Fabio Oliveira steht inmitten des hektischen Treibens auf dem Spiegelfeld. Mit Händen und Füssen weist er die C-Junioren des SC Binningen während ihres Trainings an. Immer mal wieder ruft er laut «rechts», «passen», «los». Aber auch englische Wortfetzen sind zu vernehmen. Unverkennbar ist er der ruhende Pol, die ordnende Hand inmitten des hektischen Treibens.

Mit dem Sweatshirt in den Farben seiner Heimat Brasilien sticht der 34-Jährige auf dem verregneten Fussballplatz heraus. Und das nicht nur, wegen der verblüffenden Ähnlichkeit mit der brasilianischen Fussballlegende Bebeto.

Ende Monat reist Oliveira zurück

Seit Mitte März ist Oliveira als Gasttrainer in der Schweiz und trainiert die zahlreichen Junioren-Teams des SC Binningen. Ende Monat kehrt er nach seinem rund zehnwöchigen Aufenthalt nach Brasilien zurück. «Das Engagement Fabios war für uns absolutes Neuland», erinnert sich Binningens Juniorenobmann Chris Kaiser.

Der Versuch mit dem brasilianischen Coach habe voll eingeschlagen. «Die Kinder und die anderen Trainer mögen ihn sehr. Alle Beteiligten haben unheimlich viel profitieren können.»

Vor drei Jahren hat Oliveira in seiner Heimatstadt Itapeva im Bundesstaat São Paulo eine Fussballschule gegründet. Dort trainiert der studierte Fussballtrainer rund 150 Junioren. Daneben hat er vor zwei Jahren ein Hilfsprojekt im ärmsten Quartier seiner Heimatstadt ins Leben gerufen.

Hilfsprojekt für benachteiligte Kinder

Gesponsert von einem guten Kollegen holt er Kinder von der Strasse, organisiert ihnen die Fussballausrüstung und trainiert sie. Nachdem er seine aktive Fussballerkarriere wegen einer Verletzung früh beenden musste, gehört er zudem seit acht Jahren dem Trainerstab eines vom Sportartikelhersteller Nike organisierten Sommer-Fussballcamps in den USA an.

Doch wie landet ein so erfahrener Fussballlehrer in Binningen? «Die Idee kam auf, als ich an einem Grillfest bei einem Freund einen Schweizer kennen lernte», sagt Oliveira lächelnd. Drei Kinder des Schweizers spielen in der Juniorenabteilung des SC Binningen Fussball. Die Idee war bei Caipirinha und Grillfleisch bald einmal geboren und in der Folge setzten Kaiser und Oliveira das Vorhaben in die Tat um.

Kosten von 6000 Franken

Das Engagement des Brasilianers lässt sich der SC Binningen 6000 Franken kosten – darin inbegriffen sind Flug, Kost und Logis und eine Entschädigung für Oliveiras Tätigkeiten. Eine beträchtliche Investition, für die Juniorenabteilung eines Klubs aus der 2. Liga inter. «Die Abrechnung läuft über einen separaten Posten in unserem Budget», sagt Kaiser.

Weil das Engagement ins neue Juniorenkonzept des Klubs – möglichst gute Trainer ergeben entsprechend gute Spieler – passt, sei die Investition getätigt worden. «Mir schwebt schon vor, dass Fabio auch künftig wieder nach Binningen kommt», so Kaiser. Allerdings sicher nicht mehr für einen so langen Zeitraum. «Das wäre für uns finanziell nicht tragbar.»

Wöchentlich andere Teams trainiert

Oliveira hat während seiner zehn Wochen in Binningen wöchentlich andere Juniorenteams des Klubs trainiert. Davon profitiert haben nicht nur die Junioren, sondern auch die Trainer. «Wir haben sehr viel profitiert», sagt Kaiser. Vor allem habe man auch gemerkt, dass in Brasilien vieles ähnlich gehandhabt werde wie hier.

«So sehen wir uns in unserer Arbeit auch bestätigt.» Und auch Oliveira schwärmt von seinem Aufenthalt in der Schweiz: «Das war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe mit den Trainern hier viele Ideen austauschen können», sagt er. Die Unterschiede zwischen seinen brasilianischen Junioren und denjenigen des SC Binningen sieht er vor allem in der Ausrichtung der Ausbildung. «Hier sind die Kinder schon viel stärker taktisch geprägt. In Brasilien ist dafür mehr Ballgefühl und Technik vorhanden», sagt er.

In zwei Wochen kehrt Oliveira in seine Heimat zurück. Dort wird die Sonne dann wieder wirklich vom Himmel scheinen. Im verregneten Binninger April-Wetter sorgt der Brasilianer derzeit mit seiner fröhlichen, zugänglichen Art und seinem gelben Brasilien-Sweatshirt wenigstens für einen Hauch von sonnigem Samba-Gefühl.