Es war ein besonderer Moment für Danielle Spielmann: Vor über 100 000 Zuschauern im ausverkauften Footballstadion der Universität Alabama wurde sie anlässlich eines Spiels des heimischen Teams für ihre starken Auftritte in der vergangenen Saison ausgezeichnet – und das gleich zwei Mal.

Die 19-Jährige hat in ihrem ersten Collegejahr mit ihren Teamkolleginnen so gut abgeschnitten wie noch nie ein Tennisteam der Universität von Alabama zuvor und hat die South East Conference – die stärkste Conference des Landes – gewonnen.

Dafür erhielt Spielmann als erste Schweizer Tennisspielerin den traditionellen Goldring mit entsprechender Gravur. Zudem wurde Spielmann für ihre starken Auftritte ins «Freshman-Team» des Jahres 2014 gewählt. «Ich werde diesen Moment nie vergessen.

Stress durch Doppelbelastung

Es war ein fantastisches Gefühl, die Unterstützung der Zuschauer, Studenten und Athleten zu spüren», erzählt die Baslerin. Seit gut einem Jahr lebt, studiert und trainiert Danielle Spielmann an der Universität von Alabama im gleichnamigen Bundesstaat ganz im Süden der USA.

Auch wenn den Südstaatlern das Klischee anhaftet, dass sie alles etwas lockerer sehen und nach dem Motto «Kommst du heute nicht, kommst du morgen» leben, war das erste Studienjahr für Spielmann intensiv. «Die Doppelbelastung Schule und Sport habe ich etwas unterschätzt. Das war schon sehr stressig», blickt sie zurück.

Hohe Anforderungen

In den ersten beiden Monaten musste sich Spielmann nicht nur an die Umgebung, das Training und die Teamkolleginnen gewöhnen, sondern auch an den neuen Unterrichtsstil. «Ich war nicht mehr in einer Schulklasse und konnte nachfragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe, sondern ich war plötzlich in einem Hörsaal mit 200 Studenten und die Vorlesung wurde auf Englisch gehalten», so Spielmann.

Sie musste daher abends oftmals zusätzlich lernen und gewisse Dinge übersetzen, um sie zu verstehen. Dieser Aufwand war notwendig, denn die Universität verlangt von ihren Sportlern, dass sie alle Fächer mit der Höchstnote «A» abschliessen. Ansonsten erfüllen sie die Kriterien für ihr Stipendium nicht mehr.

Entsprechend wurden die Tage von Spielmann sehr lang: Trainingsstart morgens um sechs oder halb sieben, dann direkt in die Vorlesungen, später wieder ins Training und abends noch lernen. «Es war kein Zuckerschlecken, aber das habe ich mir auch bewusst so ausgesucht», sagt die Marketing- und Psychologiestudentin.Die schulischen Anforderungen hat die 19-Jährige mit Bravour gemeistert und auch auf dem Tennisplatz hat sie in ihrem «Freshman»-Jahr bewiesen, dass man sich auf sie verlassen kann.

Das super Jahr noch steigern

Dank starken Leistungen in der Vorbereitung hat sie sich letzte Saison als Nummer zwei des Teams etabliert. Im Einzel schaffte sie es in die Top 50, im Doppel sogar unter die Top 30 aller College-Athletinnen Amerikas. «Es war eine unglaubliche Saison. Wir hatten an jedem Heimspiel 200 oder 300 Zuschauer, die uns lautstark unterstützt haben. Das war eine super Erfahrung», schwärmt Spielmann, die als einzige Spielerin ihres Teams in jeder Runde sowohl im Einzel als auch im Doppel eingesetzt wurde.

Aktuell steckt sie bereits mitten in den Vorbereitungen für die neue Saison. Diese geht zwar erst im Januar wieder richtig los, doch alle Athletinnen bestreiten derzeit individuelle Turniere, um sich im Ranking zu verbessern und sich für einen Stammplatz aufzudrängen. «Wir wollen den ersten nationalen Titel für die Uni Alabama holen», sagt Spielmann.