Die Erleichterung bei Spielerinnen und Staff war nach dem Schlusspfiff gross. Der Druck vor diesem erst vierten Meisterschaftsspiel lastete schwer auf den Schultern der jungen Spielerinnen in Rot-Blau. Noch im Mai hatte Basel die Möglichkeit Schweizer Meister zu werden. Dann folgten die Budgetreduktion und die Abgänge von Trainerin Sissy Raith und einiger Leistungsträgerinnen. Innert weniger Monate gings sodann vom knapp verpassten Meistertitel zum punktelosen Schlusslicht.

Das mussten vor allem die jungen Spielerinnen auch mental verarbeiten. «Wir dürfen uns nicht verunsichern lassen, müssen hart arbeiten und auch das Glück auf unsere Seite zwingen», meinte Moritz vor dem Spiel. Doch die Theorie lässt sich eben nicht immer auch in der Praxis umsetzen. Die Baslerinnen hatten gegen YB vor allem in der ersten Hälfte eine Art Einbahnfussball praktiziert. Sie griffen auch variantenreich an, nutzten die Räume, doch im Zentrum fehlte die Durchschlagskraft.

Tyara Buser, eigentlich zentral im Angriff spielend, wich immer wieder aus, fand aber den entscheidenden Abschluss nicht. Moritz reagierte, brachte zur zweiten Hälfte die erfahrene Nicole Banecki und wenig später Kristina Sundov, die beide von Verletzungen zurückkommen. Beide brachten sofort mehr Schwung nach vorne. Allerdings wurden nun auch die Bernerinnen mutiger und waren mehr vor dem Gehäuse von Nadia Böni, die wenig geprüft wurde, anzutreffen. In der 59. Minute durften die Baslerinnen dann aber doch jubeln. Buser reagierte nach einem Lattenschuss am schnellsten und staubte zum 1:0 ab.

Treffer in letzter Minute

Dass die Spielerinnen von Thomas Moritz angesichts der Situation noch nicht wirklich gefestigt sind, zeigten sie kurz darauf. Im Anschluss an einen Eckball standen gleich drei Bernerinnen zentral vor dem Tor frei und nach dem Kopfball von Kattalin Stahl liess Lara Marti den Ball zwischen sich und dem Pfosten passieren. Trotz diesem Schlag liessen sich die Baslerinnen nicht entmutigen, griffen weiter an, kämpften um jeden Ball und wurden dafür belohnt. In der 89. Minute entwischte Banecki mit einem weiten Zuspiel aus der Abwehr und liess Torhüterin Seraina Friedli mit einem Flachschuss von der linken Seite keine Abwehrchance.

«Das wichtigste heute war der Sieg und die drei Punkte, denn jetzt können wir nach vorne schauen. Ich finde, wir haben aber in der ersten Hälfte auch ganz gut gespielt, es fehlten einfach die Tore. Dass ich das Siegtor erzielte, freut mich, wichtig aber ist, dass wir gewonnen haben», so eine strahlende Nicole Banecki. Als Dank musste sie mit den Spielerinnen, die wenig oder keinen Einsatz hatten, noch ein Training bestreiten. Für Moritz ist der Erfolg extrem wertvoll. «Das Team hat wieder alles gegeben, aber eine Verunsicherung ist vorhanden. Bis die Automatismen spielen, passieren immer wieder Fehler, was aber normal ist. Wir wurden zuletzt dafür immer wieder bestraft. Heute hatten wir das späte Tor auf unserer Seite.»