Fussball
Beat Bieri: Der Paul Scholes des FC Liestal erklärt seinen Rückritt

Beat Bieri hat nach 18 Jahren sein letztes Spiel für das Fanionteam des FCL bestritten. Der Mittelfeld-Akteur blickt auf seine schönsten, schlimmsten und eindrücklichsten Momente zurück und erklärt, wieso jetzt der perfekte Moment ist, um aufzuhören

Céline Feller
Drucken
Teilen
Beat Bieri (vorn) hat rund 600 Mal für den FCL gespielt.

Beat Bieri (vorn) hat rund 600 Mal für den FCL gespielt.

Vereinstreue. Es ist ein angestaubter Begriff, der selbst in den unteren Ligen kleingeschrieben wird. Was früher noch gang und gäbe war, ist in den letzten Jahren immer seltener geworden. Vereinstreue ist zum seltenen Luxus geworden. Umso mehr stechen Spieler, welche ihrem Verein über viele Jahre hinweg die Treue halten, heraus. Sei es nun ein Francesco Totti, ein Steven Gerrard, ein Massimo Ceccaroni oder ein gewisser Beat Bieri, der wie einst Paul Scholes 18 Jahre lang das Mittelfeld der ersten Mannschaft seines Vereins prägte.

Mit 16 Jahren vom regionalen Konkurrenten FC Oberdorf zum FC Liestal gewechselt, streifte sich der heute 35-Jährige erstmals das rot-weisse Trikot über. Als Stammspieler ist Bieri somit gut 600 Mal für den Verein seines Herzens aufgelaufen. Die Geschichte von Beat Bieri lässt das Herz eines jeden Fussball-Romantikers höher schlagen.

Am vergangenen Samstag beim Cup-Qualifikationsspiel gegen Buochs (Liestal verlor 6:0, Anm, d. Red.) spielte das Liestaler Urgestein nun ein letztes Mal für den FCL. «Ich habe in meinen ganzen 18 Jahren noch nie so hoch verloren wie in meiner letzten Partie», erzählt der Mann mit der Rückennummer 14. Neben diesem erfolglosen letzten Kapitel erlebte der Mittelfeld-Akteur aber sehr viele spezielle und eindrucksvolle Momente mit dem FC Liestal.

Der schönste Moment: «Das war ganz klar das Spiel gegen den FC Basel vor acht Jahren in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups. Wir unterlagen dem FCB zwar mit 1:6. Aber alles. was mit dem Spiel verbunden war, war einmalig. In der Woche vor dem Spiel war das Fernsehen zu Gast, man konnte den FC Liestal in den nationalen Zeitungen in der Vorberichterstattung lesen und, noch viel wichtiger, vor einer unglaublichen Kulisse vor knapp 6000 Zuschauern im Gitterli gegen das Star-Ensemble von Basel spielen. Aber auch der über alle Saisons währende Teamgeist und Zusammenhalt werden unvergesslich bleiben. Zudem hatte ich die Möglichkeit mit vielen für unser Niveau überdurchschnittlichen Spielern wie Philipp Konrad, Pius Kaderli, Fabian Gut und vor allem Roger Schreiber zu spielen mit denen ich heute noch regelmässigen Kontakt habe.»

Der schlimmste Moment: «Den gab es nicht wirklich. Ich wurde glücklicherweise von gravierenden Verletzungen verschont, hatte dafür aber zwei längere Phasen mit mehreren Verletzungen. Daher war das Schlimmste, was mir spontan einfällt, jene Saison, in der wir nur haarscharf am Abstieg vorbeischrammten, das war 2001. Wir blieben nur dank sehr viel Glück und Schützenhilfe unserer Gegner oben.»

Der eindrücklichste Moment: «Als wir damals in die zweite Liga interregional aufgestiegen sind (2005, Anm. d. Red), hatten wir eine unglaubliche Saison gespielt, nicht ein einziges Spiel verloren. Es wurde ein Aufstiegsfest auf dem Zeughausplatz in Liestal organisiert und wir sind mit einem englischen Bus und dem Pokal dorthin gefahren. Wir haben damit gerechnet, dass sich nur ein paar wenige Leute dort eingefunden haben. Der Bus bog um die Ecke und zirka 600 Menschen empfingen uns euphorisch. Das war Wahnsinn!»

Wieso hört Bieri jetzt auf? Weil es für ihn selbst schlicht der perfekte Moment sei. «Mein Ziel war es immer, auf dem Platz aufhören zu können. Nachdem dies letztes Jahr nicht geklappt hatte (er war verletzt), entschied ich mich, noch eine Spielzeit anzuhängen. Die Challenge und die Intensität werden mir sicher fehlen. Aber ich bin jetzt achtzehn Jahre lang drei Mal in der Woche im Training gewesen und habe am Wochenende noch in den abgelegenen Winkeln des Juras Spiele bestritten. Es hat jedes einzelne Mal Spass gemacht, für den FCL aufzulaufen. Jetzt möchte ich jedoch vermehrt andere Sportarten ausüben und freue mich auf viele ehemalige Teamkollegen bei den Senioren des FCL.»

Nach diesen langen Jahren hat Beat Bieri sich das Kürzertreten mehr als verdient.

Aktuelle Nachrichten