Europaspiele
Beachsoccer-Coach Angelo Schirinzi: «Wir sind als Familie in Minsk»

Angelo Schirinzi vertritt die Schweiz an den Europaspielen als Sport-Botschafter und Trainer der Beachsoccer-Nationalmannschaft. In Minsk sind auch Sportarten vertreten, die noch nicht olympisch sind. Damit bieten die Europaspiele ein unvergleichbares Erlebnis und ein Schaufenster.

Andrea Meili
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Beachsoccer Nationalcoach Angelo Schirinzi
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Der Ball wird oft angehoben und berührt kaum den Sand.
Spektakuläre Pässe und Tore, sowie schnelle Spielzüge: Angelo Schirinzi im Spiel gegen Brasilien.
An den Europaspielen ist Schirinzi als Coach und Botschafter der Schweizer mit dabei.

Beachsoccer Nationalcoach Angelo Schirinzi

Keystone

Was ist Ihre Aufgabe als Botschafter an den Europaspielen?

Ich repräsentiere die Schweiz mit viel Respekt und Sportlichkeit im weissrussischen Minsk. Konkrete Aufgaben haben wir nicht. Die Botschafter stehen den Medien und auch an anfälligen Anlässen zur Verfügung. Hauptsächlich geht es darum, unsere sportliche Aufgabe zu erfüllen. Als Coach der Beachsoccer-Nationalmannschaft will ich natürlich auch gute Resultate zu erreichen.

Neben den Europaspielen gibt es in jeder Sportart auch noch andere Anlässe wie EM, WM und die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Braucht es diese Europaspiele überhaupt?

Für uns Beachsoccer-Spieler ist es eine tolle Sache. Wir haben ein Schaufenster und natürlich gibt es auch Medaillen zu gewinnen für die Schweiz. Für das Beachsoccer-Team sind die Europaspiele eine spezielle Herausforderung.

Es ist also vor allem eine Chance, weniger bekannte Sportarten zu zeigen.

Nicht nur, es gibt auch bekanntere Sportler und Sportarten, die das Schaufenster nutzen. Wenn ich die Schweiz und den Beachsoccer vor mehreren tausend anderen Sportlern zeigen kann ist das auch eine grosse Ehre und eine besondere Herausforderung. Es ist sicherlich nicht nur einfach ein weiterer Punkt auf dem Sportkalender.

Wie verlief die Qualifikation der Beachsoccer-Nationalmannschaft?

Wir mussten in der Europa-League unter die besten sieben Mannschaften kommen und hatten dafür drei Qualifikationsspiele und ein Finalturnier zu bestreiten. Weissrussland stellt noch die achte Mannschaft, sie haben sich als Gastgeber jedoch direkt qualifiziert.

Was erwartet sportbegeisterte Schweizer, wenn sie die Europaspiele verfolgen?

Einen Grossanlass mit vielen verschiedenen Sportarten. Auch solche, die sie noch nie in diesem Rahmen gesehen haben. Beachsoccer ist sonst auf der Weltbühne nicht so stark vertreten wie beispielsweise das Boxen. Von dem her ist es sicherlich ein spezieller Anlass.

Beachsoccer gibt es zwar noch nicht an den Olympischen Spielen, an den letzten Europaspielen aber schon. Welche Erinnerungen haben Sie an Baku?

Das war ein ganz spezielles Ereignis. Mit all den anderen Schweizer Sportlern zu reisen und sich an diesem Grossanlass zu präsentieren ist toll. Auch mit der Schweizerflagge in das Stadion hineinzulaufen an der Eröffnungsfeier war eindrücklich.

Welchen Stellenwert hat dieser Anlass für Sie im Vergleich zu einem Euro Winners Cup oder der WM?

Der Euro Winners Cup ist natürlich ganz etwas anders, da wir in Minsk mit der Nationalmannschaft antreten und nicht mit dem Club. Auch die WM ist immer ein Erlebnis, doch die Europaspiele sind einfach speziell, da mehrere Sportarten vertreten sind und wir mit den besten Sportlern um Medaillen für die Schweiz kämpfen.

Der Austausch mit den anderen Schweizer Sportlern ist sicherlich auch interessant.

Man hilft sich gegenseitig, man feuert sich an und wir sind als eine grosse Familie da.

Sie sind nicht nur Trainer der Nationalmannschaft, sondern trainieren auch das russische Team BSC Kristall.

