke wurde gegenüber dem Vorjahr bei den Frauen und den Männern um eine Runde gekürzt. Start ist um 21.05 Uhr (Frauen, 5,9 km) und 21.08 Uhr (Herren, 7,55 km).