Genau, das mache ich parallel zur Nationalmannschaft. Vergangene Saison wurden wir russische Meister und auch diese Saison läuft einiges mit beiden Teams. Nach den Europaspielen geht es mit Kristall gleich weiter nach Portugal an die Euro Beach Soccer League und dann mit der Nati nach Moskau, wo wir um die Qualifikation für die WM spielen. Im August und September spielen wir die Meisterschaft mit den Clubs. Darauf folgen noch die World Beach Games in Katar im Oktober und im November die WM in Paraguay. Das Programm ist voll.

Russland kennen Sie inzwischen, wie gut kennen Sie Weissrussland?

Russland kenne ich tatsächlich sehr gut, ich war schon fast überall. Weissrussland leider noch nicht, deshalb freue ich mich auf Minsk.

Wie sehen die Medaillenchancen der Schweizer aus?

In Baku hatten wir mit Nicola Spirig eine Topathletin, die auch prompt Gold gewann. Dieses Mal ist sie zwar nicht anwesend, doch wir haben in anderen Sportarten einige Medaillenhoffnungen dabei. Wir unterstützen uns alle gegenseitig und freuen uns gemeinsam, wenn wir die eine oder andere Medaille für die Schweiz holen. Wer sie schlussendlich gewinnt ist zweitrangig, wichtig ist, dass wir Medaillen holen.

Was sind die Erwartungen an die Beachsoccer-Nationalmannschaft?

Wir hoffen natürlich auf eine Überraschung, aber einfach wird es nicht. Es ist wie im Rasenfussball, wir sind eine gute Nation und haben einige sehr gute Spieler wie der Aargauer Noel Ott, der auf einem einzigartigen Level spielt. Aber auch die anderen Mannschaften, wie Spanien, Portugal und Russland haben auch Topmannschaften und sie sind alles Profis im Gegensatz zu uns. Wir versuchen also so weit wie möglich zu kommen, von Medaillen zu sprechen wäre aber schon etwas verwegen. Wir werden sicher unser Bestes geben.

Apropos Russland: Sie kennen viele Spieler aus der Meisterschaft, wie wäre für es Sie gegen die russische Nationalmannschaft zu spielen?

Ich kenne sechs Spieler dieser Mannschaft, die bei mir im Club sind. Es wäre also einerseits eine Herausforderung, weil ich weiss wie gut sie sind, andererseits haben wir vielleicht auch einen Vorteil, weil ich sie gut kenne. Trotzdem wäre mir eine andere Mannschaft im Halbfinal lieber.

Ist die Schweizer Delegation gut vorbereitet?

Wir haben uns seit Monaten zusammen mit Swiss Olympic professionell vorbereitet. Wir mussten einige Hürden nehmen mit den Dopingtests, bei der Kommunikation und wir hatten immer wieder Events, wie vor zwei Wochen, als wir uns alle mal kennengelernt haben. Wir sind im regen Austausch mit allen Verantwortlichen und sind nun bereit für die Wettkämpfe.

Was macht eigentlich die Faszination Beachsoccer aus?

Wer Fussball liebt, liebt auch Beachsoccer, denke ich. Es gibt sehr viele grossartige Tore und attraktive Spielzüge. Es spielen vier gegen vier auf einem kleineren Feld als beim Fussball und damit wird das Spiel viel schneller, kompakter und technischer. Es ist immer was los im auf dem Sandplatz.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Beachsoccer?

Es läuft eigentlich jetzt schon sehr gut, es wird immer mehr geschaut. Natürlich hätten wir gerne noch etwas mehr Unterstützung in der Schweiz, damit wir uns breiter aufstellen können. Vielleicht wechseln dann in Zukunft auch mehr junge Fussballer, die den Sprung in die Profikarriere nicht geschafft haben zum Beachsoccer.

Und für die Europaspiele?

Zuerst wünsche ich mir natürlich, dass wir alle unverletzt bleiben und mit vielen Medaillen in die Schweiz zurückkehren. Wie die Europaspiele in der Zukunft aussehen, weiss ich nicht genau, aber ich denke der Anlass hat Potenzial, vor allem für Sportarten, die man sonst nicht so oft sieht. Sie kriegen damit eine Plattform. Die letzten Spiele in Aserbaidschan war hervorragend und ich nehme an, Weissrussland wird genauso toll. Ich habe das Gefühl, dass daraus ein erfolgreicher Grossanlass entstehen kann.